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Bahn-Sanierung: Bahn wird Versprechen bei großen Baustellen nicht einhalten

Monatelange Sperrungen, versprochene Baufreiheit – und nun neue Baustellenpläne: Die Deutsche Bahn gerät mit ihrem Sanierungskonzept ins Wanken. Statt Klarheit drohen zusätzliche Sperrungen, lange Verzögerungen und ein wachsender Frust bei Fahrgästen.
11.09.2025 18:01
Lesezeit: 3 min
Bahn-Sanierung: Bahn wird Versprechen bei großen Baustellen nicht einhalten
Bahn-Sanierung: Mehr und häufigere Streckensperrungen als versprochen. (Foto: dpa) Foto: Andreas Arnold

Marodes Netz: Bahn weicht von Sanierungsplänen ab

Das Schienennetz in Deutschland ist marode. Mit rund 40 Generalsanierungen sollten zumindest die wichtigsten Strecken wieder fit gemacht werden: Doch die Bahn weicht ihre Pläne immer weiter auf.

Die Deutsche Bahn wird ein zentrales Versprechen bei den sogenannten Generalsanierungen ihrer wichtigsten Strecken in einigen Fällen nicht einhalten. Zuletzt versprach die Bahn, dass nach einer solchen Baumaßnahme mit monatelanger Totalsperrung fünf Jahre lang nicht erneut auf den Strecken gebaut werde. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur plant die Bahn jedoch zahlreiche Sperrungen noch vor Ablauf dieser fünf Jahre.

Ein Grund dafür ist nach dpa-Informationen die Leit- und Sicherheitstechnik. Sofern noch nicht geschehen, stattet die Bahn die Strecken bei einer Generalsanierung mit elektronischen Stellwerken aus. Eigentlich soll die Inbetriebnahme am Ende der Bauzeit erfolgen. Für einige Strecken hat der Konzern der Branche nun jedoch mögliche Baustellen gemeldet, um die Inbetriebnahme erst einige Monate später vorzunehmen.

"Für Korridore, auf denen die Stellwerkstechnik umfassend erneuert werden muss, prüfen wir vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus dem Pilotprojekt Riedbahn (zwischen Frankfurt und Mannheim) aktuell projektspezifische Konzepte für eine nachgelagerte Inbetriebnahme", teilte ein DB-Sprecher auf Anfrage mit. "Selbstverständlich stimmen wir uns dazu eng mit dem Bundesverkehrsministerium ab."

Sperrpausen auch für Neu- und Ausbauprojekte

Eine spätere Inbetriebnahme der elektronischen Stellwerke dürfte jeweils zu rund einer Woche neuer Einschränkungen für die Reisenden führen: sofern danach dann alles funktioniert. Die Bahn muss die Branche über solche Baupläne informieren, auch wenn sie sich schlussendlich für eine andere Lösung entscheidet.

Nach dpa-Informationen hat die Bahn zudem einige Baumaßnahmen angemeldet, die zu deutlich längeren Sperrungen führen könnten. Auf Anfrage hieß es von der Deutschen Bahn, dass regelmäßige Instandhaltungsarbeiten ebenso notwendig seien wie die kontinuierliche Pflege und der Rückschnitt der Vegetation entlang der Strecken. "Gleichzeitig sind Sperrpausen möglich, um Neu- und Ausbauprojekte, die an einen generalsanierten Streckenabschnitt angrenzen, wie geplant umzusetzen", sagte ein Bahn-Sprecher.

Generalsanierungen bis 2036

Das Konzept der Generalsanierung bröckelt damit spürbar. Ursprünglich war von acht bis zehn Jahren Baufreiheit die Rede, die dann auf fünf Jahre verkürzt wurde. Als das Konzept vorgestellt wurde, sollte jede Baumaßnahme etwa ein halbes Jahr dauern: auch dieser Plan ließ sich nicht einhalten. Für die Strecke Hamburg-Berlin benötigt die Bahn beispielsweise neun Monate. Zudem verlängert sich die Phase, in der Generalsanierungen stattfinden sollen. Ursprünglich war geplant, die letzte der rund 40 aktuell vorgesehenen Generalsanierungen 2031 abzuschließen. Der Plan verschiebt sich nach aktuellem Stand jedoch auf 2036.

Mit den Generalsanierungen will die Bahn rund 40 besonders wichtige Strecken modernisieren. Das Schienennetz ist marode und ein Hauptgrund für die zahlreichen Verspätungen im Fernverkehr. Die Generalsanierungen sollen der Befreiungsschlag für die Bahn sein.

Angemeldete Sperrungen im Überblick

Die Strecke Frankfurt-Mannheim, generalsaniert 2024, könnte Anfang 2028 von Sperrungen betroffen sein, im Raum steht auch eine zeitweise Totalsperrung.

Für die Strecke Fulda-Hanau hat die Bahn mehrere mögliche Sperrungen für die Jahre 2028 und 2029 angemeldet, sowohl eingleisige als auch Totalsperrungen. Die Generalsanierung soll im Januar 2028 abgeschlossen werden.

Koblenz-Mainz wird 2028 generalsaniert: Anfang 2029 droht jedoch eine weitere längere Totalsperrung.

Nürnberg-Regensburg: Nach der Generalsanierung im Jahr 2026 könnten Anfang 2028 und Anfang 2029 eingleisige Sperrungen folgen.

Ob die gemeldeten Baumaßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, prüft die DB nach eigenen Angaben noch.

Ärger in der Branche über DB-Pläne

In der Bahn-Branche stößt das Vorgehen des bundeseigenen Konzerns auf Kritik. "Generalsanierungen heißen Generalsanierungen, weil den Menschen versprochen wird, dass alles in einem Aufwasch gemacht wird und sie danach lange Zeit Ruhe haben von Baustellen", sagte Dirk Flege, Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz Pro Schiene, der dpa. "Wenn nun aber wesentliche Teile dieser Generalsanierungen ausgelagert werden, wird das zentrale Versprechen nicht eingelöst, und die Menschen fragen sich zu Recht, warum sie sich monatelang einschränken und verbiegen müssen, wenn kurz darauf wieder die Strecke gesperrt wird." Aus den Generalsanierungen dürfe keine "Mogelpackung" entstehen.

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