Politik

Trump bekennt Farbe: „Ich brauche kein internationales Recht“

Donald Trump erklärt offen, dass er sich nicht an internationales Recht gebunden fühlt. In einem Interview mit der New York Times beschreibt er seine eigene Moral als einzige Grenze seiner Macht. Die Aussagen markieren eine neue Eskalationsstufe der Trump-Krise und stellen Europas Sicherheitsordnung infrage.
12.01.2026 11:00
Lesezeit: 5 min
Trump bekennt Farbe: „Ich brauche kein internationales Recht“
Donald Trump sagt in einem Interview mit der New York Times, dass "es eine Wahl" zwischen Grönland und der NATO geben könnte. (Foto: dpa) Foto: Evan Vucci

Trumps Machtverständnis ohne äußere Grenzen

Donald Trump hat wiederholt gezeigt, dass er sich nicht an jene Spielregeln hält, die amerikanische Präsidenten über Jahrzehnte hinweg beachtet haben. Vor ein paar Tagen gab er der New York Times ein aufsehenerregendes Interview, in dem er auf die Frage nach möglichen Grenzen seiner globalen Machtbefugnisse eine klare Antwort gab. „Ja, es gibt eine Sache. Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann“, erklärte der Präsident.

Die Aussagen fallen in eine Phase, in der die Trump-Regierung ihre Druckkampagne zur Übernahme Grönlands intensiviert hat. Dies geschieht trotz wiederholter Ablehnung durch Grönland und Dänemark, die Trump aufgefordert haben, die staatliche Souveränität zu respektieren.

Internationale Regeln werden offen infrage gestellt

Im Interview mit der New York Times machte Trump deutlich, dass er sich nicht an internationale Regeln gebunden fühlt. „Ich brauche kein internationales Recht. Ich habe nicht vor, jemandem zu schaden“, sagte der Präsident. Gleichzeitig erklärte er, es sei aus seiner Sicht „psychologisch notwendig für den Erfolg“, Grönland zu besitzen. Er stellte zudem in Aussicht, dass es letztlich zu einer Entscheidung zwischen der Nato und der arktischen Insel kommen könne.

Am vergangenen Wochenende demonstrierte Trump seine Bereitschaft, Macht auch praktisch einzusetzen. Ohne Konsultation des Kongresses ließ er Venezuela militärisch angreifen und nahm Präsident Nicolás Maduro sowie dessen Ehefrau fest. Internationale Experten äußerten Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Operation. Mehrere Staaten verurteilten den Angriff. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen erklärte im Anschluss, man müsse den Respekt vor den internationalen Spielregeln aufrechterhalten.

Trump machte jedoch auf einer Pressekonferenz nach dem Angriff deutlich, dass der Einsatz einen Kurswechsel in der amerikanischen Sicherheitspolitik markiere. „Unter unserer neuen nationalen Sicherheitsstrategie wird die amerikanische Dominanz auf der westlichen Hemisphäre niemals wieder infrage gestellt werden“, sagte der Präsident.

Die Donroe-Doktrin als neue Leitlinie

Im November veröffentlichte die Trump-Regierung eine nationale Sicherheitsstrategie, die international für Aufsehen sorgte. Darin wird die gesamte westliche Hemisphäre als Interessensphäre der USA definiert. Gemeint ist der gesamte amerikanische Kontinent von Nord bis Süd einschließlich Grönlands. Die Strategie wurde als „Donroe-Doktrin“ bezeichnet. Sie knüpft an die über hundert Jahre alte Monroe-Doktrin an, nach der die USA jede äußere Einmischung in der westlichen Hemisphäre als Bedrohung ihrer Interessen betrachten.

Obwohl das Weiße Haus den Einsatz militärischer Mittel zur Durchsetzung seiner Ziele in Grönland nicht ausgeschlossen hat, betonte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt zugleich, dass Diplomatie stets Trumps bevorzugter Weg gewesen sei. Derzeit werde unter anderem die Möglichkeit diskutiert, Grönland zu „kaufen“, erklärte das Weiße Haus. Zudem liege eine sogenannte Freie-Assoziierungs-Vereinbarung auf dem Tisch, wie mehrere internationale Medien berichten.

Macht ohne Grenzen

Trumps Aussagen markieren eine fundamentale Verschiebung im westlichen Machtverständnis. Die offene Absage an internationales Recht, die militärische Aktion gegen Venezuela und die Forderungen in Bezug auf Grönland fügen sich zu einer neuen strategischen Linie zusammen. Die Trump-Krise betrifft damit nicht nur die USA, sondern stellt die gesamte regelbasierte internationale Ordnung infrage. Für Europa wächst der Druck, sicherheitspolitische Abhängigkeiten neu zu bewerten und auf eine Welt ohne verlässliche multilaterale Regeln vorbereitet zu sein.

Donald Trump macht deutlich, dass er internationales Recht nicht als bindend betrachtet. Seine eigene Moral erklärt er zum einzigen Maßstab seiner Macht. Die Donroe-Doktrin, der Angriff auf Venezuela und die Ambitionen in Grönland zeigen eine Außenpolitik, die auf Dominanz statt auf Regeln setzt. Die Trump-Krise erreicht damit eine neue Eskalationsstufe mit weitreichenden Folgen für Europa und die globale Ordnung.

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Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

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