Politik

Alle 75 Minuten eine rassistische Straftat: Bundesregierung startet neuen Aktionsplan

Die Bundesregierung will den Kampf gegen Rassismus neu aufstellen und modernisieren. Mit einer Auftaktsitzung von Ministeriumsvertretern hat nun der im Koalitionsvertrag vereinbarte Prozess begonnen. Ziel ist ein umfassender Plan, der bis 2027 vorliegen soll und das aktuelle Konzept aus dem Jahr 2017 ablösen wird.
14.11.2025 14:16
Lesezeit: 1 min

Aktionsplan basiert auf wissenschaftlicher Rassismus-Definition

Die Beauftragte, die hierbei die Federführung hat, sagte laut einer Mitteilung: „Wir starten für die Bundesregierung den neuen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus. Dort werden wir Maßnahmen gegen Rassismus bündeln und gezielt weiterentwickeln.“

Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir werden den Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus aufbauend auf einer wissenschaftsbasierten Rassismus-Definition neu auflegen, um Rassismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen zu bekämpfen.“

Arbeitsdefinition aus der Zeit der Ampel-Koalition

Die frühere Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus und heutige Entwicklungsministerin, Reem Alabali-Radovan (SPD), hatte im März - vor der Bildung der schwarz-roten Koalition - der öffentlichen Verwaltung eine Arbeitsdefinition von Rassismus an die Hand gegeben. Die von Expertinnen und Experten in einem mehr als eineinhalb Jahre dauernden Prozess formulierte Definition sollte Beamtinnen und Beamten im Alltag mehr Klarheit verschaffen. Sie sei allerdings nicht verbindlich, sondern stelle lediglich ein Angebot dar, wurde damals betont.

„Historisch gewachsene Einteilung von Menschen“

„Rassismus basiert auf einer historisch gewachsenen Einteilung und Kategorisierung von Menschen anhand bestimmter äußerlicher Merkmale oder aufgrund einer tatsächlichen oder vermeintlichen Kultur, Abstammung, ethnischen oder nationalen Herkunft oder Religion“, heißt es in der Definition.

Bestimmte Merkmale würden diesen Gruppen zugeschrieben, die sie und die ihnen zugeordneten Personen als höher- oder minderwertig charakterisierten. Die als minderwertig kategorisierten Gruppen werden demnach herabgewürdigt und auf der Grundlage von negativen Stereotypen und Vorurteilen abgewertet.

Alabali-Radovan hatte für die Formulierung der Arbeitsdefinition im Juni 2023 einen Rat von zwölf Expertinnen und Experten für Antirassismus berufen. An der Erarbeitung des nun von Pawlik angekündigten neuen Plans sollen Wissenschaftler, die Zivilgesellschaft und die Bundesländer beteiligt werden. Geplant ist den Angaben zufolge, den Plan 2027 dem Kabinett zum Beschluss vorzulegen.

Pawlik betonte: „Rassismus ist längst kein Randproblem mehr.“ Alle 75 Minuten ereigne sich in Deutschland eine rassistische Straftat. Betroffene müssten besser geschützt werden.

Der aktuelle Nationale Aktionsplan gegen Rassismus stammt von 2017. Er formuliert konkrete Ziele wie etwa die Förderung von Diversität in Arbeitsleben, Ausbildung und Beruf und die Bekämpfung von Rassismus im Internet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leapmotor C10 im Praxistest: Günstiger Elektro-SUV im Tesla-Vergleich
21.02.2026

Der elektrische Leapmotor C10 ist rund sechstausend Euro günstiger als ein Tesla Model Y, die Hybridvariante C10 REEV liegt preislich...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – wie Banken deutsche Gesetze mitschrieben
21.02.2026

Cum-Ex gilt als größter Steuerskandal der deutschen Geschichte. Doch wie konnte es passieren, dass ausgerechnet Banken beim Schreiben der...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
21.02.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa reformiert Lkw-Maut 2026: Höhere Tarife und neue CO2-Regeln
21.02.2026

Europas Lkw-Maut wird 2026 umfassend reformiert, viele Staaten erhöhen Tarife und stellen auf CO2-basierte Kilometerabrechnung um. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Abkehr vom Dollar: Trumps Politik treibt Kapital nach Europa
21.02.2026

Jahrelang galt der Dollar als sicherer Hafen und US-Aktien als alternativlos. Doch geopolitische Spannungen, Trumps Handelspolitik und ein...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA beflügelt die Wall Street
20.02.2026

Die Wall Street beendete den Handelstag am Freitag mit Gewinnen, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die von Präsident Donald Trump...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Chips aus Sachsen: Infineon eröffnet im Juli neue Chipfabrik in Dresden
20.02.2026

Es ist die größte Investition in der Unternehmensgeschichte von Infineon. Fünf Milliarden Euro investiert Deutschlands größter...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krka Generika: Wie Innovationen Preise und Märkte revolutionieren
20.02.2026

Der slowenische Pharmakonzern Krka entwickelt Generika, die den Markt verändern und Patienten besser versorgen sollen. Trotz fallender...