Politik

Der Ein-Euro-Mann des Kanzlers: Ex-Banker Blessing soll Investoren locken

Der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing soll im Auftrag von Bundeskanzler Friedrich Merz dafür sorgen, dass Deutschland international wieder als attraktiver Investitionsstandort wahrgenommen wird. Mit seinen Verbindungen in die globale Finanz- und Wirtschaftswelt soll der 62-Jährige ausländische Unternehmen von Deutschland überzeugen – so die Erwartung der Bundesregierung bei seiner Vorstellung im Kanzleramt.
22.09.2025 19:00
Lesezeit: 2 min
Der Ein-Euro-Mann des Kanzlers: Ex-Banker Blessing soll Investoren locken
Der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing soll im Auftrag von Bundeskanzler Merz ausländische Investoren für Deutschland gewinnen (Foto: dpa). Foto: Andreas Gora

Der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing wird künftig im Auftrag von Bundeskanzler Friedrich Merz für ausländische Investitionen in Deutschland werben. Der 62-jährige Manager solle mit seinen Kontakten in die internationale Wirtschafts- und Finanzwelt dazu beitragen, „dass Deutschland wieder ein Top-Standort wird für Investitionen von Unternehmen aller Art“, sagte Merz bei der Vorstellung Blessings im Kanzleramt.

Die Direktinvestitionen in Deutschland sind seit 2022 rückläufig. Zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums in Deutschland und damit auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen werden sie aber dringend benötigt. Als Nachteile des Standorts Deutschland gelten vor allem die Steuerlast, Bürokratie und hohe Energiekosten.

Zusätzlich zu gesetzgeberischen Maßnahmen wie dem Investitions-Sofortprogramm, dem Sondervermögen Infrastruktur und einer Unternehmenssteuerreform will die Bundesregierung das Investitionsklima nun auch durch stärkere direkte Ansprache im Ausland verbessern. So nimmt Außenminister Johann Wadephul verstärkt Wirtschaftsdelegationen auf seine Reisen mit. Blessing soll nun den direkten Draht zu ausländischen Unternehmen knüpfen.

Kein Gehalt, kein Apparat

Zusätzliche Kosten entstehen dem Kanzleramt durch die Berufung des Top-Managers nicht. Merz stellte ihn als seinen „One Dollar Man“ vor, der für diesen symbolischen Betrag arbeite. Er korrigierte sich kurz darauf auf „Ein-Euro-Mann“ – immerhin zehn Prozent mehr, wie Blessing scherzhaft sagte. Auch ein Apparat mit zusätzlichen Mitarbeitern soll im Kanzleramt für ihn nicht geschaffen werden.

Wollte Merz nicht weniger Beauftragte?

Merz hatte im Wahlkampf versprochen, die Zahl der Beauftragten der Bundesregierung deutlich zu verringern, um Geld zu sparen und Bürokratie abzubauen. Das Kabinett beschloss bereits in seiner ersten Sitzung im Mai, 25 von 43 dieser Posten abzuschaffen. Nun kommt wieder einer hinzu. Es ist aber ein Novum: Blessing ist im persönlichen Auftrag des Kanzlers unterwegs und arbeitet quasi ehrenamtlich.

Investitionskonferenz im kommenden Jahr

Er bekam das Angebot von Merz dem Vernehmen nach telefonisch während eines Spieleabends mit seiner Familie. Er freue sich, „Deutschlands Attraktivität als Standort international zu stärken, unterstützen zu können“, sagte er bei der Vorstellung.

Merz würdigte Blessing als „sehr erfahrenen Manager“, der nun Brücken in die Wirtschaft bauen und Türen zu Unternehmen öffnen könne. Seine Aufgabe werde es sein, potenzielle Investoren gezielt anzusprechen und die Stärken des Investitionsstandorts Deutschland bestmöglich zu vermitteln.

Er soll dabei mit den zuständigen Ministerien und den Wirtschaftsförderinstitutionen des Bundes zusammenarbeiten. Unter anderem ist für nächstes Jahr eine große Investorenkonferenz geplant.

Blessing kommt aus Banker-Familie

Der Bremer Banker hat das Bankgeschäft quasi in die Wiege gelegt bekommen: Sein Großvater Karl war Bundesbank-Präsident (1958-1969), sein Vater Werner stieg in den Vorstand der Deutschen Bank auf (1981-1987). Blessings Ehefrau Dorothee ist globale Co-Chefin für den Bereich Investmentbanking Coverage bei der US-Bank JPMorgan.

2001 kam Blessing in den Commerzbank-Vorstand und wurde 2008 Chef des Geldhauses. Gerade einmal gut 100 Tage im Amt, feierte Blessing im Spätsommer 2008 die Übernahme der Dresdner Bank, bei der er einst gelernt hatte. Doch die Altlasten der Dresdner waren gewaltig, die Schockwellen der Lehman-Pleite rissen die Commerzbank fast in den Abgrund. Der deutsche Staat rettete den Frankfurter Dax-Konzern mit Steuermilliarden und wurde dessen Großaktionär.

Blessing blieb der Bankenbranche nach seinem Ausscheiden bei der Commerzbank zum 30. April 2016 treu. Gut drei Jahre bis Herbst 2019 arbeitete er in Führungspositionen bei der Schweizer Großbank UBS, seit März 2022 führt Blessing den Verwaltungsrat der Danske Bank.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Sandisk bricht um 12 Prozent ein, während sich der Ausverkauf bei Chip-Aktien verschärft title
16.07.2026

Ein turbulenter Handelstag an der Wall Street sorgt für weitreichende Verschiebungen und überraschende Bewegungen bei Einzelwerten.

DWN
Politik
Politik Führungswechsel in Kiew: Proteste überschatten Wahl der neuen ukrainischen Regierung
16.07.2026

Mitten im Abwehrkampf gegen Russland erlebt die Ukraine eine dramatische Regierungsumbildung. Während das Parlament in Kiew mit Serhij...

DWN
Politik
Politik Konflikt im Nahen Osten: Iran signalisiert Verhandlungsbereitschaft trotz neuer Drohungen
16.07.2026

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran erreicht eine neue Rolltreppe der Eskalation. Während Washington den militärischen Druck...

DWN
Politik
Politik EU-Asylreform: Italien blockiert weiter Rücknahmen
16.07.2026

Die neuen EU-Asylregeln sollen eigentlich klären, welcher Mitgliedstaat für Schutzsuchende zuständig ist. Doch ein Bericht der...

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Aktienkäufe: Die Notenbank als letzter Retter der Börse
16.07.2026

Beim nächsten großen Börsencrash könnte die US-Notenbank zu einem Mittel greifen, das bislang als Tabubruch gilt: dem Kauf von...

DWN
Panorama
Panorama Miteinander statt Frust: Wie der Bund das Heimatgefühl vor Ort stärken will
16.07.2026

Geschlossene Läden, fehlende Ärzte und teurer Wohnraum sorgen vielerorts für Frust. Die Bundesregierung will Alltagsproblemen in Stadt...

DWN
Politik
Politik Steuerbetrug: Bundesregierung will härter durchgreifen
16.07.2026

Die Bundesregierung will Steuerkriminalität stärker bekämpfen und Ermittlungen besser bündeln. Finanzminister Lars Klingbeil und...

DWN
Politik
Politik Zivilschutz und Abschreckung: Deutschland stellt sich auf neue Bedrohungslage ein
16.07.2026

Deutschland richtet seine Sicherheitsstrategie stärker auf die Bedrohung durch Russland aus. Außenminister Johann Wadephul fordert ein...