Unternehmensporträt

Drohnen-Start-up aus Bayern: Donaustahl erhöht Tempo bei Produktion und Finanzierung

Das Drohnen-Start-up Donaustahl hat seinen Umsatz 2024 verdoppelt und will ab 2026 in Bayern eigene Drohnenmotoren fertigen. Rückenwind schafft der anhaltende Verteidigungsboom. Günstige Bedingungen für die Zukunft des Start-ups und für die künftige Finanzierung – ein gutes Vorbild für viele andere Unternehmer.
29.08.2025 16:45
Lesezeit: 3 min
Drohnen-Start-up aus Bayern: Donaustahl erhöht Tempo bei Produktion und Finanzierung
Das Drohnen-Startup Donaustahl mit Sitz in Hutthurm im Landkreis Passau entwickelt und vertreibt militärische FPV-Drohnen. (Foto: Homepage Donaustahl GmbH)

Drohnen-Start-up Donaustahl aus Bayern: Im Fokus westlicher Beschaffer

Das Drohnen-Startup Donaustahl mit Sitz in Hutthurm im Landkreis Passau entwickelt und vertreibt militärische FPV-Drohnen. FPV steht für First Person View und bezeichnet ferngesteuerte Drohnen, bei denen der Pilot das Geschehen in Echtzeit aus der Perspektive einer an Bord montierten Kamera sieht. Zudem produziert das Unternehmen Antriebe und weitere Komponenten für den militärischen Einsatz.

Während die weltweiten Verteidigungsetats steigen, rücken FPV-Drohnen immer stärker in den Mittelpunkt militärischer Beschaffungen. Auch Donaustahl will von diesem Trend profitieren. Ab dem ersten Quartal 2026 sollen laut Unternehmensangaben pro Produktionslinie bis zu einer Million Motoren jährlich vom Band laufen. Bereits im Juli 2024 hatte das Bundeswirtschaftsministerium Donaustahl die Herstellung und den Export der FPV-Drohne vom Typ „Maus“ genehmigt. Erster Abnehmer wird die ukrainische Drohneneinheit Kraken sein, die das System sowohl für Aufklärung als auch nach Eigenanpassung als Kamikazedrohne einsetzt. Hauptabnehmer dürften vor allem Streitkräfte sein, die auf ferngesteuerte FPV-Drohnen setzen und deren Bedarf seit Beginn des Ukraine-Kriegs rasant gestiegen ist. Westliche Armeen, darunter perspektivisch auch die Bundeswehr, weiten deshalb ihre Beschaffungen modularer Drohnensysteme derzeit deutlich aus.

Inmitten dieser Entwicklung drängt CSU-Chef Markus Söder auf eine massive Aufrüstung mit Drohnen und Präzisionswaffen, darunter eine „Drohnen-Armee“ mit 100.000 Exemplaren und ein "Iron Dome" nach israelischem Vorbild mit 2.000 Abfangraketen. „Deutschland braucht einen Schutzschirm mit Präzisionswaffen“, so Söder kürzlich gegenüber der Bild am Sonntag.

Fakt ist: Die gestiegene Nachfrage nach robusten FPV-Systemen hat dem Startup und seiner modularen FPV-Plattform „Maus“ zusätzliche Sichtbarkeit verschafft, die für Aufklärungseinsätze und als Wirkmittelträger ausgelegt ist und mit geringer Ausbildungszeit betrieben werden kann. Seit längerem gilt sie im Ukraine-Krieg als günstige und leicht skalierbare Ergänzung zu klassischen Systemen wie den US-Systemen des Typs „Patriot“. In Veröffentlichungen wird ein Preisniveau unter 1000 Euro und eine Nutzungsdauer über mehrere Missionen genannt.

Angefangen mit Holzdrohnen und drei Angestellten

Gegründet wurde Donaustahl im Jahr 2019 von Stefan Thumann, einem Quereinsteiger ohne Vorerfahrung im Drohnenbau. Thumanns Weg führte vom Handel mit ausgemusterten Bundeswehr-Beständen über den Vertrieb spezieller Ausrüstung für die Ukraine hin zur Entwicklung der modularen Kampfdrohne „Maus“. Erste Prototypen entstanden 2023 gemeinsam mit einem Partner in der Ukraine, aus Holz gefertigt, um Kosten zu senken und dennoch robuste, skalierbare Plattformen zu bieten.

Gestartet mit nur drei Mitarbeitenden, beschäftigt das Unternehmen in Hutthurm im Landkreis Passau heute rund ein Dutzend Fachkräfte und zählt zu den wenigen Herstellern in Deutschland, die modulare FPV-Systeme in Serie fertigen können. Um die steigende Nachfrage zu bedienen und den Produktionsaufbau in Bayern zügig voranzutreiben, setzt Donaustahl seit Mitte 2024 auf eine für den Verteidigungssektor ungewöhnliche Kapitalquelle: Das Unternehmen refinanziert den Ausbau mittels digitaler Inhaberschuldverschreibung nach eWpG (Gesetz über elektronische Wertpapiere), welche die Begebung und den Handel von Wertpapieren in rein digitaler Form erlaubt.

Finanzierung über Unternehmensanleihen

Gezeichnet werden die Anleihen über die Investment-App Tacct, die speziell Projekte aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie anbietet. Die Emission richtet sich an Anleger, die bewusst in ein wachsendes Unternehmen mit klarer Fokussierung auf einen boomenden Zukunftsmarkt investieren wollen und bereit sind, entsprechende Risiken einzugehen. Die Anleihe ist auf bis zu acht Millionen Euro ausgelegt. Anlegern wurde eine Grundverzinsung von 5,9 Prozent in Aussicht gestellt. Abhängig vom Umsatzwachstum sind Bonuskomponenten möglich, die die Verzinsung auf bis zu 8,4 Prozent anheben. Zum Stichtag 30. Juni 2025 lag das eingeworbene Kapital bei 1,64 Millionen Euro. Nach Bestätigung der Umsatzverdopplung greift die erste Bonuskomponente, wodurch der Kupon für 2025 auf 7,4 Prozent pro Jahr steigt. Zeichnungen sind stückelbar und vollständig digital abwickelbar.

Für Privatanleger und Aktionäre ist derzeit die „Donaustahl Unternehmensanleihe Nr. 1“ verfügbar, während sich die „Unternehmensanleihe Nr. 2“ an professionelle Investoren mit einem Mindestinvestment von 25.000 Euro richtet. „Diese Form der Kapitalaufnahme ist für uns eine schnelle, flexible und transparente Möglichkeit, Kapital für den Produktionsaufbau zu mobilisieren“, so CEO Stefan Thumann in einer Mitteilung.

Was die Renditeaussichten für Anleger bedeuten

Die Kombination aus Grundzins und Bonuskomponenten macht die Donaustahl-Anleihe für renditeorientierte Anleger attraktiv. Die Zinserhöhung auf 7,4 Prozent ist regelbasiert und folgt aus dem erreichten Umsatzsprung. Gleichzeitig bleibt der emissionsseitig ausgewiesene Risikoindikator hoch. Die prospektierten Obergrenzen der Bonuskupons sowie die laufzeitbezogenen Ziele sind an den künftigen Umsatzpfad gekoppelt. Allerdings tragen Anleger die Emittenten- und Marktrisiken eines jungen Verteidigungszulieferers mit einem wachsenden, aber noch zu skalierenden Produktionsmodell.

Für Donaustahl ist der Produktionsaufbau wiederum ein Hebel, um in künftigen Beschaffungen berücksichtigt zu werden und Lieferketten im hiesigen Inland zu verankern. Die hohe Skalierungsabsicht der Motorenlinien, die modulare Drohnenarchitektur und die digitale Refinanzierung sprechen für einen auf Tempo ausgelegten Markteintritt.

Die derzeitige Gemengelage aus hoher Nachfrage, politischem Fokus auf Resilienz und privatem Kapitalzugang eröffnet jedoch ein Zeitfenster, von dem Startups wie Donaustahl auch künftig profitieren dürften. Zugleich zeigt sich in Bayern ein genereller Trend zu größeren Finanzierungsrunden für Startups in sicherheits- und technologierelevanten Branchen. So erhielt das Münchner KI-Unternehmen Helsing 600 Millionen Euro von Investoren, der Batteriespeicheranbieter Green Flexibility aus Kempten sammelte 400 Millionen Euro ein.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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