Technologie

Grüner Wasserstoff: Slowenien baut Europas erstes militärisches Demonstrationszentrum

In Slowenien entsteht das erste europäische Demonstrationszentrum für grünen Wasserstoff im Verteidigungssektor. Das Projekt RESHub soll zeigen, wie militärische Standorte künftig energieautark arbeiten können. Mit japanischer Technologie und EU-Finanzierung.
21.10.2025 06:03
Lesezeit: 3 min
Grüner Wasserstoff: Slowenien baut Europas erstes militärisches Demonstrationszentrum
Brüssel finanziert Energieautonomie: EU testet Systeme von grünem Wasserstoff für Verteidigung und Zivilsektor. (Foto: dpa) Foto: Hauke-Christian Dittrich

EU-Projekt Grüner Wasserstoff für Energieautonomie der Verteidigung

In der slowenischen Stadt Kranj entsteht ein europaweit einzigartiges Demonstrationszentrum, das zeigen soll, wie grüner Wasserstoff künftig in den Verteidigungsstrukturen der EU-Staaten eingesetzt werden kann. Der slowenische Übertragungsnetzbetreiber ELES und das Verteidigungsministerium (MORS) unterzeichneten im September eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit am Pilotprojekt RESHub, das die Kaserne Kranj in ein Modell für energieautonome militärische Infrastrukturen umwandeln soll. Das Projekt wird gemeinsam mit japanischen Partnern umgesetzt.

Der Plan ist Teil der europäischen Strategie, bis 2030 eine nachhaltige und widerstandsfähige Energieversorgung auch im Verteidigungssektor sicherzustellen.

Ziel: Energieautarke Militäranlagen

Im Gespräch mit dem slowenischen Wirtschaftsblatt äußerte Oberst Robert Šipec, Leiter der Abteilung für Energieeffizienz und grünen Wandel im Verteidigungsministerium, dass das System die militärischen Kapazitäten so weit stärken soll, dass sie auch ohne externe Energiezufuhr mehrere Tage lang funktionsfähig bleiben. Ein Wasserstoffspeicher könnte in Krisenzeiten eine Autonomie von bis zu drei Tagen gewährleisten und zusätzlich 200 Kilogramm Wasserstoff pro Tag für mobile Anwendungen bereitstellen. Bei ausreichender Sonneneinstrahlung könne die Autonomie auf bis zu 30 Tage oder mehr steigen, erklärte Šipec.

Das Projekt ist auf Doppelverwendung (Dual Use) ausgelegt, also sowohl für militärische als auch zivile Zwecke. Es soll als dauerhaftes Modell für Energie- und Versorgungssicherheit dienen und in anderen europäischen Standorten repliziert werden können.

Technologische Basis: Wasserstoff, Speicher und Mikronetze

Das Verteidigungsministerium plant, die neuen Technologien schrittweise einzuführen. Vorgesehen sind Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie, Systeme zur Speicherung von Elektrizität, eine Wasserstoffinfrastruktur sowie intelligente Plattformen zur Steuerung von Mikronetzen.

Die Kaserne Kranj wird als Pilotprojekt dienen, in dem technische, operative und logistische Aspekte des Einsatzes von grünem Wasserstoff in realen Bedingungen getestet werden. Das Zentrum soll als Referenzpunkt für alle EU-Mitgliedstaaten fungieren, um die Integration von Wasserstofftechnologien in militärische Strukturen zu demonstrieren.

Das Projekt RESHub ist Teil der europäischen Energie- und Sicherheitspolitik und steht in Synergie mit Initiativen der EU-Kommission und der europäischen Rüstungsindustrie. Es zielt auf mehr Standardisierung, Resilienz und Interoperabilität zwischen den Verteidigungssystemen der Mitgliedstaaten. Slowenien positioniert sich dabei als aktiver Partner bei der Entwicklung eines europäischen Modells für Energiesouveränität und trägt zur Stärkung der technologischen Unabhängigkeit Europas bei.

Japan als Technologiepartner

Der geplante Elektrolyseur in der Kaserne soll eine Leistung zwischen 0,5 und 1 Megawatt haben. Damit kann vor Ort grüner Wasserstoff produziert, gespeichert und im Mikronetz sowohl für stationäre als auch mobile Anwendungen genutzt werden. Der Aufbau erfolgt modular, die technische Auslegung wird derzeit mit Industriepartnern abgestimmt.

Auch das Finanzierungsmodell ist mehrstufig: Es kombiniert nationale Haushaltsmittel, EU-Förderprogramme und mögliche öffentlich-private Partnerschaften. So sollen finanzielle Risiken verteilt und langfristige Stabilität gewährleistet werden.

Die japanischen Partner übernehmen eine beratende und technologische Rolle. Sie bringen Know-how in den Bereichen Elektrolyse, Brennstoffzellentechnologie, Wasserstoffspeicherung und -verteilung ein. Ziel ist die Entwicklung und Validierung fortschrittlicher Systeme für militärisch-zivile Doppelnutzung. Das Projekt soll zugleich Standards und Interoperabilität zwischen europäischen und asiatischen Technologien fördern – ein Beispiel strategischer Kooperation zwischen Europa und Japan.

Bauphase beginnt

Das Projekt RESHub läuft bereits seit 2020. In den vergangenen Jahren wurden Machbarkeitsstudien, Energiemodelle und technische Konzepte erstellt. Inzwischen liegt die vollständige Baugenehmigung vor. Die Umsetzung startet nun: Geplant ist ein funktionsfähiges Modell energieautarker militärischer Infrastruktur, das als europaweites Vorzeigeprojekt dienen soll.

Das Zentrum soll Forschung, Industrie und öffentliche Einrichtungen vernetzen und einen neuen Entwicklungs- und Innovationsökosystem schaffen. Durch den Transfer von Technologie und Wissen in die Wirtschaft soll die Initiative nicht nur die Energiesicherheit, sondern auch die grüne Transformation der Verteidigung vorantreiben.

Grüner Wasserstoff wird zum Sicherheitsfaktor

Auch Deutschland hinkt hier nicht hinterher. Berlin setzt selbst zunehmend auf grünen Wasserstoff, sowohl zur Dekarbonisierung der Industrie als auch zur Stärkung der Energieunabhängigkeit im Verteidigungssektor. Das Bundesverteidigungsministerium und die Bundeswehr prüfen bereits Anwendungen wasserstoffbasierter Notstromversorgung und mobiler Energieeinheiten. Kooperationen mit Projekten wie RESHub könnten künftig Synergien schaffen, nämlich etwa bei der Entwicklung von Standards, Zertifizierung oder militärischer Logistik.

Darüber hinaus könnte die deutsche Industrie, insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Elektrolysetechnik, Energiespeicherung und Systemintegration, von neuen europäischen Ausschreibungen profitieren.

Das Projekt RESHub in Kranj/Slowenien zeigt, dass grüner Wasserstoff längst nicht mehr nur als Energieträger der Zukunft gilt, sondern als zentraler Baustein für Europas Sicherheitspolitik. Mit der Verbindung von Verteidigungsinfrastruktur, Forschung und Industrie entsteht ein Modell, das Energieunabhängigkeit, Nachhaltigkeit und technologische Resilienz kombiniert.

Europa investiert damit nicht nur in Klimaschutz, sondern auch in seine strategische Autonomie. Das ist ein entscheidender Schritt in Zeiten geopolitischer Unsicherheit und wachsender Energieabhängigkeiten.

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Nataša Koražija

Zum Autor:

Nataša Koražija ist leitende Journalistin und Redakteurin bei der slowenischen Wirtschaftszeitung Casnik Finance und hat sich auf die Bereiche Energie, Umwelt, Infrastruktur und Logistik spezialisiert. 

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