Technologie

Autonomes Fahren: Bolt bringt chinesische Technologie nach Europa

Europa erlebt eine neue Phase im Wettbewerb um autonome Mobilität, da chinesische Technologieanbieter zunehmend mit großen Fahrdienstplattformen kooperieren. Doch wie verändern diese Partnerschaften die Dynamik auf dem europäischen Markt für selbstfahrende Fahrzeuge?
26.12.2025 16:00
Lesezeit: 2 min
Autonomes Fahren: Bolt bringt chinesische Technologie nach Europa
Bolt setzt auf Technologie aus China und treibt damit die Einführung autonomer Fahrzeuge in Europa voran (Foto: iStock.com, hapabapa) Foto: hapabapa

Bolt setzt auf chinesische Autonomie-Technologie

Bolt kündigt an, autonome Fahrzeuge nach Europa zu bringen. Die ersten Fahrzeuge sollen innerhalb eines Jahres getestet werden, bevor der Dienst für Kunden freigeschaltet wird. Damit wird Bolt nach Uber und Lyft der dritte große Fahrdienstanbieter, der chinesische Technologie für selbstfahrende Autos in Europa einführt.

Der Technologiepartner ist Pony AI, ein bedeutender Akteur im chinesischen Markt. Das Unternehmen betreibt laut eigenen Angaben rund 720 Robotaxis und etwa 200 autonome Lkw in den Regionen Guangzhou, Shanghai und Shenzhen. In einem am Dienstag veröffentlichten Quartalsbericht bestätigt Pony AI, dass die Flotte noch in diesem Jahr auf 1000 Fahrzeuge anwachsen soll und im kommenden Jahr auf 3000 Einheiten erweitert wird.

Technologischer Ansatz von Pony AI

Bolt plant, mithilfe von Pony AI autonome Fahrzeuge der Stufe 4 nach Europa zu bringen, die in begrenzten Bereichen ohne menschliches Eingreifen fahren können. Vorteilhaft ist, dass Pony AI nicht auf eigene Fahrzeugmodelle setzt, sondern auf reine Fahrtechnologie, die sich mit verschiedensten Modellen kombinieren lässt, auch mit Fahrzeugen europäischer Hersteller.

Laut Markus Villig, Gründer und CEO von Bolt, eröffnen autonome Fahrzeuge neue Möglichkeiten für die Mobilität von Menschen und Gütern. Bolt sei als größte europäische Mobilitätsplattform in der Lage, autonome Dienste zu entwickeln, die den europäischen Sicherheits- und Datenschutzstandards entsprechen. Auch Pony AI sieht Europa als wachsenden und vielversprechenden Markt und betrachtet die Partnerschaft als Grundlage für weiteres Wachstum.

Chinesische Anbieter drängen nach Europa

Die europäischen Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz sind zwar streng, doch gerade deshalb streben chinesische Entwickler autonomer Fahrzeuge verstärkt in den europäischen Markt. Für sie bieten etablierte Fahrdienstplattformen ein Tor, um neue Technologien im Ausland zu testen. Bolt ist daher nicht der erste Kooperationspartner in Europa.

Bereits im September kündigte Uber an, ab nächstem Jahr Fahrzeuge des chinesischen Entwicklers Momenta in München zu testen. Die Zusammenarbeit reicht dabei bis Anfang dieses Jahres zurück. Auch Lyft, die dritte große Fahrdienstplattform, plant den Einsatz autonomer Taxis in Großbritannien und Deutschland ab dem kommenden Jahr. Partner ist die chinesische Unternehmensgruppe Baidu.

Baidu plant umfangreiche Expansion

Im Fall von Lyft bedeutet die Kooperation, dass Nutzer künftig Baidus autonome Fahrzeuge der sechsten Generation über die Plattform bestellen können. Die Umsetzung hängt jedoch stark von regulatorischen Entscheidungen ab. Baidu selbst kündigt an, in den nächsten Jahren einen autonomen Fahrzeugpool im vierstelligen Bereich nach Europa zu bringen.

Zudem besteht eine Vereinbarung zwischen Baidu und Uber, die jedoch nicht den US-Markt betrifft. Stattdessen planen beide Unternehmen den Einsatz autonomer Fahrzeuge in Städten der Vereinigten Arabischen Emirate.

Ausblick für Deutschland und Europa

Die wachsenden Partnerschaften zwischen europäischen Fahrdienstanbietern und chinesischen Entwicklern verdeutlichen, wie stark Europa zum Testfeld neuer Mobilitätstechnologien wird. Für Deutschland stellt sich die Frage, wie heimische Hersteller und Technologieunternehmen mit dem zunehmenden Wettbewerb aus China umgehen und ob eigene Entwicklungen im Bereich autonomes Fahren ausreichend vorankommen, um die technologische Souveränität zu sichern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Neues Heizgesetz: Chancen für die Wärmewende oder Kostenfalle?
11.06.2026

Die Debatte um das neue Heizgesetz spaltet die Politik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht im...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schwarz-Gruppe wächst: 300 neue Standorte für Lidl und Kaufland
11.06.2026

Die Schwarz-Gruppe treibt ihr Wachstum weiter voran. Im Geschäftsjahr 2025/26 vergrößerten Lidl und Kaufland ihr Filialnetz weltweit um...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB reagiert auf Iran-Krieg: Erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren
11.06.2026

Wegen des inflationstreibenden Ölpreisschocks infolge des Iran-Kriegs hebt die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder an. Der wichtige...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Wer wird Weltmeister? Prognosen widersprechen sich deutlich
11.06.2026

Spanien, Frankreich, England, Argentinien, die Niederlande? Während die Wettmärkte auf die bewährten Favoriten setzen, erwarten einige...

DWN
Technologie
Technologie Frequenzstreit: Aus für das Antennenfernsehen ab 2031?
11.06.2026

In wenigen Jahren enden zentrale Nutzungsrechte für Funkfrequenzen. Telekommunikationskonzerne fordern diese schon heute vehement ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Selbst die Chinesen waren erstaunt, wie schnell diese Fabrik errichtet wurde
11.06.2026

Wir haben uns die Produktion des elektrisch angetriebenen BMW iX3 angesehen, die auf 400 Hektar ehemaliger Ackerflächen am Rande der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tante Enso greift bei Tegut zu
11.06.2026

Die Supermärkte von Tegut stehen zum Verkauf. Für einen Teil davon ist die Zukunft nun geklärt. Das Bundeskartellamt hat grünes Licht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kieler Forscher senken Wachstumsprognose für 2027
11.06.2026

Der Iran-Krieg trifft die deutsche Wirtschaft stärker als bislang erwartet und dämpft den erhofften Aufschwung. Während staatliche...