Unternehmen

Hitzestress am Arbeitsplatz: Mehr Krankmeldungen bei Extremtemperaturen

Extreme Sommerhitze belastet nicht nur das Wohlbefinden, sondern wirkt sich zunehmend auf die Arbeitsfähigkeit aus. Bei Hitzewellen häufen sich Krankmeldungen – für viele wird der Job zur körperlichen Belastung. Doch reichen die bestehenden Schutzvorgaben aus? Eine Initiative aus der Opposition bringt frischen Wind in die Debatte – und könnte bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf Zustimmung stoßen.
02.07.2025 07:07
Lesezeit: 2 min

Die Zahl der Krankheitstage wegen Hitzefolgen steigt. 2023 lag sie bei rund 92.700 - rund 11.300 Tage oder zwölf Prozent mehr als der vorherige Höchststand 2018. Dies geht aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Cem Ince hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Erfasst wurden Arbeitsunfähigkeitstage wegen Hitzschlags, Sonnenstichs, Hitzeerschöpfung und ähnlicher Diagnosen. Die vom Ministerium vorgelegte Statistik zeigt, dass diese Krankheitstage von Jahr zu Jahr schwanken, je nach Hitzelage. So lagen die Hitzefehltage 2021 nur bei knapp 32.400, im Jahr darauf bei rund 71.200. Insgesamt zeigt die Kurve seit 2015 aber nach oben.

Linken-Politiker Ince nannte die Zahlen erschreckend. „Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung handelt“, sagte er. „Hitzeschäden am Arbeitsplatz können verhindert werden. Arbeitgeber müssen ihre Beschäftigten schützen.“ Nötig sei eine Reform der Arbeitsstättenverordnung und eine Pflicht zu konkreten Hitzeschutzmaßnahmen. Nötigenfalls müsse es ein Recht auf verkürzte Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich geben, forderte Ince.

Was das Ministerium sagt

Das Sozialministerium teilte auf seine Frage mit, dass die Überarbeitung der entsprechenden Regeln „Gegenstand des aktuellen Arbeitsprogramms“ des zuständigen Gremiums im Ministerium sei. Ein Zieldatum wurde nicht genannt.

Von Hitzefolgen am Arbeitsplatz sind Männer viel häufiger betroffen als Frauen. 2023 hatten Männer deswegen 63.145 Fehltage. Bei Frauen waren es mit 29.577 weniger als die Hälfte. Männer arbeiten häufiger in körperlich anstrengenden Berufen draußen, so etwa im Straßen- oder Wohnungsbau.

Grünen-Fraktion fordert Hitzeschutzmaßnahmen - oder hitzefrei

Die grüne Bundestagsfraktion bringt Hitzefrei für Arbeitnehmer ins Spiel: In einer Beschlussvorlage des Fraktionsvorstandes, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, heißt es: «Wir wollen, dass Arbeitgeberinnen und -geber ab 26 Grad am Arbeitsplatz Maßnahmen ergreifen müssen, die dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten dienen.“

Dazu könnten etwa angepasste Arbeitszeiten, längere und bezahlte Pausen sowie Sonnenschutz zählen - aber auch Ventilatoren oder die kostenlose Bereitstellung von Getränken. „Kommen Arbeitgebende dieser Verpflichtung zum Hitzeschutz nicht in angemessener Weise nach, müssen die Arbeitnehmenden ein Recht auf hitzefrei haben. Das gebietet der Gesundheitsschutz, dieses individuelle Recht wollen wir gesetzlich verankern“, steht laut RND in dem Papier.

Man wisse, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung oft nicht reiche, sagte die Grünen-Abgeordnete Ricarda Lang der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Gefragt, was das für Dachdecker oder Straßenarbeiter bedeute, sagte sie: „Natürlich wird es für diese Person bedeuten, dass sie zu bestimmten Zeiten, wo einfach die Sonne runterknallt, nicht mitten in dieser Sonne stehen, schwitzen und arbeiten muss, weil das einfach ein riesiges Gesundheitsrisiko ist.“

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