Politik

Trump bereitet Krieg auf dem eigenen Kontinent vor: Venezuela rückt ins Fadenkreuz

Donald Trump lässt seine Administration offen über eine Militärintervention in Venezuela nachdenken. Während Präsident Nicolás Maduro politische Propaganda betreibt, zieht die US-Regierung Truppen zusammen und prüft rechtliche Vorwände für einen Angriff. Der Konflikt könnte zu einem der folgenreichsten sicherheitspolitischen Wendepunkte auf dem amerikanischen Kontinent seit Jahrzehnten werden.
19.11.2025 09:18
Aktualisiert: 19.11.2025 16:03
Lesezeit: 3 min
Trump bereitet Krieg auf dem eigenen Kontinent vor: Venezuela rückt ins Fadenkreuz
Die Flugzeugträgerkampfgruppe der US-Marine in einer kürzlichen Operation in der Karibik, darunter der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford. (Foto: dpa) Foto: Petty Officer 3rd Class Gladjimi

Venezuela: Militärplanungen hinter verschlossenen Türen

Die Administration von US-Präsident Donald Trump verbrachte die vergangene Woche damit, mögliche militärische Operationen gegen Venezuela vorzubereiten. Der Präsident erklärte, er habe „so gut wie entschieden“, welche Schritte folgen sollen, ohne jedoch konkrete Details zu nennen. Seine Kommentare an Bord der Air Force One heizten Spekulationen weiter an, dass die Vereinigten Staaten bereit sein könnten, das Regime von Nicolás Maduro direkt anzugreifen, so das estische Wirtschaftsportal Äripäev.

Während Maduro in Venezuela bei einer Propagandaveranstaltung John Lennons „Imagine“ anstimmte, verkündete US-Verteidigungsminister Pete Hegseth die Operation „South Spear“, deren Ziel immer klarer in Richtung eines Sturzes der Regierung in Caracas weist. Parallel dazu überschatten neue Enthüllungen rund um die E-Mails des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein (mit wiederholten Bezügen zu Trump) die innenpolitische Lage. Doch diese innenpolitischen Turbulenzen scheinen die Bereitschaft des Weißen Hauses nicht zu dämpfen, militärisch aktiv zu werden.

Massive US-Truppenpräsenz in der Karibik

Seit September führt das US-Militär Angriffe gegen mutmaßliche Drogenkartelle durch, bei denen fast einhundert Personen getötet wurden. Parallel dazu wurde eine beachtliche Streitmacht in der Karibik zusammengezogen: Der Flugzeugträger „Gerald R. Ford“, acht weitere Kriegsschiffe, ein nuklearbetriebenes U-Boot und F-35-Kampfjets im Verbund mit rund 15.000 Soldaten.

Das US-Justizministerium wiederum arbeitet seit dem Sommer an einer juristischen Grundlage für einen Angriff. Ein Argument lautet, man müsse den Zustrom von Fentanyl stoppen – ein Versuch, den Einsatz als Abwehr chemischer Bedrohungen zu klassifizieren. Gleichzeitig verweist das juristische Memo darauf, dass der Präsident als Oberbefehlshaber militärische Operationen ohne Zustimmung des Kongresses beginnen könne und erst nach 60 Tagen eine Genehmigung einholen müsse. Insidern zufolge könnten Spezialeinheiten wie die Delta Force eingesetzt werden, die auf die Ausschaltung sogenannter „High-Value Targets“ spezialisiert ist. Ein Regierungsmitarbeiter sagte der Washington Post, Maduro habe „allen Grund, Angst zu haben“.

Ein gespaltenes Washington, aber ökonomische Interessen sind enorm

Trump sieht sich mit erheblichem Widerstand in der eigenen Partei konfrontiert. Mehrere Abgeordnete äußern Zweifel an den offiziellen Erklärungen der Regierung. Kritiker betonen, Trump habe im Wahlkampf versprochen, „unnötige Kriege“ zu vermeiden und sich auf die Innenpolitik zu konzentrieren. Nun aber droht eine der größten militärischen Eskalationen seiner bisherigen Amtszeit.

Venezuela ist trotz der enormen Ölreserven wirtschaftlich kollabiert. Unter Hugo Chávez und Nicolás Maduro brach die Ölproduktion auf rund eine Million Barrel pro Tag ein, was ein Bruchteil früherer Kapazitäten ist. Der Staatsapparat ist vollständig vom Öl abhängig, und die Regierung konnte rund 200.000 loyale Männer für den Schutz ihres Regimes mobilisieren. Ein interner Umsturz gilt daher als unwahrscheinlich.

Gleichzeitig spricht aus Sicht Washingtons viel für eine Intervention: Ein proamerikanisches Regime in Caracas könnte US-Ölkonzernen äußerst günstige Bedingungen bieten und den globalen Markt mit Millionen zusätzlicher Barrel entlasten. Angesichts der jüngsten Prognose der Internationalen Energieagentur, wonach der Öl- und Gasbedarf mindestens bis 2050 weiter steigt, wären die geopolitischen Gewinne erheblich.

Energiepreise und geopolitische Stabilität stehen auf dem Spiel

Eine Eskalation in Venezuela hätte direkte Auswirkungen auf Europa und Deutschland. Die globalen Energiemärkte reagieren sensibel auf politische Schocks im Ölsektor. Ein militärischer Konflikt könnte kurzfristig zu Preissprüngen führen, wie gesagt mittelfristig jedoch, im Falle eines Regimewechsels, zusätzliche Ölquellen eröffnen. Aus deutscher Sicht wäre jede Unruhe in Lateinamerika ein Risiko für Energieimporteure, Raffinerien und die Industrie.

Eine US-Intervention in Venezuela hätte weltweite Folgen. Russland und China unterstützen Maduro politisch, wirtschaftlich und teilweise militärisch. Ein Sturz seines Regimes würde die Machtbalance im westlichen Hemisphärenraum fundamental verändern. Gleichzeitig könnte ein amerikanischer Angriff globale Konfliktlinien verschärfen. Und das mitten in einer Phase, in der Washington gleichzeitig den Druck auf China erhöht und die Ukraine unterstützt.

Für Lateinamerika wäre der Einsatz ein historischer Wendepunkt: Er könnte alte Fronten zwischen linksgerichteten Regierungen und prowestlichen Kräften neu beleben.

Alles deutet auf eine Eskalation hin

Auch wenn Trump seine Entscheidung offiziell offenlässt, sprechen Truppenbewegungen, rechtliche Vorbereitungen und politische Rhetorik eine klare Sprache. Der Präsident scheint fest entschlossen, Maduro unter Druck zu setzen. Auch mit militärischen Mitteln.

Ein Krieg in Venezuela wäre der gefährlichste sicherheitspolitische Schritt der USA seit Jahren. Für die Region, für die Energiemärkte und für die internationale Stabilität wäre er ein massiver Einschnitt. Ob Washington den letzten Schritt tatsächlich geht, hängt nun vom Weißen Haus und der Reaktion Maduros ab. Doch der Kurs ist klar: Die USA bereiten sich ernsthaft auf ein mögliches militärisches Eingreifen vor.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Brady macht Schluss mit Kabeln im Industrie-Etikettendruck

Industrie-Kennzeichnung galt lange als stationär, schwer und kabelgebunden. Brady bringt nun einen Hybrid-Drucker auf den Markt, der...

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Politik
Politik EU-Mitgliedschaft: Warum andere Länder schneller vorankommen als die Ukraine
06.05.2026

Die EU-Erweiterung rückt durch neue geopolitische Risiken wieder ins Zentrum der europäischen Politik, doch nicht jeder Kandidat hat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft J.P. Morgan-Chef Jamie Dimon warnt: Weltordnung steht vor historischer Probe
06.05.2026

Jamie Dimon sieht die globale Wirtschaft vor Risiken, die weit über Börsen, Inflation und Ölpreise hinausreichen. Kann der Westen seine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nord Stream 1: Lubminer Gaskraftwerk wird an die Ukraine verschenkt
06.05.2026

Das funktionsfähige und stillgelegte Gaskraftwerk in Lubmin, soll an die Ukraine verschenkt werden. Das sorgt für Unmut, denn die Anlage...

DWN
Technologie
Technologie Kostenfalle ChatGPT: OpenAI zahlt 50 Milliarden Dollar allein für Rechenleistung
06.05.2026

Dass der Betrieb von ChatGPT teuer ist, war bekannt. Jetzt bekommt man einen Einblick, wie viele Milliarden die KI-Rechenzentren den...

DWN
Politik
Politik Trump vor der nächsten Probe: Wie lange hält der Waffenstillstand am Golf?
06.05.2026

Der Iran-Krieg macht Donald Trumps Machtverständnis zum Risiko für Märkte, Diplomatie und die globale Ordnung. Wie lange kann die...

DWN
Finanzen
Finanzen Morningstar nennt 5 Favoriten: US-Aktien für geduldige Anleger
06.05.2026

Morningstar sieht bei ausgewählten US-Aktien langfristige Chancen, doch selbst starke Marktführer müssen regelmäßig überprüft...

DWN
Politik
Politik Kerosin-Mangel im Sommer? Israel liefert Deutschland Kerosin
06.05.2026

Die Lieferung aus Nahost geschieht nach israelischen Angaben auf Bitte des deutschen Energieministeriums. Der deutsche Verkehrsminister...

DWN
Politik
Politik Kein vorzeitiges Ende: Merz sieht keine Alternative zu Schwarz-Rot
06.05.2026

Die schwarz-rote Regierung versinkt ein Jahr nach ihrem Amtsantritt im Streit. Den Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Koalition...