Wirtschaft

Ifo-Studie: Betriebsrat wirkt sich positiv auf die Produktivität aus

Wie stark kann ein Betriebsrat die Produktivität von Unternehmen wirklich beeinflussen? Eine aktuelle Ifo-Studie liefert überraschende Ergebnisse: Arbeitnehmervertretungen schützen nicht nur Löhne, sondern fördern auch Effizienz – doch nicht jeder profitiert gleichermaßen. Wo liegen Chancen, wo Risiken dieser Entwicklung?
04.11.2025 18:47
Lesezeit: 1 min
Ifo-Studie: Betriebsrat wirkt sich positiv auf die Produktivität aus
Betriebsrat: Auch Unternehmen profitieren davon messbar (Foto: iStockphoto.com/boggy22). Foto: boggy22

Ifo-Studie: Höhere Produktivität durch Betriebsrat

Arbeitnehmervertretungen fördern laut einer Auswertung von Ifo, IAB und der Universität Konstanz nicht nur stabile Löhne bei zunehmender Automatisierung. Auch Unternehmen profitieren davon messbar. Ein Betriebsrat nützt nicht allein den Beschäftigten, sondern kann Firmen auch spürbare Vorteile bringen. Was Gewerkschaften häufig betonen, haben Forscher von Ifo, IAB und Uni Konstanz nun mit Daten belegt. Besonders deutlich zeigt dies die Ifo-Studie für Betriebe, in denen Automatisierung umgesetzt wurde.

"Werke mit Betriebsräten sind in unserer Stichprobe bereits vor der Einführung von Robotern um etwa 10 Prozent produktiver, obwohl dieser anfängliche Unterschied statistisch nicht signifikant ist", sagt Oliver Schlenker vom Ludwig Erhard Ifo Zentrum für Soziale Marktwirtschaft in Fürth, einer der Autoren der Studie. "Nach der Automatisierung vergrößert sich der Produktivitätsunterschied jedoch auf fast 30 Prozent, was sowohl statistisch als auch wirtschaftlich signifikant ist."

Mehr Training in Betrieben mit Betriebsrat

Ein möglicher Grund für diese Entwicklung ist laut der Ifo-Studie, dass in Unternehmen mit Betriebsrat während des Automatisierungsprozesses deutlich mehr Schulungen für Mitarbeiter angeboten und wahrgenommen wurden. Mitautor Sebastian Findeisen von der Universität Konstanz betont jedoch einen weiteren Punkt: In Unternehmen mit Betriebsräten bestehe oft eine gewisse Skepsis gegenüber Automatisierung. Deshalb werde dort meist nur dann automatisiert, wenn sich der Schritt tatsächlich lohne.

Einkommen steigt in Betrieben mit Arbeitnehmervertretungen

Auch die Einkommen entwickelten sich in diesen Unternehmen positiver: "Drei Jahre nach der Einführung von Robotern sind in Werken mit Betriebsrat die relativen Einkommen im Durchschnitt um 10 Prozent höher als in vergleichbaren Werken ohne Betriebsrat", erläutert Schlenker. Der Analyse zufolge liegt das vor allem daran, dass Arbeitnehmervertretungen Routinearbeiter besser vor Lohnverlusten schützen.

Doch nicht alle Beschäftigten profitieren gleichermaßen, wie Mitautor Wolfgang Dauth vom IAB erklärt: "Betriebsräte tragen dazu bei, dass die Lohnungleichheit innerhalb eines Betriebs in Zeiten der Automatisierung nicht zunimmt, allerdings teilweise auch auf Kosten der anderen Arbeitnehmer im Unternehmen." Für die Untersuchung verglichen die Forscher vergleichbare Betriebe mit und ohne Betriebsrat, die in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts Automatisierung eingeführt haben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Ölpreis steigt auf 91 Dollar, während Trump erklärt, der Iran werde für US-Todesopfer „um ein Vielfaches zahlen“
20.07.2026

Welche Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten und wo Anleger jetzt genau hinschauen sollten.

DWN
Technologie
Technologie Atem-Biometrie: Wird unser Atem bald zum neuen Passwort?
20.07.2026

Passwörter lassen sich ändern, ein Atemmuster nicht. Forscher wollen Menschen künftig daran erkennen, wie sie ein- und ausatmen, und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Median-Entgelt: Einkommen steigen, doch die Lohnlücke besteht weiter
20.07.2026

Mehr Geld auf dem Gehaltszettel, sinkende Unterschiede zwischen Frauen und Männern und deutliche regionale Abweichungen: Die aktuellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Yuan in Afrika: Wie Peking den Kontinent an sein Finanzsystem bindet
20.07.2026

Der Dollar dominiert die Weltwirtschaft, doch in Afrika baut China längst eine alternative Zahlungsroute für den Yuan auf. Was Handel und...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie stabilisiert sich nach Rückschlag: Aufträge stützen, Analysten bleiben vorsichtiger
20.07.2026

Die Rheinmetall-Aktie ist nach einem turbulenten Juni mit leichten Gewinnen in die neue Börsenwoche gestartet. Neue Aufträge und volle...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kodano: Polnischer Optikriese nimmt Deutschland ins Visier
20.07.2026

Mehr Filialen, künstliche Intelligenz und Gespräche über gleich drei mögliche Übernahmen: Der polnische Optikkonzern Kodano wächst...

DWN
Politik
Politik Analyse: Wenn Putin verzweifelt, müssen wir seine Reaktion wirklich fürchten
20.07.2026

Der Druck auf Russland wächst militärisch und wirtschaftlich. Die Verluste an der Front sind enorm, die Wirtschaft ächzt unter dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen AliExpress: EU verhängt Rekordstrafe gegen chinesischen Online-Marktplatz
20.07.2026

Gefälschte Markenartikel, unsicheres Spielzeug und fragwürdige Kosmetik beschäftigen Europas Behörden seit Jahren. Nun setzt die EU mit...