Technologie

Gelingt es diesmal? Musk-Rakete Starship vor wichtigem Test

Elon Musks Mega-Projekt steht erneut vor einem entscheidenden Test: Die Musk-Rakete Starship soll ihren zehnten Flug antreten. Gelingt diesmal der Durchbruch oder droht eine weitere Explosion? Warum ist dieser Start so wichtig – und welche Risiken begleiten ihn?
24.08.2025 07:21
Lesezeit: 3 min

Gelingt es diesmal? Musk-Rakete Starship vor wichtigem Test

Bringt der zehnte Anlauf endlich den erhofften Erfolg für Elon Musk? Neun Versuche des größten jemals konstruierten Raketensystems der Raumfahrtgeschichte liefen nicht wie geplant. Nun soll die Musk-Rakete Starship in der Nacht zum Montag aus Texas starten – zum zehnten Mal. Der Termin kann sich jederzeit verschieben, auch kurzfristig.

Das Starship – entwickelt von Musks Raumfahrtfirma SpaceX – überragt die Freiheitsstatue in New York. Es besteht aus zwei Stufen, die sich nach dem Start trennen: dem rund 70 Meter langen Booster Super Heavy und der oberen Stufe, ebenfalls Starship genannt, mit etwa 50 Metern Länge.

Mars als Ziel – doch Tests bisher enttäuschend

Beide Teile sind so ausgelegt, dass sie nach der Rückkehr wiederverwendbar sind. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will mit der Starship-Rakete Astronauten zum Mond bringen, während SpaceX langfristig den Mars anvisiert.

Der erste Test fand im April 2023 statt – und endete nach wenigen Minuten in einer Explosion. Weitere Versuche führten die obere Stufe ins All, manche landeten im Indischen Ozean. Doch zuletzt blieben mehrere Testflüge hinter den Erwartungen zurück – und im Juni explodierte eine Musk-Rakete Starship sogar am Boden.

Vorsichtiger Optimismus vor dem Jubiläumstest

Dennoch herrscht in der Branche vor dem zehnten Start vorsichtiger Optimismus. SpaceX erklärte in einem Bericht an die FAA detailliert die Ursachen des Fehlschlags von Flug 9. Nun hofft man, dass die Lehren daraus gezogen wurden.

Gleichzeitig werden Zweifel am Grunddesign laut – sowohl in Fachkreisen als auch auf Konferenzen. Bei einem Kongress in Washington wurde sogar ein Alternativkonzept präsentiert: ein kleineres Starboat statt der gigantischen Musk-Rakete Starship. Vielleicht ist für die Mission kein Koloss nötig, sondern ein reduzierteres System. Explosionen gelten zwar als Lernprozess, sind jedoch riskant und teuer. Das Ziel bleibt ehrgeizig: eine flexible, günstige Rakete für Mond und Mars. Der Weg dorthin ist länger als gedacht.

Scheitern oder notwendige Datensammlung?

Neun fehlgeschlagene Testflüge – ist das noch normal? SpaceX betont, die Tests dienten vor allem der Datensammlung. Jede Mission habe ihren Zweck erfüllt. "Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir ungefähr alle zwei oder drei Wochen ein neues Starship herstellen können", erklärte Musk kürzlich in Starbase, Texas. "Letztendlich arbeiten wir auf die Fähigkeit hin, 1.000 Starships pro Jahr produzieren zu können, also drei pro Tag."

Als einer der reichsten Menschen der Welt kann Musk das finanzieren. Zudem streamt SpaceX die Tests live und generiert enorme Aufmerksamkeit.

Fehlstartquote bleibt weltweit gering, SpaceX geht nun höhere Risiken ein

Auch in Europa misslangen einige Starts. So scheiterte der erste kommerzielle Vega-C-Flug im Dezember 2022 und brachte die Esa kurzzeitig in eine Krise. Die Rakete hob ab, verfehlte aber die Bahn. Noch drastischer war 1996 der Ariane-5-Erstflug – Explosion. Zwischen 2000 und 2025 scheiterten laut Espi vier Prozent aller Raketenstarts in den USA und Europa. Ein klarer Trend zu mehr oder weniger Fehlstarts ist nicht erkennbar.

"Die Komplexität des Systems ist natürlich hoch", sagt Espi-Leiter Ludwig Moeller. Missglückte Starts seien teilweise erklärbar. Ein anderer Faktor sei die hohe Risikobereitschaft. SpaceX gehe aggressiver vor als Europa. Politischer Druck spiele ebenfalls mit – etwa schneller als China am Mond zu sein. Die USA haben zudem wenige Alternativen.

Marsmissionen: extrem gefährlich

"Was mit Starship passiert, ist schon fragwürdig", warnt Moeller. Es gehe nicht nur um unternehmerisches Risiko, sondern auch um Umwelt- und Sicherheitsfragen. "Ich glaube, in Europa hätte man schon die Schmerzgrenze überschritten." Früher sei das in den USA ähnlich gewesen, doch der Kurswechsel im Weißen Haus begünstige Deregulierung. Dennoch erkennt Moeller steigende Risikobereitschaft in Europa. Der Kontinent sei auf einem guten Weg, bleibe aber konservativer.

Ex-Esa-Chef Jan Wörner blickt skeptisch auf Musks Pläne. "Der Mensch wird eines Tages zum Mars fliegen und hoffentlich auch zurück", sagt er. Doch Risiken seien enorm: bis zu zwei Jahre Reisezeit, ohne Rückkehrmöglichkeit. Strahlung, Isolation, Stress und Kommunikationsverzögerung machen Marsflüge lebensgefährlich. Wörner fragt: Was will Musk auf dem Mars? Umsiedlung auf einem unbewohnbaren Planeten? "Ohne Atmosphäre müssten Menschen in Habitats leben. Der Mars ist faszinierend, aber Roboter und KI können dort forschen – ohne Risiko."

Auch die Idee, den Mars als Fluchtort zu sehen, lehnt er ab: "Ich habe ein sehr ungutes Gefühl dabei, andere Planeten als Ausweg für eine Erde zu haben, die wir nicht schützen."

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