Unternehmensporträt

Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen

Mit seinen bekannten Markenprodukten prägt Henkel seit Jahrzehnten den Alltag vieler Kunden. Ein Blick auf wichtige Meilensteine, Krisen und aktuelle Herausforderungen des Konzerns.
25.09.2026 16:45
Lesezeit: 11 min
Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen
Historische Henkel-Produkte, wie Weisser Riese, Priel, Ata, Spee, Perwoll, Pattex, Fa-Seife, Pritt-Stift, stehen im Henkel-Archiv auf dem Tisch. Die Firma Henkel wird 150 Jahre alt. (Bild: dpa) Foto: Oliver Berg

Persil, Taft, Pril, Pritt: Henkel wird 150

Vor 150 Jahren gegründet, gehört Henkel heute zu den weltweit führenden Herstellern von Konsumgütern und Industrieprodukten. Ein Überblick: Was waren die wichtigsten Stationen der Konzerngeschichte?

Der 28-jährige Kaufmann Fritz Henkel gründete am 26. September 1876 mit zwei Partnern in Aachen das Unternehmen Henkel & Cie. Das erste Produkt war ein Universalwaschmittel auf Silikatbasis, 1878 folgte "Henkel's Bleich-Soda". Weil der Platz nicht ausreichte, zog die Firma nach Düsseldorf. 1900 bezog Henkel die neue Zentrale im heutigen Stadtteil Holthausen. Dort befindet sich der Konzernsitz bis heute.

Anfang der 1920er Jahre gründete das Unternehmen das Klebstoffgeschäft. 1985 ging Henkel an die Börse und war eines der Gründungsunternehmen des Dax. 2008 kaufte man den US-Klebstoffproduzenten National Starch von Akzo Nobel für damals umgerechnet rund 3,7 Milliarden Euro – bis heute die größte Übernahme der Firmengeschichte. 2023 wurde das Markenartikelgeschäft, also Wäsche und Haushalt sowie Kosmetik- und Körperpflege, zum neuen Unternehmensbereich Consumer Brands zusammengeführt. Im Zuge dessen wurden weltweit etwa 3.500 Stellen gestrichen.

Was sind die wichtigsten Marken?

1907 kam das bekannte Waschmittel Persil auf den Markt. Im darauffolgenden Jahr produzierte Henkel nach eigenen Angaben 4.700 Tonnen Persil, 1915 bereits die siebenfache Menge. Seit 1922 bewirbt Henkel das Produkt mit der Werbefigur der Weißen Dame.

In den 1920er Jahren entwickelte das Unternehmen unter dem Namen P3 Reiniger für Industrie und Landwirtschaft. 1969 kam – inspiriert vom Drehmechanismus eines Lippenstifts – der Pritt-Stift auf den Markt. Seit 1995 gehört Henkel die Marke Schwarzkopf, die auch für das Haarspray Taft bekannt ist. 1997 übernahm das Unternehmen die US-amerikanische Marke Loctite. Weitere bekannte Marken sind Spee, Pril, Somat, Schauma, got2be und Pattex.

Wie groß ist Henkel heute?

Henkel verzeichnete 2025 einen Jahresumsatz von 20,5 Milliarden Euro. Die Erlöse entfallen etwa zur Hälfte auf den Konsumgüterbereich mit Körper- und Haarpflegeprodukten sowie Wasch- und Reinigungsmitteln und auf die Klebstoffsparte.

Henkel beschäftigt in 53 Staaten und an 165 Produktionsstätten rund 50.000 Menschen, etwa 8.000 davon in Deutschland. Seit 2020 ist Carsten Knobel Vorstandsvorsitzender. Simone Bagel-Trah, Ur-Ur-Enkelin des Gründers Fritz Henkel, steht dem Aufsichtsrat und dem Gesellschafterausschuss vor.

Größte Wettbewerber von Henkel sind bei Konsumgütern unter anderem Procter & Gamble, Unilever und L’Oréal, im Bereich Klebstoffe H.B. Fuller, Sika und 3M. Bei Kleb- und Dichtstoffen sowie Beschichtungen ist Henkel nach eigenen Angaben globaler Marktführer und wichtiger Lieferant, unter anderem für die Auto- und Elektronikindustrie.

"Sie sind das Coca-Cola und Pepsi der Klebstoffwelt", sagte im Juli eine Anwältin der Federal Trade Commission. Die US-Kartellrechtsbehörde klagte gegen die Übernahme eines US-Klebstoffherstellers durch Henkel. Argumentiert wird, die Transaktion würde den Wettbewerb erheblich beeinträchtigen.

Was sind die größten Herausforderungen?

Nach Beginn des Ukraine-Krieges stiegen die Energiekosten erheblich. Das Geschäft mit Industrieklebstoffen ist konjunkturanfällig. Auch die Konsumgütersparte steht unter Druck. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger haben Marken an Einfluss verloren. Für 71 Prozent der Konsumenten ist der Preis einer der drei wichtigsten Kaufgründe, die Markenreputation nur für 21 Prozent. "Der Wert eines Produkts ist viel wichtiger als das Logo", heißt es.

Wegen der gestiegenen Preise greifen Verbraucher häufiger zu günstigeren Eigenmarken des Handels statt zu Herstellermarken wie denen von Henkel. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens YouGov stieg der Anteil der Eigenmarken bei Waschmitteln innerhalb der vergangenen vier Jahre um 2,3 Prozentpunkte, bei Putz- und Reinigungsmitteln um 4 Prozentpunkte und bei Haarpflegeprodukten um 3 Prozentpunkte.

Aus dem Handel heißt es, Marken gerieten unter Druck, bei Waschmitteln blieben sie jedoch erstaunlich stabil. Die Markenaffinität sei weiterhin hoch. Laut YouGov punktet Henkel mit Persil längst nicht nur bei älteren, sondern zunehmend auch bei jüngeren Konsumenten.

Traditionsmarken wie Persil besäßen nach wie vor enorme Kraft, sagt Marketing-Experte Andreas Baetzgen. "Der Slogan 'Da weiß man, was man hat' bringt dieses Credo bis heute auf den Punkt." Doch Kontinuität allein reiche nicht aus. Henkel müsse neue Wachstumsgeschichten schreiben. "Viele der erfolgreichsten Marken von morgen werden nicht mehr im eigenen Haus aufgebaut, sondern als junge, wachsende Marken zugekauft."

Gab es Kontroversen oder Kritik?

Die 1930er-Jahre zählen laut dem Bonner Historiker Joachim Scholtyseck zu den schwierigsten und kritischsten Phasen der Henkel-Geschichte. 1930 scheiterte ein Übernahmeversuch des Konkurrenten Unilever. Einige Jahre später versuchte Werner Lüps, Enkel des Firmengründers, Henkel auf einen nationalsozialistischen Kurs zu bringen. Wie andere Unternehmen passte sich der Konzern dem NS-Regime an. 1940 wurde Henkel zum nationalsozialistischen Musterbetrieb ernannt und war anschließend Teil der Kriegswirtschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief die Aufarbeitung laut Scholtyseck zunächst eher schleppend. "Bei Henkel wurde Anfragen zur NS-Zeit jahrzehntelang eine Absage erteilt." Erst später ließ der Konzern seine Rolle im Nationalsozialismus und die Beschäftigung von Zwangsarbeitern untersuchen. Das Kapitel sei 2001 in einer wissenschaftlichen Studie sauber aufgearbeitet worden, sagt der Historiker. Dies sei damals bei Unternehmen noch keineswegs üblich gewesen.

Wie viele Konsumgüterhersteller geriet Henkel nach Beginn des Ukraine-Krieges wegen seiner Russland-Geschäfte in die Kritik. Das Unternehmen stoppte zunächst geplante Investitionen sowie Werbung und Sponsoring, ließ die Produktion jedoch weiterlaufen. Im April 2022 beschloss Henkel dann, sich aus Russland zurückzuziehen, ein Jahr später erfolgte der Verkauf.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Renditen von US-Staatsanleihen belasten die Wall Street
07.10.2026

Steigende Renditen und neue Zinsängste bringen die US-Märkte ins Wanken – erfahren Sie, welche Schwergewichte es besonders hart trifft.

DWN
Finanzen
Finanzen Beitragsbemessungsgrenzen 2027: Millionen Bürger müssen mehr vom Lohn abgeben
07.10.2026

Für Gutverdiener steigen kommendes Jahr die maßgeblichen Beitragsgrenzen in der Kranken- und Rentenversicherung. Besonders deutlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
07.10.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wang Fengying von XPeng im Porträt: Eine Chinesin mit amerikanischer Erfolgsgeschichte
07.10.2026

Wang Fengying gehört zu den einflussreichsten Managerinnen der chinesischen Autoindustrie. Bei Great Wall Motor prägte sie Vertrieb,...

DWN
Immobilien
Immobilien Superreiche fliehen aus London: Luxusimmobilien stürzen ab
07.10.2026

Londons Luxusimmobilien verlieren dramatisch an Wert, in manchen Nobelvierteln beträgt das Minus mehr als 25 Prozent. Während die...

DWN
Politik
Politik Nach Landtagswahlen: Mehrheit hält Merz' Kanzlerschaft für gescheitert
07.10.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz kommt aus dem Umfragetief nicht heraus, die Mehrheit der Deutschen sieht keine Zukunft für ihn als Kanzler....

DWN
Politik
Politik Festanstellung adé: Verlängerte Befristungen für Arbeitsverträge geplant
07.10.2026

Die Koalition will die sachgrundlose Befristung für Arbeitnehmer verlängern. Eine Befristung des Arbeitsvertrages soll bald vier statt...