Finanzen

Ölpreis und geopolitischer Druck: Serbiens Konflikt um den russischen Energiekonzern NIS

Serbien steht inmitten einer energiepolitischen Zuspitzung, deren Ausgang weit über das Land hinaus Bedeutung hat. Welche Entscheidung fällt die Regierung, um wirtschaftliche Stabilität zu sichern und geopolitische Konflikte zugleich einzudämmen?
29.11.2025 14:13
Lesezeit: 2 min
Ölpreis und geopolitischer Druck: Serbiens Konflikt um den russischen Energiekonzern NIS
Die angespannte Lage um den Energiekonzern NIS zeigt, wie geopolitische Konflikte den Ölpreis beeinflussen und Serbiens Versorgungssicherheit unter Druck setzen (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Wachsende Spannungen und Auswirkungen auf den Ölpreis

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić steht zunehmend unter Druck. Die Vereinigten Staaten verlangen, dass Russland aus der Naftna Industrija Srbija, kurz NIS, gedrängt wird. Gleichzeitig möchte Vučić seinen politischen Verbündeten Wladimir Putin nicht durch eine erzwungene Nationalisierung verärgern.

Parallel dazu sinken die Ölreserven im Land und die Versorgungslage wirkt sich zunehmend auf den Ölpreis in der Region aus. Ein neuer amerikanischer Vorstoß richtet sich direkt an die Nationalbank Serbiens.

Diese wurde gewarnt, dass im Falle einer ungelösten Eigentumsfrage rund um NIS, also ohne Ausschluss der russischen Anteilseigner, sogenannte sekundäre Sanktionen verhängt würden. Die Gouverneurin Jorgovanka Tabaković erklärte, man befürchte im schlimmsten Fall einen Stillstand im Zahlungsverkehr, der sich mittelbar ebenfalls auf den Ölpreis auswirken könnte.

Zahlungsprobleme und Zeitdruck

Seit Inkrafttreten der ersten Sanktionen Anfang Oktober funktionieren an den Tankstellen von NIS und Lukoil in Serbien keine Zahlungen mehr mit Mastercard, Visa oder American Express, sofern deren Verarbeitung über die USA erfolgt. Die landesweiten Einschränkungen treffen Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen.

Der Februar droht zum kritischen Monat zu werden. Die Möglichkeit einer Nationalisierung ist in Serbien kein Tabu mehr. Gleichzeitig bleibt unklar, wie es weitergeht. Gazprom Neft hält fünfzig Prozent plus eine Aktie an NIS, die Republik Serbien knapp dreißig Prozent. Beobachter verweisen darauf, dass Vučić zu spät reagiert habe, obwohl die USA ihre Sanktionen bereits Anfang Januar angekündigt hatten.

Politische Risiken für Vučić

Vučić möchte seinen Verbündeten Putin nicht verärgern. Dennoch wird in Serbien zunehmend offen über eine mögliche Nationalisierung gesprochen. Eine solche Entscheidung würde politisch heikel sein, denn die Bevölkerung reagiert empfindlich auf Versorgungsengpässe, steigende Preise und mögliche Auswirkungen auf den Ölpreis im Alltag.

Im Oktober hatte Vučić erklärt, dass Serbien die verfügbaren Mengen zur Weiterverarbeitung in der Raffinerie Pančevo, die NIS gehört, bereits im November ausgeschöpft habe. Vor wenigen Tagen warnte er, dass das Land ab dem dreizehnten Februar im Chaos versinken werde, falls bis dahin keine Entscheidung über die Zukunft von NIS falle. Die USA hatten diese Frist verlängert, um Serbien mehr Zeit zu geben, die russischen Eigentümer aus dem Unternehmen zu entfernen.

Mögliche Optionen für die Zukunft von NIS

Diskutiert werden mehrere Varianten, die unterschiedlich realistisch erscheinen. Dazu zählen der Rückkauf des Gazprom-Neft-Anteils, ein mögliches Insolvenzverfahren, die Übernahme der Unternehmensführung ohne Änderung der Eigentumsverhältnisse oder eine Nationalisierung.

Am Nachmittag meldete die serbische Energieministerin Dubravka Đedović Handanović, dass Russland nun bereit sei, seinen Anteil zu verkaufen. Der Käufer sei noch nicht bekannt. Es solle sich um einen Akteur aus einem Drittland handeln und nicht um die Republik Serbien.

Internationale Dimensionen des Verkaufs

Ein reibungsloser Verkauf ist jedoch nicht garantiert. Auch die Vereinigten Staaten müssen zustimmen. Das Beispiel des russischen Ölkonzerns Lukoil zeigt, wie restriktiv die amerikanische Kontrolle sein kann. Dessen geplanter Verkauf ausländischer Tochtergesellschaften an den schwedischen Rohstoffhändler Gunvor Group scheiterte an der fehlenden Genehmigung der USA.

Als mögliche Käufer von NIS wurden laut Reuters informell ExxonMobil, Chevron und der Private-Equity-Fonds Carlyle genannt. Gleichzeitig berichten Medien, dass sich die finnische Lukoil-Tochter Teboil darauf vorbereite, rund vierhundertdreißig Tankstellen zu schließen.

Energiepolitik Europas und Bedeutung für Deutschland

Der Konflikt um NIS zeigt, wie stark europäische Energiemärkte von geopolitischen Entscheidungen geprägt werden. Für Deutschland ist dies relevant, da sich jede Verschiebung regionaler Produktions- und Liefermengen über kurz oder lang auf den Ölpreis im europäischen Markt auswirkt.

Eine Eskalation durch Sanktionen oder Produktionsausfälle in Serbien könnte Raffinerien und Logistiknetzwerke in der EU zusätzlich belasten. Die Frage, wie Serbien den Eigentumskonflikt um NIS löst, beeinflusst damit unmittelbar die Energiepolitik und Preisstabilität in Mitteleuropa.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eon-Aktie: Energiekonzern plant Milliarden-Offensive - Investitionen in Netzausbau
25.02.2026

Der Energiekonzern Eon legt solide Jahreszahlen vor und plant eine massive Investitionsoffensive von 48 Milliarden Euro bis 2030, um das...

DWN
Politik
Politik Banaszak zu Heizungsgesetz: Nur bei Gaswerken knallen Sektkorken
25.02.2026

Das Heizungsgesetz soll reformiert werden. Dabei gehe es nicht um Mieter, Hausbesitzer oder das Handwerk, kritisiert der Grünen-Chef. Er...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ottobock-Aktie: Prothesenhersteller sucht Käufer für Stammwerk in Thüringen
25.02.2026

Der börsennotierte Prothesenhersteller Ottobock will sich von einem weiteren Geschäftsbereich trennen und von einem Standort mit...

DWN
Politik
Politik Draghi stößt Grundsatzdebatte an: Europäische Föderation für mehr Handlungsfähigkeit?
25.02.2026

Mario Draghi löst mit seiner Forderung nach einer europäischen Föderation eine Grundsatzdebatte über die Zukunft der EU aus. Kann eine...

DWN
Politik
Politik Kuba im geopolitischen Spannungsfeld: Díaz-Canel vor strategischer Bewährungsprobe
25.02.2026

Kubas Regime gerät durch Energiekrise, geopolitischen Druck und wachsende Isolation zunehmend unter strukturellen Stress. Steht das...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Börsentag: Technologiesektor erholt sich, AMD und Softwarefirmen glänzen
24.02.2026

Die US-Aktienmärkte legten am Dienstag zu, da die Ängste der Investoren vor KI-bedingten Umwälzungen nachließen. Der Fokus des Marktes...

DWN
Politik
Politik Düsterer Jahrestag des Ukraine-Kriegs: Ungarn blockiert EU-Hilfen für die Ukraine
24.02.2026

Fünf Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs steht die Ukraine weiter unter massivem Druck. Politische Blockaden in der EU,...

DWN
Finanzen
Finanzen MTU-Aktie nach Rekordhoch unter Druck: Ausblick und sinkende Margen belasten
24.02.2026

Die MTU Aero Engines-Aktie gerät nach starken Zahlen und ehrgeizigen Zielen spürbar unter Druck. Trotz Rekordhoch mehren sich Zweifel an...