Politik

Trump droht Putin mit Wirtschaftskrieg – Kreml bietet Waffenruhe light an

Vor einer neuen Sanktionsrunde gegen Russland lotet der Kreml aus, ob ein teilweiser Stopp der Luftangriffe den Druck aus Washington mindern könnte. Doch Trumps Ultimatum ist scharf – und die wirtschaftlichen Folgen könnten auch Deutschland treffen.
06.08.2025 10:03
Lesezeit: 1 min

Letzte Chance für Einigung vor neuen US-Sanktionen

Der Kreml prüft nach Angaben von Bloomberg, US-Präsident Donald Trump den Stopp von Drohnen- und Raketenangriffen auf die Ukraine vorzuschlagen, um drohende Sekundärsanktionen zu vermeiden. Voraussetzung wäre, dass auch Kiew seine Luftschläge einstellt. Ein umfassender Waffenstillstand ist aus Sicht von Präsident Wladimir Putin jedoch ausgeschlossen, da russische Truppen an mehreren Frontabschnitten weiter vorrücken. Hintergrund ist der Besuch des US-Gesandten Steve Witkoff in Moskau, den Beobachter als letzte Gelegenheit für eine Einigung sehen – auch wenn die Chancen als gering gelten.

Trump erklärte am Dienstag, er werde das Ergebnis der Gespräche abwarten, bevor er über neue Strafmaßnahmen entscheide. „Wir haben morgen ein Treffen mit Russland. Wir werden sehen, was passiert. Dann werden wir eine Entscheidung treffen“, sagte er im Weißen Haus. Laut russischen Staatsmedien ist Witkoff bereits in Moskau eingetroffen.

Ultimatum mit weltweiten Folgen

Trump hat Putin ein Ultimatum gestellt: Bis Freitag müsse Russland seine Angriffe einstellen, sonst drohen drastische Sanktionen – darunter Sekundärzölle auf Handelspartner Moskaus von nahezu 100 Prozent. Parallel verschärfte er die Handelspolitik gegenüber Indien, das für den Kauf russischen Rohöls und die „Unterstützung der Kriegsmaschinerie“ kritisiert wird. Innerhalb von 24 Stunden sollen die Zölle auf indische Exporte in die USA „deutlich“ erhöht werden. Neu-Delhi bezeichnete die Maßnahme als unbegründet.

Laut Financial Times erwägt Washington zudem, die russische „Schattenflotte“ ins Visier zu nehmen – eine überwiegend aus alten Tankern bestehende Flotte, mit der Moskau seine Ölexporte trotz westlicher Sanktionen abwickelt. Diese Verkäufe sind eine zentrale Einnahmequelle zur Finanzierung des Kriegs. Unter Trumps Vorgänger Joe Biden wurden bereits 213 Tanker sanktioniert.

Bedeutung für Deutschland

Für Deutschland hätten neue US-Sanktionen weitreichende Folgen. Die Bundesrepublik importiert zwar kein russisches Öl mehr, ist jedoch über internationale Energiemärkte und Handelsketten indirekt betroffen. Steigende Transportkosten und Angebotsverknappungen könnten die Energiepreise erneut treiben und die Industrie belasten. Besonders die Chemiebranche und energieintensive Hersteller wären gefährdet. Zugleich dürfte eine Verschärfung der geopolitischen Spannungen den Export in betroffene Märkte erschweren.

Trump hat weitere Strafmaßnahmen gegen Moskau bislang hinausgezögert, um einen Verhandlungsweg zur Beendigung des Krieges offen zu halten. Die Gespräche mit Russland blieben jedoch bislang ergebnislos.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX-Börsengang könnte die gefährlichste Wette des Jahres werden
26.05.2026

SpaceX soll an die Börse, und die Zahlen wirken gigantisch. Doch hinter der möglichen Rekordbewertung stehen Milliardenverluste, enorme...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU Inc.: Europas Tech-Traum droht an Amerika zu zerbrechen
26.05.2026

Europa gründet, forscht und erfindet. Doch wenn aus Ideen Konzerne werden sollen, wandern viele der besten Firmen in Richtung USA. Mit EU...

DWN
Politik
Politik Forschungsstandort Europa 2026: Zwischen Exzellenz und Sparzwang
25.05.2026

Europa forscht stark, doch Kürzungen bei Horizon Europe bedrohen den Anschluss an USA und China. Was das für Talente, Patente und...

DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...