Unternehmen

Bahn-Umbau mit neuer Chefin Evelyn Palla – viele Fragen bleiben offen

Der geplante Bahn-Umbau nimmt Fahrt auf: Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder präsentiert seine Strategie, während Evelyn Palla als künftige Bahn-Chefin bereitsteht. Doch trotz Generalsanierung und Milliardeninvestitionen bleiben viele Fragen offen – reicht das für eine nachhaltige Verkehrswende?
22.09.2025 09:47
Lesezeit: 2 min

Bundesverkehrsminister Schnieder treibt Bahn-Umbau mit neuer Chefin und Sanierungsplan voran

Nach der Bekanntgabe der künftigen Bahn-Chefin will Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) an diesem Montag seine Langzeitstrategie für den kriselnden Konzern präsentieren. Im Fokus steht der umfassende Bahn-Umbau, verbunden mit Personalentscheidungen und einer kompletten Neuordnung des Bahnvorstands.

Am Wochenende wurde publik, dass Evelyn Palla, bisher Leiterin der Bahn-Regionalverkehrstochter DB Regio, künftig den Gesamtkonzern führen soll. Sie folgt auf Bahnchef Richard Lutz, dessen Rückzug Mitte August gemeldet wurde. Palla muss jedoch noch vom Bahn-Aufsichtsrat bestätigt werden. Dieser tritt am Dienstag und Mittwoch zusammen. Die Berufung gilt als Kernstück des Bahn-Umbaus im Vorstand. Weitere Beschlüsse will Schnieder im Zuge seiner Strategie am Montag vorstellen. Denkbar sind eine Verschlankung des Führungsgremiums sowie der Wegfall einzelner Ressorts.

Weitere Umbauten im Vorstand möglich

Unklar ist, ob es auch bei der Netzgesellschaft DB InfraGo zu einem Wechsel an der Spitze kommt. Deren Chef Philipp Nagl gilt als ausgewiesener Fachmann. Er verantwortet derzeit die Generalsanierung, eine umfassende Modernisierung von mehr als 40 stark belasteten Fernverkehrsstrecken. Offen bleibt außerdem der Posten des Finanzvorstands. Seit Finanzchef Levin Holle ins Bundeskanzleramt gewechselt ist, führt Personalvorstand Martin Seiler dieses Ressort kommissarisch.

Die Generalsanierung ist ein Teil des größeren Sanierungsprogramms, mit dem Richard Lutz den Konzern stabilisieren wollte. Dabei sollten Infrastruktur, Finanzen und die hohe Unpünktlichkeit verbessert werden. Mit der Generalsanierung sollten in den nächsten Jahren die Züge zuverlässiger fahren. Außerdem leitete Lutz strikte Sparprogramme ein und reduzierte mit dem geplanten Verkauf der profitablen Tochter DB Schenker den Milliarden-Schuldenberg.

Bahn-Umbau noch nicht bei den Kunden angekommen

Fahrgäste spüren bislang kaum Verbesserungen. Die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr lag im ersten Halbjahr deutlich unter Plan. Wegen hoher Trassenpreise, einer Art Schienenmaut, warnt die EVG zudem vor höheren Ticketpreisen und einer Angebotskürzung.

Schnieder kündigte an, die Kundschaft stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Sein Programm trägt den Titel: "Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene". Erwartet wird, dass der Bund die Deutsche Bahn künftig strenger steuern wird. Besonders die Sparte InfraGo, zentral beim Bahn-Umbau, soll unabhängiger vom Gesamtkonzern agieren. Möglich ist auch, dass der Bund konkrete Vorgaben zur Pünktlichkeitsquote macht.

Offene Fragen bei InfraGo und Finanzrahmen

Die InfraGo wurde vor einigen Jahren gegründet und verpflichtet sich neben Wirtschaftlichkeit auch dem Gemeinwohl. Branchenvertreter fordern seit Langem eine eigenständigere Netzgesellschaft. Über eine vollständige Trennung von Netz und Betrieb wurde viel diskutiert. Die Bundesregierung hat das jedoch ausgeschlossen, sodass es im Bahn-Umbau keine Rolle spielt. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht aber, die DB InfraGo vom Gesamtkonzern stärker zu entflechten.

Auch die Finanzierung bleibt problematisch, gerade bei Sanierung des Bestandsnetzes sowie Neu- und Ausbau. Zwar fließen über das Sondervermögen des Bundes so viele Milliarden wie nie zuvor ins Schienennetz. Doch der scheidende Bahnchef Richard Lutz betonte mehrfach, dass die Mittel nicht reichen, um die Bahn im Sinne der Verkehrswende mit mehr Güter- und Personenverkehr zukunftssicher zu machen. Ein Sprecher Schnieders erklärte am Freitag, bis 2029 fehlten rund 2,5 Milliarden Euro für Neu- und Ausbaustrecken. Welche Auswirkungen das auf geplante Projekte hat, ist unklar.

Greenpeace fordert klaren Kurswechsel

Greenpeace fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Bahn. "Der katastrophale Zustand der Deutschen Bahn ist das Spiegelbild fehlender Steuerung durch die Eigentümerin. Hier muss eine neue Strategie ansetzen", kritisierte Mobilitätsexpertin Lena Donat.

Die Organisation betonte, dass die eingeleitete Sanierung beim Bahn-Umbau zwar Voraussetzung sei, Wachstum aber nur mit einem größeren Netz und klaren Zielen gelinge. Evelyn Palla als neue Bahn-Chefin steht dabei im Zentrum – sie soll den Konzern durch die Phase der Generalsanierung führen und die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft legen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street schließt im Minus, während sich der Anleiheausverkauf fortsetzt
28.09.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten.

DWN
Politik
Politik Geran-5: Wie die Ukraine auf Russlands schnelle Drohne reagiert
28.09.2026

Russlands schnelle Angriffsdrohnen stellen die ukrainische Luftverteidigung vor ein neues Problem. Während ältere Geran-5-Modelle...

DWN
Politik
Politik Europa schließt Fabriken und träumt von strategischer Autonomie
28.09.2026

Da es keine Antwort auf die heute und jetzt hohen Energiepreise gibt, zu denen auch die Politik der EU beigetragen hat, verkauft Ursula von...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsfähigkeit: Bericht zu Verteidigungsbereitschaft der EU offenbart Lücken
28.09.2026

Signifikante Lücken bei der Luftverteidigung, bei Drohnen und bei Munitionsbeständen: Vor dem Treffen der europäischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
28.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Politik
Politik Erneuerbare Energien: Solarstromproduktion übertrifft Vorjahreswert
28.09.2026

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren zu diesem Rekord...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
28.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-China-Handelskonflikt: Expertin warnt vor 50 verlorenen Jahren
28.09.2026

Chinas Exportmaschine setzt Europas Industrie zunehmend unter Druck, und ausgerechnet Deutschland trifft der neue Wettbewerb besonders...