Politik

Diskrete Verhandlungen über Kriegsende laufen – doch die Hindernisse bleiben

Donald Trump will mit Wladimir Putin persönlich über ein Ende des Ukraine-Kriegs verhandeln – und stellt Russland ein Ultimatum. In Washington laufen die diplomatischen Drähte heiß, Berlin beobachtet nervös. Kommt es zum historischen Durchbruch? Oder wird der Showdown zur Belastungsprobe für den Westen?
07.08.2025 09:18
Lesezeit: 2 min
Diskrete Verhandlungen über Kriegsende laufen – doch die Hindernisse bleiben
US-Präsident Donald Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj: Das diplomatische Dreieck verspricht nicht nur geopolitische Spannungen, sondern könnte auch entscheidend für Europas wirtschaftliche Zukunft werden. (Foto: dpa) Foto: Morissard/Bednyakov

Trump plant Putin-Gespräch: Fortschritte nach Witkoff-Mission

Ein persönliches Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin ist in Vorbereitung. Vorausgegangen waren diplomatische Vorstöße durch Trumps Gesandten Steve Witkoff, bei dessen Treffen mit Putin laut Trump "bedeutende Fortschritte" erzielt worden seien.

Übereinstimmenden Berichten von New York Times, CNN und The Guardian zufolge könnte das Treffen bereits in der kommenden Woche stattfinden, auch wenn aus dem Weißen Haus auf "erhebliche Hürden" bei den Waffenstillstandsverhandlungen hingewiesen wird.

Doppeltreffen geplant

Trump wolle zunächst Putin treffen, danach sei ein Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgesehen. Es wäre das erste bilaterale Treffen zwischen den USA und Russland seit 2021, als Trumps Vorgänger Joe Biden Putin in Genf gegenübertrat.

Die geplanten Gespräche seien laut BNS bereits Thema eines multilateralen Telefonats gewesen. Daran nahmen neben Selenskyj auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte sowie die Staats- und Regierungschefs aus Großbritannien, Deutschland und Finnland teil.

Rubio warnt vor Erwartungen

US-Außenminister Marco Rubio mahnte zur Vorsicht. Er wolle die Ergebnisse der Gespräche Witkoffs mit Putin "nicht überbewerten". Dennoch zeigte sich Rubio zuversichtlich: "Ich hoffe, dass der Präsident bald Gelegenheit bekommt, sich mit Putin und Selenskyj zu treffen. Aber bis dahin liegt noch einiges vor uns."

Rubio zufolge gehe es nun darum, die Bedingungen Russlands für ein mögliches Kriegsende zu verstehen – und zugleich mit den westlichen Partnern zu klären, inwieweit man bereit sei, auf russische Forderungen einzugehen.

Deutsche Interessen in der Waagschale

Ein Waffenstillstand hätte auch wirtschaftliche Auswirkungen auf Deutschland. Die Sanktionen gegen Russland haben Lieferketten belastet, Rohstoffpreise verzerrt und Exporte erschwert. Ein möglicher diplomatischer Durchbruch würde deutsche Unternehmen mit Osteuropageschäft entlasten – etwa im Maschinenbau, der Logistik und der Chemiebranche. Bundeskanzler Friedrich Merz, der aktiv an der westlichen Abstimmung beteiligt war, dürfte daher ein hohes Interesse an einer stabilen Lösung haben – nicht zuletzt angesichts der geopolitischen Bedeutung der Ukraine für den europäischen Wirtschaftsraum.

Ultimatum aus Washington

Laut BNS erklärte ein ranghoher US-Beamter, dass "sekundäre Sanktionen" gegen Russland weiterhin auf dem Tisch lägen.

Die USA hätten Moskau ein Ultimatum gestellt: Entweder Einigung auf einen Friedensprozess – oder neue Sanktionen schon ab Freitag.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX-Börsengang könnte die gefährlichste Wette des Jahres werden
26.05.2026

SpaceX soll an die Börse, und die Zahlen wirken gigantisch. Doch hinter der möglichen Rekordbewertung stehen Milliardenverluste, enorme...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU Inc.: Europas Tech-Traum droht an Amerika zu zerbrechen
26.05.2026

Europa gründet, forscht und erfindet. Doch wenn aus Ideen Konzerne werden sollen, wandern viele der besten Firmen in Richtung USA. Mit EU...

DWN
Politik
Politik Forschungsstandort Europa 2026: Zwischen Exzellenz und Sparzwang
25.05.2026

Europa forscht stark, doch Kürzungen bei Horizon Europe bedrohen den Anschluss an USA und China. Was das für Talente, Patente und...

DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...