Panorama

OECD-Studie: Deutschland als Studienziel beliebt, Bildungsunterschiede bleiben

Deutschland gewinnt zunehmend Studierende aus dem Ausland, insbesondere in MINT-Fächern. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle OECD-Studie, dass trotz des Erfolgs bei internationalen Studierenden weiterhin deutliche Unterschiede beim Bildungserfolg bestehen.
10.09.2025 07:07
Lesezeit: 2 min
OECD-Studie: Deutschland als Studienziel beliebt, Bildungsunterschiede bleiben
Deutschland zieht zunehmend ausländische Studierende an, insbesondere im Bereich der MINT-Fächer (Foto: dpa). Foto: Peter Kneffel

Deutsche Hochschulen punkten international

Im internationalen Wettbewerb um Nachwuchswissenschaftler kann das deutsche Hochschulsystem einer Studie zufolge immer stärker punkten. Deutschland ziehe zunehmend internationale Studierende an, heißt es im jährlichen Bericht „Bildung auf einen Blick“ der Industriestaatenorganisation OECD, dessen Ergebnisse für Deutschland in Berlin vorgestellt wurden.

Der Anteil ausländischer Studierender habe sich seit 2013 von 7,1 auf 12,7 Prozent im Jahr 2023 signifikant erhöht. Im OECD-Schnitt liege er bei 7,4 Prozent. Studierende aus Asien bildeten mit 44 Prozent in Deutschland die größte Gruppe, 31 Prozent kämen aus anderen europäischen Ländern.

Trend setzt sich fort

Aktuellere Daten des Statistischen Bundesamts vom März zeigen, dass sich der Trend fortsetzt: Demnach waren im vergangenen Wintersemester 492.600 Studentinnen und Studenten aus dem Ausland in Deutschland eingeschrieben, was einem Anteil von rund 17 Prozent bei 2,87 Millionen Studierenden entspricht.

Studierende aus dem Ausland strategisch wichtig

Deutschland steht dem Bericht zufolge unter den nicht englischsprachigen Ländern bei der Zahl der ausländischen Studierenden auf Platz eins und insgesamt auf Platz vier hinter den USA, Großbritannien und Australien.

Betont wird in der Studie die „strategische Bedeutung“ einer zunehmenden Internationalisierung: Ausländische Studierende könnten – besonders wenn sie nach dem Studium im Land blieben – einen spürbaren Beitrag für Wirtschaft und Innovation leisten.

Bär: Deutschland MINT-Weltmeister

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) hob bei der Vorstellung der OECD-Studie in Berlin die vielen Abschlüsse im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) hervor. Deutschland sei ein hochqualifiziertes MINT-Land und MINT-Weltmeister. 35 Prozent aller Absolventen eines Bachelor- oder gleichwertigen Programms schließen dem Bericht zufolge in Deutschland in einem MINT-Fach ab. Dies sei der höchste Anteil unter den OECD-Ländern (Durchschnitt: 23 Prozent).

Die jährliche Studie enthält eine umfassende Datensammlung zu den Bildungssystemen der Mitgliedsstaaten und weiterer Partnerländer. Dargestellt wird etwa, wie viel Geld jeweils für Bildung ausgeben wird, wie der Betreuungsschlüssel in Bildungseinrichtungen aussieht, wie groß Schulklassen sind und wie hoch die Kosten für ein Studium sind. Einige ausgewählte Befunde für Deutschland:

Bildungsschere

Es gibt eine wachsende Kluft bei den Bildungsabschlüssen: Der Anteil junger Erwachsener zwischen 25 und 34, die weder Abitur noch einen Berufsabschluss haben, ist seit 2019 von 13 auf 15 Prozent gestiegen. In der EU stehen nur Italien, Portugal und Spanien schlechter da. Auf der anderen Seite stieg der Anteil junger Erwachsener mit Hochschulabschluss von 33 auf 40 Prozent (OECD-Schnitt 48 Prozent).

Investitionen in die Bildung

Deutschland investiert pro Bildungsteilnehmer mehr als der Durchschnitt der Industriestaaten in sein Bildungssystem. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt des Landes sind die Bildungsausgaben mit 4,4 Prozent aber unterdurchschnittlich. Sie liegen demnach deutlich unter denen von Norwegen oder Großbritannien, die mehr als 6 Prozent ihres BIP in Bildung investieren.

Ungleichheiten erschweren Zugang zu Bildung

Herkunft und Familie beeinflussen in Deutschland weiterhin stark den Bildungserfolg: Haben Eltern einen höheren Abschluss ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch die Kinder dies erreichen und umgekehrt. Der Chef der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, kritisierte in der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“, Deutschland sei in Sachen Chancengerechtigkeit im Bildungssystem schlechter als die USA.

Korrelation von Bildung und Gehalt

Hohe Bildung zahlt sich aus: 25- bis 64-Jährige mit Hochschulabschluss verdienen in Deutschland im Schnitt 50 Prozent mehr als diejenigen ohne höheren Abschluss. Das entspricht in etwa dem OECD-Schnitt von 54 Prozent Mehrverdienst.

Hintergrund zur OECD

In der OECD haben sich 38 Industrie- und höher entwickelte Länder zusammengeschlossen. Die Organisation erstellt regelmäßig Analysen und Studien wie etwa auch die Pisa-Studie und gibt Politikempfehlungen ab. Die Mitgliedsstaaten fühlen sich nach Angaben der Organisation der Marktwirtschaft und Demokratie verpflichtet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Mehr Geld – oder Kündigung: So reagieren Arbeitgeber auf Ultimaten
02.04.2026

Kündigungsdrohung im Gespräch? Dann entscheidet nicht die schnelle Zusage, sondern die Qualität der Reaktion: Wer jetzt aus Angst...

DWN
Politik
Politik Investmentpläne vor Iran-Angriff? Pete Hegseths BlackRock-Investition im Fokus
02.04.2026

Während des Iran-Krieges rücken mögliche frühere Verbindungen zwischen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, BlackRock und den...

DWN
Politik
Politik 80-Prozent-Rückkehrer-Quote: Syrien entschieden gegen Zwangsabschiebungen
02.04.2026

Die Debatte um eine Zielmarke für die Rückkehr von nach Deutschland geflüchteten Syrern hat auch in deren Heimatland für Aufsehen...

DWN
Politik
Politik EU passt Regeln im Emissionshandel an: Entlastung für die Industrie in Sicht?
02.04.2026

Die EU stellt zentrale Weichen im Emissionshandel neu und rückt dabei die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stärker in den Fokus....

DWN
Politik
Politik Mehrwertsteuererhöhung auf 21 Prozent? Mehr Belastung für die Älteren und weniger für die Jüngeren
02.04.2026

Die Bundesregierung prüft eine Mehrwertsteuer-Erhöhung auf 21 Prozent. Trotz Mehreinnahmen für den Staatshaushalt sind Ökonomen...

DWN
Immobilien
Immobilien Förderprogramm "Gewerbe zu Wohnen": Leere Büros sollen neue Wohnungen werden
02.04.2026

In vielen Innenstädten stehen etliche Büros, Kaufhäuser, Hotels oder Geschäfte leer. Gleichzeitig herrscht Wohnungsmangel. Das Programm...

DWN
Politik
Politik Teilkrankschreibung im Job: Krankengeld soll in vier Stufen ausgezahlt werden
02.04.2026

Wenn Beschäftigte erkrankt sind und eine ärztliche Bescheinigung bekommen, fallen sie im Prinzip komplett aus. Über flexiblere Regeln...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krise am Kerosinmarkt: Steht Europa vor Flugausfällen und steigenden Ticketpreisen?
02.04.2026

Steigende Kerosinpreise und gestörte Lieferketten setzen den globalen Luftverkehr zunehmend unter Druck. Droht durch die Krise am...