Generation Z am Arbeitsplatz: Sinn ist das neue Gehalt
Die Generation Z verändert nicht nur die Dynamik unter Kolleginnen und Kollegen, sondern auch die Erwartungen an Arbeitgeber. Vertreter dieser Generation, oft auch als Gen Z bezeichnet, meiden häufig klassische Führungspositionen, während frühere Generationen Aufstiegsmöglichkeiten als starke Motivation betrachteten. Arbeitgeber stehen daher vor der Herausforderung, neue Wege zu finden, um Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. Ein Ansatz besteht darin, sinnstiftende Aufgaben zu bieten und die persönlichen Werte der Beschäftigten ernst zu nehmen. Loyalität wird heute anders definiert, und die reine Zahl der Jahre, die jemand bei einem Arbeitgeber verbringt, ist kein Maßstab mehr. Entscheidender ist, wie sich ein Mitarbeiter im Unternehmen fühlt, inwieweit er bereit ist, sich einzubringen, und ob die Arbeit für ihn sinnvoll ist.
Früher galt der Aufstieg auf Führungspositionen als eindeutiges Zeichen der Anerkennung. Heute lehnen viele junge Fachkräfte solche Positionen ab, insbesondere Angehörige der Generation Z. Dabei ist es nicht so, dass die Gen Z grundsätzlich Aufstiege ablehnt. Evelina Latyšovič, Leiterin der Geschäftsoperationen bei der Personalberatung „Manpower“, erklärt, dass jüngere Mitarbeiter Karriere oft nicht als vertikales Aufsteigen, sondern eher als seitliche Entwicklung verstehen: mehr Projekte, vielfältigere Fähigkeiten und Erfahrungen. Eine Beförderung ist unattraktiv, wenn sie längere Arbeitszeiten, höheren Druck, weniger Freiheit und eine schlechtere Work-Life-Balance bedeutet. Bietet sie jedoch klare Verantwortung, realen Einfluss, Lernmöglichkeiten und faire Vergütung, wird diese Generation die Chance gerne wahrnehmen. Entscheidend sei, wie die vertikale Entwicklung gestaltet ist und ob sie den Erwartungen entspricht.
Renata Augustaitienė, Leiterin für Menschen und Kultur bei der „Ignitis Gruppe“, ergänzt, dass Karriere heute viel breiter interpretiert wird. Sowohl die Generation Y als auch die Generation Z legen großen Wert auf den Sinn und den Inhalt der Arbeit, darauf, welche Aufgaben übernommen werden, warum sie relevant sind und wie stark sie Selbstverwirklichung ermöglichen. Viele entscheiden sich daher für horizontale Karrierewege, neue Erfahrungen oder kehren bewusst in frühere Positionen zurück, wenn sie dort mehr Erfüllung finden. Dies zeigt sich an Beispielen, in denen Mitarbeiter Führungsrollen annahmen, diese später jedoch aufgaben, um wieder intensiver an Projekten zu arbeiten.
Sinnstiftung als zentrale Motivation für die Gen Z
Die Generation Z betrachtet Arbeit zunehmend als sinnstiftend. Während ältere Arbeitnehmer Stabilität und Anerkennung schätzen, fragt die junge Generation zuerst, ob ihre Arbeit Bedeutung hat. Latyšovič beschreibt, dass Sinn für die Gen Z wie ein zweites Gehalt ist: Ist die Arbeit wirkungsvoll, investieren sie sich mit Enthusiasmus. Ohne diesen Sinn kann selbst ein hohes Gehalt nur kurzfristig motivieren. Sinn finden junge Arbeitnehmer in globalen Themen wie Klimawandel oder sozialen Innovationen, aber auch in alltäglichen Aufgaben, etwa der Entwicklung eines Tools, das Kollegen die Arbeit erleichtert.
Arbeit soll mehr sein als ein Vertrag; sie soll einen Beitrag zu einem größeren Ziel leisten. Dabei geht es nicht zwingend um soziale Missionen, auch technologische Herausforderungen, kreative Aufgaben oder die Möglichkeit, Routine gegen Vielfalt zu tauschen, können Sinn stiften. Zudem identifizieren sich Angehörige der Generation Z häufig stärker mit Projekten oder Ideen als mit der Organisation selbst. Unternehmen müssen daher sicherstellen, dass ihre Werte und die der jungen Mitarbeiter in Kernbereichen übereinstimmen, um eine nachhaltige Bindung zu gewährleisten.
Motivation, Arbeitsumfeld und interne Entwicklung
Für Arbeitgeber ist es entscheidend, die Bedürfnisse und Sichtweisen der jüngsten Mitarbeiter zu verstehen. Innovationen, komfortable Systeme, technologische Lösungen und ein einfacher Zugang zu Informationen werden von der Generation Z besonders geschätzt. Ebenso erwarten sie klare, strukturierte und effiziente Kommunikationswege bei Meetings, sei es vor Ort oder virtuell, um Zeit zu sparen und maximale Ergebnisse zu erzielen. Der persönliche Kontakt, insbesondere zum Vorgesetzten, bleibt weiterhin wichtig. Individuelle Betreuung ermöglicht es Führungskräften, die Bedürfnisse ihres Teams zu erkennen und gezielt zu unterstützen. Arbeitgeber sollten daher Möglichkeiten bieten, sich an zusätzlichen Projekten oder Initiativen zu beteiligen, über die eigentlichen Aufgaben hinaus. Eine Kultur des Feedbacks hilft, Herausforderungen, Erfolge und Lernbedarfe transparent zu besprechen. Ein zentrales Merkmal der Gen Z ist zudem die Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Junge Menschen meiden Führungspositionen nicht aus Mangel an Ambitionen, sondern weil traditionelle Rollen oft mit Stress, Bürokratie und Verantwortung verbunden sind, die die persönliche Freiheit einschränken. Dr. Natalija Norvilė, Expertin für Wirtschaftspsychologie bei „Addelse“, empfiehlt, Führung neu zu gestalten: weniger Kontrolle und Hierarchie, mehr Mentoring und Inspiration im Team. Kleine Schritte in Führungsaufgaben, etwa die Verantwortung für ein Projekt, erleichtern den Einstieg in Leitungsrollen und machen diese für junge Mitarbeiter attraktiv.
Die veränderten Karrierevorstellungen der Generation Z sind auch für den deutschen Arbeitsmarkt von hoher Relevanz. Unternehmen müssen zunehmend flexible, sinnstiftende und partizipative Arbeitsmodelle anbieten, um junge Talente der Gen Z langfristig zu binden. Traditionelle Aufstiegspfade verlieren an Attraktivität, während Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung, eigenverantwortlichen Projektarbeit und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben immer wichtiger werden. Nur wer diese neuen Bedürfnisse berücksichtigt, kann in Deutschland Fachkräfte der Generation Z erfolgreich integrieren und langfristig motivieren.


