Technologie

Deutscher Umweltpreis: Mikrozink als Schlüssel im modernen Korrosionsschutz

Der Deutsche Umweltpreis ehrt 2024 eine Klimaforscherin und ein Unternehmen mit innovativem Mikrozink-Verfahren. Beide zeigen, wie Wissenschaft und Wirtschaft Lösungen für drängende Umweltprobleme entwickeln. Doch bleibt die Frage: Reicht technologischer Fortschritt allein, um die Klimakrise wirksam einzudämmen?
12.09.2025 18:11
Lesezeit: 2 min
Deutscher Umweltpreis: Mikrozink als Schlüssel im modernen Korrosionsschutz
Das Geschäftsführungsduo des des Stahlverzinkungsunternehmens Zinq, Lars Baumgürtel und Birgitt Bendiek: Auszeichnung für die Entwicklung eines ressourcenschonendes Verzinkungsverfahrens (Foto: dpa). Foto: Markus Große Ophoff

Umweltpreis für Korrosionsschutz und Klimaforschung

Neue Einsichten ins globale Klimasystem sowie ein ressourcenschonendes Verzinkungsverfahren mit Mikrozink werden 2024 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Gewürdigt werden die Schweizer Klimaforscherin Sonia Isabelle Seneviratne (51) sowie das Führungsteam Lars Baumgürtel (59) und Birgitt Bendiek (58) des Gelsenkirchener Stahlverzinkungsunternehmens Zinq, wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück erklärte. Die Auszeichnung ist mit 500.000 Euro dotiert und wird am 26. Oktober in Chemnitz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.

Baumgürtel und Bendiek haben laut DBU mit ihrem Unternehmen ein innovatives Verzinkungsverfahren (Mikrozink) entwickelt und patentieren lassen, das Ressourcen spart. "Mikrozink ist mittelständische Pionierarbeit", betonte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde in einer Mitteilung.

Innovation durch Mikrozink

Nach Angaben der Welt-Korrosions-Organisation und der Max-Planck-Gesellschaft entstehen durch Rost allein in Deutschland wirtschaftliche Schäden zwischen 100 und 150 Milliarden Euro pro Jahr, die ohne Korrosionsschutz wie Verzinkungsverfahren noch höher wären. Ohne Zinkschichten würden zahlreiche Alltagsgegenstände und Stahlkonstruktionen – etwa Fahrzeuge, Maschinen, Geländer oder Dachrinnen – durch Sauerstoffkontakt rosten. Üblich ist es, Stahlteile in heiße Zink-Bäder zu tauchen, die sie umhüllen und damit vor Korrosion bewahren. Zinq verfolgt mit Mikrozink jedoch ein Verfahren mit erheblich dünneren Beschichtungen.

Bisher galt beim Korrosionsschutz: mehr sei besser, erläutert Geschäftsführer Baumgürtel. "Wir benutzen mit unseren Oberflächen 80 Prozent weniger Material und schaffen damit eine Oberfläche, die nur ein Zehntel so dick ist wie ein menschliches Haar, aber ohne dass dies zulasten der Schutzwirkung geht." Zusätzlich werde weniger Energie benötigt. Neben der ressourcenschonenden Technik hebt die DBU auch das zirkuläre Geschäftsmodell von Zinq hervor. Dieses Konzept der Kreislaufwirtschaft sei "inspirierendes Vorbild für eine rohstoffintensive Branche", erklärte Bonde.

Forschung zu Böden und Hitzewellen

Für ihre Arbeiten zum Klimasystem und insbesondere zur Wechselwirkung von Bodenfeuchte, Vegetation und Atmosphäre erhält Klimawissenschaftlerin Seneviratne den Deutschen Umweltpreis. Zudem trage ihre "herausragende Klimaschutzkommunikation" maßgeblich zum Fortschritt beim Klimaschutz bei, so die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Forscherin ist Vizepräsidentin des Weltklimarats IPCC und Professorin an der ETH Zürich.

"Mit wissenschaftlicher Beharrlichkeit hat sie ein Bewusstsein für entscheidende Faktoren der Erderwärmung geschaffen. Durch sie wissen wir, wie bedeutsam Bodenfeuchte als Schlüsselvariable des Klimasystems ist", erklärte Bonde. Dank ihrer Forschung würden globale Klimamodelle diese Faktoren künftig stärker berücksichtigen. Wie viel CO2 Pflanzen aufnehmen, hängt wesentlich von der Bodenfeuchte ab, erläuterte Seneviratne. "Droht eine Pflanze zu verdursten, macht sie dicht, um die Feuchtigkeit zu halten." Damit stoppt jedoch auch die CO2-Aufnahme für die Photosynthese. Bei Trockenheit verliert Vegetation folglich ihre Funktion als CO2-Senke.

Zusätzlich erforschte Seneviratne nach DBU-Angaben, wie ausgetrocknete Böden die Erde stärker aufheizen und Hitzewellen intensivieren können. Verdunstung verbrauche viel Energie, so die Forscherin. Fehle dieser Prozess bei Trockenheit, könnten die Temperaturen stark steigen. Das sei vergleichbar mit dem menschlichen Organismus. "Solange wir schwitzen haben wir einen Mechanismus, der den Körper eigentlich kühlt", sagte sie. "Aber sobald wir nicht mehr schwitzen können, weil wir zu wenig getrunken haben, dann gibt es das Risiko von einem Hitzeschlag."

Bedeutung der Auszeichnung

Generalsekretär Bonde betonte, dass faktenbasierte Forschung und Kommunikation für die Bewältigung der Klimakrise entscheidend seien. "Der Preis würdigt ganz bewusst die internationale Wissenschaft, insbesondere die Klima-Wissenschaft." Diese stehe zunehmend im Fokus von Falschmeldungen und Verschwörungstheorien.

Der Deutsche Umweltpreis wird jährlich von der DBU für herausragende Leistungen im Umwelt- und Ressourcenschutz vergeben. Über die Preisträger entscheidet das Kuratorium der Stiftung auf Grundlage einer Juryempfehlung. Mit 500.000 Euro zählt er zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU-Regulierung für digitale Dienste: Strafverfolgung verlagert Verantwortung auf Firmen – Ihre Rechte
09.01.2026

Eine unscheinbare EU-Verordnung verändert das Machtgefüge zwischen Staat und Unternehmen. Digitale Dienste geraten stärker in die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelstand vor Umbruch: Viele Firmen stehen ohne Nachfolger da
09.01.2026

Der deutsche Mittelstand steht vor einem grundlegenden Wandel: Zahlreiche Unternehmen sehen sich mit einer Herausforderung konfrontiert,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kälte zehrt an den Reserven: Wie sicher ist die Gasversorgung im Winter?
09.01.2026

Anhaltende Minusgrade lassen den Gasverbrauch in Deutschland deutlich steigen, die Speicher leeren sich schneller als in den vergangenen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarifkonflikt spitzt sich zu: Verdi erhöht Druck auf Autobahn GmbH
09.01.2026

Im Tarifstreit bei der Autobahn GmbH wächst der Druck auf die Arbeitgeberseite. Die Gewerkschaft Verdi fordert ein deutliches Lohnplus und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Protest mit Traktoren und Feuer: Bauern verschärfen Widerstand gegen Mercosur
09.01.2026

Mit brennenden Barrikaden und blockierten Verkehrsachsen erhöhen französische Landwirte den Druck auf die Politik. Unmittelbar vor der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unerwarteter Auftrieb: Deutsche Industrie trotzt den Prognosen
09.01.2026

Entgegen den Erwartungen vieler Ökonomen setzt die deutsche Industrie ihren Erholungskurs fort. Bereits zum dritten Mal in Folge legt die...

DWN
Technologie
Technologie Start-up-Gründungen: KI treibt Boom auf Rekordniveau
09.01.2026

Deutschland steckt wirtschaftlich fest, doch ausgerechnet jetzt wagen so viele Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit wie nie zuvor....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschlands Autoproduktion legt zu: Elektromobilität prägt den Aufschwung
09.01.2026

Die deutsche Autoindustrie bewegt sich in einem Spannungsfeld aus Strukturwandel und Standortdruck. Ist der jüngste Aufwärtstrend ein...