Bolt setzt auf chinesische Autonomie-Technologie
Bolt kündigt an, autonome Fahrzeuge nach Europa zu bringen. Die ersten Fahrzeuge sollen innerhalb eines Jahres getestet werden, bevor der Dienst für Kunden freigeschaltet wird. Damit wird Bolt nach Uber und Lyft der dritte große Fahrdienstanbieter, der chinesische Technologie für selbstfahrende Autos in Europa einführt.
Der Technologiepartner ist Pony AI, ein bedeutender Akteur im chinesischen Markt. Das Unternehmen betreibt laut eigenen Angaben rund 720 Robotaxis und etwa 200 autonome Lkw in den Regionen Guangzhou, Shanghai und Shenzhen. In einem am Dienstag veröffentlichten Quartalsbericht bestätigt Pony AI, dass die Flotte noch in diesem Jahr auf 1000 Fahrzeuge anwachsen soll und im kommenden Jahr auf 3000 Einheiten erweitert wird.
Technologischer Ansatz von Pony AI
Bolt plant, mithilfe von Pony AI autonome Fahrzeuge der Stufe 4 nach Europa zu bringen, die in begrenzten Bereichen ohne menschliches Eingreifen fahren können. Vorteilhaft ist, dass Pony AI nicht auf eigene Fahrzeugmodelle setzt, sondern auf reine Fahrtechnologie, die sich mit verschiedensten Modellen kombinieren lässt, auch mit Fahrzeugen europäischer Hersteller.
Laut Markus Villig, Gründer und CEO von Bolt, eröffnen autonome Fahrzeuge neue Möglichkeiten für die Mobilität von Menschen und Gütern. Bolt sei als größte europäische Mobilitätsplattform in der Lage, autonome Dienste zu entwickeln, die den europäischen Sicherheits- und Datenschutzstandards entsprechen. Auch Pony AI sieht Europa als wachsenden und vielversprechenden Markt und betrachtet die Partnerschaft als Grundlage für weiteres Wachstum.
Chinesische Anbieter drängen nach Europa
Die europäischen Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz sind zwar streng, doch gerade deshalb streben chinesische Entwickler autonomer Fahrzeuge verstärkt in den europäischen Markt. Für sie bieten etablierte Fahrdienstplattformen ein Tor, um neue Technologien im Ausland zu testen. Bolt ist daher nicht der erste Kooperationspartner in Europa.
Bereits im September kündigte Uber an, ab nächstem Jahr Fahrzeuge des chinesischen Entwicklers Momenta in München zu testen. Die Zusammenarbeit reicht dabei bis Anfang dieses Jahres zurück. Auch Lyft, die dritte große Fahrdienstplattform, plant den Einsatz autonomer Taxis in Großbritannien und Deutschland ab dem kommenden Jahr. Partner ist die chinesische Unternehmensgruppe Baidu.
Baidu plant umfangreiche Expansion
Im Fall von Lyft bedeutet die Kooperation, dass Nutzer künftig Baidus autonome Fahrzeuge der sechsten Generation über die Plattform bestellen können. Die Umsetzung hängt jedoch stark von regulatorischen Entscheidungen ab. Baidu selbst kündigt an, in den nächsten Jahren einen autonomen Fahrzeugpool im vierstelligen Bereich nach Europa zu bringen.
Zudem besteht eine Vereinbarung zwischen Baidu und Uber, die jedoch nicht den US-Markt betrifft. Stattdessen planen beide Unternehmen den Einsatz autonomer Fahrzeuge in Städten der Vereinigten Arabischen Emirate.
Ausblick für Deutschland und Europa
Die wachsenden Partnerschaften zwischen europäischen Fahrdienstanbietern und chinesischen Entwicklern verdeutlichen, wie stark Europa zum Testfeld neuer Mobilitätstechnologien wird. Für Deutschland stellt sich die Frage, wie heimische Hersteller und Technologieunternehmen mit dem zunehmenden Wettbewerb aus China umgehen und ob eigene Entwicklungen im Bereich autonomes Fahren ausreichend vorankommen, um die technologische Souveränität zu sichern.



