Politik

Digitaler Euro kommt: Fahrplan für Einführung steht

Die Einführung des digitalen Euros rückt näher: Die Finanzminister der Euro-Staaten haben in Kopenhagen erste Eckpunkte für den digitalen Euro beschlossen. Doch über Obergrenzen und Datenschutz wird weiter heftig gestritten. Digitaler Euro – was erwartet die Bürger?
02.10.2025 09:00
Lesezeit: 4 min

Digitaler Euro kommt: Fahrplan für Einführung steht

Die Finanzminister der EU-Staaten haben sich Ende der Woche in Kopenhagen auf erste Eckpunkte für den geplanten digitalen Euro geeinigt. In dem Kompromiss sicherten sie sich ein Mitspracherecht bei der endgültigen Entscheidung über die Einführung und bei der Festlegung von Obergrenzen für den Besitz der neuen Digitalwährung.

Was ist der digitale Euro? Der digitale Euro wäre ein von der Europäischen Zentralbank ausgegebenes elektronisches Zahlungsmittel für Massenzahlungen. Diese Zahlungsform benötigt keine Internetverbindung, informiert die Europäische Zentralbank auf der eigenen Webseite. Gespeichert wäre der digitale Euro in einem Wallet, einer elektronischen Geldbörse, die man beispielsweise bei der Bank einrichten kann. Die Zahlungen werden mit dem Telefon, online und offline getätigt.

Digitale Euro soll das Bargeld ergänzen

„Der Kompromiss, den wir erzielt haben, sieht vor, dass es vor einer endgültigen Entscheidung der EZB über die Ausgabe des digitalen Euro eine Gelegenheit zur Diskussion im Ministerrat geben wird. Wir werden über das Datum sprechen, wie das Projekt voranschreiten wird und welche Bedingungen dabei gelten sollen“, erklärte Eurogruppen-Chef Paschal Donohoe auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde und EU-Kommissar Valdis Dombrovskis.

Die EZB werde außerdem einen Vorschlag für ein Haltelimit zur Genehmigung durch den Rat der Finanzminister vorlegen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte vor den Beratungen auf konkrete Fortschritte gedrängt.

Ein europäisches Gegenmodell zu US-Stablecoins

Der digitale Euro soll das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Über eine eigene EZB-App könnte er europaweit nutzbar sein. Lagarde bezeichnete das Projekt als „politische Aussage über die Souveränität Europas“. Europa müsse in der Lage sein, den Zahlungsverkehr auch grenzüberschreitend mit einer europäischen Infrastruktur abzuwickeln und dürfe sich nicht länger auf US-Dienstleister wie Paypal, Apple Pay, Mastercard oder Visa verlassen.

Die Pläne sind seit Jahren in Arbeit. Bereits 2019 hatte die EZB damit begonnen, als Reaktion auf den Versuch des Facebook-Konzerns, eine globale Digitalwährung einzuführen. Spätestens seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus ist die Sorge in Brüssel gewachsen, die USA könnten ihre Dominanz im Zahlungsverkehr politisch ausspielen. Trump hat mit dem sogenannten „Genius Act“ die Entwicklung von digitalen Dollar-Zahlungsmitteln („Stablecoins“) beschleunigt, die inzwischen als echte Konkurrenz zum Euro gelten.

Streit um Obergrenzen und Datenschutz beim Digital-Euro

Kritiker im Europaparlament warnen allerdings vor einem „nuklearen Eingriff“ in die Zahlungsinfrastruktur und fürchten, daß Regierungen Zahlungen der Bürger überwachen könnten. Vor allem Abgeordnete der Mitte-Rechts-Fraktionen bestehen auf strengen Datenschutzauflagen.

Auch Banken und Zahlungsdienstleister reagieren nervös. Sie befürchten, dass Kunden größere Beträge von ihren Bankkonten abziehen und in digitale Wallets umschichten könnten – was die Kreditvergabe unter Druck setzen würde. Deshalb drängen mehrere Mitgliedsstaaten auf enge Haltelimits für den Besitz von digitalen Euros.

Die EU-Kommission hatte bereits 2023 einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, die Arbeiten kamen jedoch nach der EU-Wahl 2024 ins Stocken. Nun will der Rat seine Beratungen bis Ende 2025 abschließen. Die EZB hofft, dass das EU-Parlament die Rechtsgrundlage bis Mitte 2026 verabschiedet. Mit einer praktischen Einführung des digitalen Euro wird nicht vor 2028 gerechnet.

Digitaler Euro: Das erwarten sich die Bürger

Verbraucherschützer von der European Consumer Organisation (BEUC), Euroconsumers und International Consumer Research & Testing (ICRT) haben einmal im Rahmen einer repräsentativen Online-Umfrage bei europäischen Bürgern nachgebohrt, um zu erfahren, was sich diese vom digitalen Euro erhoffen. Dabei zeigt sich, dass die Befragten einfache, sichere und kostenfreie digitale Zahlungsmethoden erwarten. Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit sollten also im Fokus liegen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht den digitalen Euro als Chance, um sich unabhängiger von außereuropäischen Zahlungsanbietern zu machen. Allerdings zeigt die Vergangenheit, dass solche Projekte immer so eine Sache sind. Oft kommen am Ende verkomplizierte Lösungen dabei heraus, die weder benutzerfreundlich noch sicher sind. In Deutschland genügt da der Blick auf die elektronische Patientenakte, um ein Projekt der jüngeren Zeit heranzuziehen.

Befragte aus Europa wünschen sich vom digitalen Euro Verlässlichkeit (55 Prozent), Benutzerfreundlichkeit (53 Prozent) und möglichst niedrige oder gar keine Gebühren (49 Prozent). Allerdings ist der Informationsstand der Befragten noch dürftig. 58 Prozent der Erwachsenen und 49 Prozent der Jugendlichen haben schon vom digitalen Euro gehört. Aber nur jeweils 11 bzw. 9 Prozent fühlen sich gut informiert.

Nutzer wollen Daten frei Haus liefern

Dabei geben 47 Prozent der Jugendlichen und 42 Prozent der erwachsenen Befragten an, dass sie personenbezogene Daten zur Betrugsbekämpfung und zur Vorbeugung vor Geldwäsche liefern würden. Nur für kommerzielle Zwecke wollen viele das nicht – mit zunehmendem Alter sinkt die Bereitschaft. Das kann man natürlich auch kritisch sehen, denn der digitale Euro könne eine noch größere Überwachung des Zahlungsverkehrs durch den Staat ermöglichen und so den Datenschutz schwächen.

Ab Oktober 2025 entscheidet der EZB-Rat, ob der digitale Euro tatsächlich eingeführt werden soll. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht da derzeit aber noch beim Kommissionsvorschlag Nachbesserungsbedarf, was den Schutz der Privatsphäre betrifft. Ob da aber tatsächlich Interesse besteht, den Datenschutz zu verbessern, dürfte eine andere Frage sein.

Fazit: Kein Ersatz für Bargeld? Der digitale Euro polarisiert

In vier Jahren könnte er eingeführt werden, da EZB und europäische Politik das Projekt vorantreiben. Viele Menschen befürchten aber eine Art von finanzielle Enteignung und oder gar eine Totalüberwachung der eigenen Finanzen. Was werden die Folgen sein? Negativzinsen, programmierbare Geldströmen oder eine umfassende Überwachung, die dem Staat weitreichende Kontrolle über Privatvermögen geben?

Auf der anderen Seite stehen niedrige Kosten, Benutzerfreundlichkeit und die Chance, sich unabhängiger von außereuropäischen Zahlungsanbietern zu machen. Der digitale Euro polarisiert wie kaum ein anderes Finanzthema: zwischen Zukunftsfurcht, Kritik am politischen Prozess, Sorgen vor Bargeldverlust und technischer Skepsis. Vertrauen in die digitale Währung und eine demokratische Kontrolle werden der Schlüssel für den Erfolg eines digitalen Euros sein, der zum „Gamechanger“ für den europäischen Handel werden soll.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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