Politik

Nawrocki trifft Trump: Polens Präsident reist zu Trump - Sorge um Kurs in Europa

Seine erste Auslandsreise im neuen Amt führt Polens Staatschef Karol Nawrocki zu US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus. Wichtigstes Thema des Treffens sind die Bemühungen um einen Waffenstillstand in der Ukraine. Nach dreieinhalb Jahren Krieg dreht sich in Polen der Kurs gegenüber Ukraine-Flüchtlingen.
03.09.2025 10:53
Lesezeit: 3 min

Polens Präsident reist zu Trump - Sorge um Kurs in Europa

Der Rechtskonservative Nawrocki ist seit vier Wochen im Amt. Angesichts der geopolitischen Lage hätte man es in anderen europäischen Hauptstädten lieber gesehen, wenn Nawrocki vor seiner Reise nach Washington Gespräche mit anderen EU- und Nato-Partnern geführt hätte. Doch dies stand für Nawrocki nicht auf dem Plan.

Der 42 Jahre alte Historiker ist erklärter Trump-Fan. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden persönlich begegnen. Bereits im Mai, während des polnischen Präsidentenwahlkampfs, gewährte Trump dem von der rechtskonservativen PiS unterstützten Kandidaten eine Audienz im Oval Office. Das Weiße Haus postete danach Bilder von beiden Männern mit hochgereckten Daumen, was der Wahlkampagne des damals wenig bekannten Nawrocki mächtig Schwung verlieh.

Trägt Polens Präsident Trumps Agenda nach Europa?

Nun gibt es bei anderen EU-Ländern mit Blick auf die Ukraine-Gespräche die Sorge, dass Nawrocki von seinem Besuch in Washington Trumps Agenda zurück nach Europa bringen könnte. Zumindest innerhalb Polens zeigt Nawrocki enorme Ambitionen. Er will den Präsidentenpalast zum neuen Machtzentrum machen und streitet mit Regierungschef Donald Tusk um die außenpolitische Linie des Landes. Gerade hat er ein Gesetz über Sozialleistungen für Ukraine-Flüchtlinge per Veto gekippt.

Der von der Oppositionspartei PiS gestützte Nawrocki und der in der EU angesehene Regierungschef Tusk sind Vertreter der beiden verfeindeten politischen Lager in Polen. Doch durch den Streit zwischen Präsident und Regierung könnte Polen sich in seiner neugewonnenen Rolle als wichtiger Spieler in Europa bald aus dem Rennen nehmen. Auch für die Ukraine hätte das Folgen.

Stimmung gegenüber den Geflüchteten aus der Ukraine dreht sich

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs ist das EU- und Nato-Mitglied Polen einer der wichtigsten politischen und militärischen Verbündeten seines Nachbarlandes. Es hat 989.000 Kriegsflüchtlinge von dort aufgenommen und fungiert als wichtige logistische Drehscheibe für die Militärhilfe des Westens. Das Land fühlt sich auch selbst von Russland bedroht und rüstet massiv auf.

Doch nach dreieinhalb Jahren Krieg dreht sich in Polen die Stimmung gegenüber den Geflüchteten aus der Ukraine. Vor wenigen Tagen stoppte Nawrocki per Veto ein Gesetz, das die Verlängerung der Zahlung von Kindergeld und weitere Sozialleistungen für die Kriegsflüchtlinge nach dem 1. Oktober regeln sollte. Er sei überzeugt, dass nur diejenigen sie erhalten sollen, die auch in Polen Arbeit hätten, sagte er zur Begründung. Es könnte auch nicht sein, dass Flüchtlinge bei der staatlichen Gesundheitsversorgung bevorzugt würden, sagte Nawrocki: „Polen zuerst, die Polen zuerst.“

Veto des Präsidenten mit schwerwiegenden Folgen

Die polnische Verfassung gibt dem Präsidenten die Macht, fast jedes Gesetz mit Veto zu blockieren. Im Parlament braucht es eine Dreifünftelmehrheit, um das präsidiale Veto aufzuheben. Doch der Präsident kann nur ganze Gesetze stoppen, nicht Teile davon.

Deshalb könnte Nawrockis Veto bald schwerwiegende Folgen für die knappe Million Geflüchteter in Polen haben, und das nicht nur beim Kindergeld. Weil die Ausnahmeregelungen wegfallen, stehen die erwerbstätigen Ukraine-Flüchtlinge bald ohne Arbeitserlaubnis da. Dabei ist die Integration in den Arbeitsmarkt sehr hoch, wie eine Studie des UN-Flüchtlingswerks zeigt: 69 Prozent der Ukraine-Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter haben Arbeit, im Vergleich zu 75 Prozent der Polen.

Polens Regierung warf dem Präsidenten zudem vor, er haben mit seinem Veto auch die Finanzierung für den Satelliten-Kommunikationsdienst Starlink in der Ukraine gekappt, die den Menschen dort Zugang zum Internet gewährt. Polen finanziert dies nach Regierungsangaben mit 43 Millionen Euro jährlich.

Ukraine investiert in andere Partner in Europa

Der ehemalige ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba sagte dem Magazin "Polityka", man sei sich der zunehmenden antiukrainischen Stimmung in Polen bewusst, weshalb die Leute von Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht mehr so viel Energie in die Beziehungen zu Warschau investieren wie früher. Viel wichtiger seien jetzt die nordischen Länder, besonders Finnland, sowie Frankreich und Deutschland.

Mehr als drei Jahre lang habe Polen die Rolle eines wirksamen Fürsprechers der Ukraine gespielt und gleichzeitig den anderen europäischen Ländern bewiesen, dass es recht hatte, als es seine Verteidigungsausgaben erhöhte und vor dem Moskaus Imperialismus warnte, resümierte die „Polityka“ die Lage. „All dies wird nun in rasantem Tempo verspielt.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Novo Nordisk-Aktie: Warum der Ozempic-Riese plötzlich alles ändert
21.09.2026

Novo Nordisk macht aus sich selbst „Novo“ und dreht sogar den berühmten Stier im Logo um. Doch hinter der vermeintlichen kosmetischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäische Banken und Stromnetze sind interessant, zehn Prozent des Portfolios in Gold
20.09.2026

Der Glaube an künftige Gewinne besiegt offenbar noch die Angst vor teurerem Geld.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...