Finanzen

Immobilien- und Energieaktien: Übergewichtung für langfristige Renditen

Europa könnte 2026 den US-Märkten wirtschaftlich und an der Börse überlegen sein. Der Inflationsdruck sinkt, Zinsen fallen, Regierungen handeln wirtschaftsfreundlicher, und Unternehmen sowie Haushalte stehen stärker da als nach dem Ukraine-Krieg. Besonders europäische Aktien zeigen Potenzial, während das US-Umfeld unsicher bleibt.
30.09.2025 15:25
Lesezeit: 2 min
Immobilien- und Energieaktien: Übergewichtung für langfristige Renditen
Europa könnte 2026 wirtschaftlich und an der Börse den USA überlegen sein. Adidas und Immobilien- sowie Energiesektoren bieten Chancen. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Sebastian Schrott, Regional Portfolio Manager Equity bei T. Rowe Price, gibt folgende Analyse:

Europa: Chance auf stärkere Performance als USA-Märkte

Die wirtschaftlichen Aussichten sind ungewiss, vielleicht sogar stärker als sonst, angesichts verschiedener geopolitischer Probleme weltweit und in Europa. Dennoch sehen wir, auch wenn die Perspektiven für die einzelnen Länder recht unterschiedlich wirken, eine Chance für eine Verbesserung der europäischen Wirtschaft in 2026. Der Inflationsdruck ließ nach, die Zinsen sinken und die europäischen Regierungen handeln wirtschaftsfreundlicher. Nach erheblichen Belastungen für Unternehmenskosten und Haushaltsbudgets unmittelbar nach dem Ukraine-Krieg (höhere Energiepreise, höhere Zinsen, Lohninflation usw.) sind die verfügbaren Einkommen der Haushalte und die Bilanzen der Unternehmen heute in einer relativ besseren Position. Die Konsumausgaben und Unternehmensaktivitäten waren in den letzten zwei bis drei Jahren rückläufig. Wenn sich die Stimmung verbessert – getragen durch eine bessere Wirtschaftspolitik, mehr geopolitische Stabilität und staatliche Konjunkturmaßnahmen in Ländern wie Deutschland – könnte das BIP-Wachstum 2026 wieder anziehen.

Zudem sehen wir Potenzial für eine anhaltend bessere Performance in Europa. Zwar entwickelten sich europäische Aktien im Jahr 2025 bislang stärker (insbesondere in vergleichbaren Währungen), doch ging dem eine rund 15-jährige Underperformance voraus. Die Kluft zwischen Aktienbewertungen – in den USA recht hoch, in Europa eher angemessen – bleibt weiterhin groß. Es gibt in Europa ein aufgestautes Potenzial für eine wirtschaftliche Erholung – die Aussichten in den USA sind weniger klar, da das Risiko einer höheren Inflation durch höhere Zölle, eine sehr angespannte Haushaltslage und eine unberechenbarere Politik besteht (auch wenn beide Volkswirtschaften selten völlig unabhängig voneinander sind). Ein Umfeld mit etwas höherer Inflation und normalisierten Zinssätzen ist für die europäische Sektorenzusammensetzung relativ gesehen ebenfalls günstiger als das extrem niedrige (negative) Zinsumfeld zwischen 2008 und 2022.

Adidas: Starkes Modellbeispiel

Unser Modell für die Aktienauswahl legt den Schwerpunkt vor allem auf die Attraktivität eines Unternehmens (einschließlich Kapitalrendite und Wachstumsaussichten sowie qualitativer Faktoren), die Bewertung und die Geschäftsdynamik (ob sich die Fundamentaldaten in den nächsten zwölf bis 18 Monaten beschleunigen oder verlangsamen). Ein Beispiel, das gut in unser Modell passt und aktuell eine bedeutende Position im Portfolio darstellt, ist Adidas. Das Geschäft von Adidas wirkt attraktiv, mit hohen und sich weiter verbessernden Kapitalrenditen von rund 20 Prozent, einem guten strukturellen Wachstum im attraktiven globalen Sportartikelmarkt und einem starken Managementteam. Die Bewertung wurde nach dem Rückgang der Aktie in diesem Jahr auf ein KGV von etwa 16 für 2026, eine FCF-Rendite von 6-7 Prozent und eine solide Bilanz attraktiv. Wir erwarten, dass das organische Umsatzwachstum mit fast 10 Prozent robust bleibt und die operativen Margen Potenzial haben, von etwa 6 Prozent im Jahr 2024 und etwa 8 Prozent im Jahr 2025 in den nächsten Jahren auf niedrige zweistellige Werte zu steigen – was auch die Kapitalrendite von Adidas weiter verbessern dürfte.

Übergewichtung: Immobilien- und Energiesektor

Innerhalb Europas sind wir derzeit in Deutschland übergewichtet und in Frankreich untergewichtet. Die Haushaltslage Deutschlands (Staatsverschuldung/BIP und Haushaltsdefizit) ist deutlich gesünder als die Frankreichs. Die deutsche Politik und Wirtschaftspolitik scheint sich unter der neuen Regierung zu verbessern, während die Lage in Frankreich schwieriger wird und für die nächsten ein bis zwei Jahre keine offensichtlichen einfachen Lösungen absehbar sind.

Was die Sektoren betrifft, sind wir in den Bereichen Immobilien und Energie übergewichtet, die zuletzt wenig Beachtung fanden und mittelfristig attraktive Anlagemöglichkeiten bieten. Wir sind in den Bereichen Rohstoffe und zyklische Konsumgüter untergewichtet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Aktie: Autobauer investiert eine Milliarde Euro in Ungarn – Strategie gegen chinesische Konkurrenz?
17.07.2026

Mercedes hat eine Milliarde Euro in Ungarn investiert. Nach dem Ausbau soll das Werk in Kecskemét jährlich mehrere hunderttausend Autos...

DWN
Politik
Politik EU-Kritik an Deutschland: Mängel bei Pressefreiheit und Lobby-Transparenz
17.07.2026

Rüge aus Brüssel für die Bundesregierung: Im neuen Rechtsstaatsbericht bescheinigt die EU-Kommission Deutschland anhaltende Defizite....

DWN
Politik
Politik Bahn und Länder im Streit: Netzagentur erzwingt Platz für Fernverkehrs-Konkurrenz
17.07.2026

Ein Machtwort mit Folgen für das deutsche Schienennetz: Die Bundesnetzagentur zieht ihren vorläufigen Beschluss durch und verpflichtet...

DWN
Technologie
Technologie Chinas KI-Vorstoß: Moonshot AI setzt US-Giganten wie OpenAI unter Druck
17.07.2026

China startet seinen Angriff auf die globale KI-Spitze. Mit dem Start-up Moonshot AI bringt das Land ein neues Modell auf den Markt, das es...

DWN
Politik
Politik Kurskorrektur in Brüssel: EU-Kommission plant Lockerung beim Emissionshandel
17.07.2026

Um Europas Unternehmen angesichts hoher Energiepreise und internationaler Konkurrenz zu entlasten, will die EU-Kommission das zentrale...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo-Aktie auf Talfahrt: Einbruch im China-Geschäft - Volvo Cars verfehlt Erwartungen
17.07.2026

Hoher Preiskampf in China und steigende Rohstoffkosten machen dem schwedischen Autobauer Volvo Cars schwer zu schaffen. Nach...