Technologie

AWS EU-Cloud startet: Milliarden-Investition in Brandenburg

AWS eröffnet eine unabhängige Cloud für Europa und investiert dafür Milliarden in Brandenburg. Das neue Angebot richtet sich vor allem an den öffentlichen Sektor und Betreiber kritischer Infrastruktur. Sämtliche Daten verbleiben innerhalb der EU, verschlüsselt und unter Kontrolle europäischen Personals.
15.01.2026 18:35
Lesezeit: 2 min

AWS startet unabhängige EU-Cloud: Milliarden-Investition für Brandenburg

Alle Daten bleiben in der EU: AWS startet eine neue Cloud speziell für den öffentlichen Sektor und kritische Infrastruktur. Für Brandenburg bedeutet dies Investitionen in Milliardenhöhe.

Neue Cloud für Europa

Der US-amerikanische Internet-Gigant AWS hat eine neue, unabhängige Cloud für Europa in Betrieb genommen. Die Rechenzentren des Cloud-Angebots werden in Brandenburg angesiedelt, kündigte die Amazon-Tochter im Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam an. AWS reagiert damit auf Befürchtungen, dass die US-Regierung unter Präsident Donald Trump amerikanische Cloud-Dienste ausspähen oder unbegründet abschalten könnte.

Milliarden-Investitionen in Brandenburg

Für die Einrichtung der europäischen Cloud plant AWS in Brandenburg Investitionen von etwa 7,8 Milliarden Euro. Zunächst wird AWS sich in bestehenden Rechenzentren einmieten. Anschließend soll ein schrittweiser Aufbau eigener Rechenzentren erfolgen – darunter eines südlich von Berlin und eines in Südbrandenburg.

Die "European Sovereign Cloud" von AWS richtet sich vor allem an den öffentlichen Sektor, aber auch an Betreiber kritischer Infrastruktur (KRITIS) sowie Banken und andere Unternehmen, die besonders hohe Anforderungen an den Datenschutz haben. Die europäische AWS Cloud soll eine rechtssichere Basis bieten, um die strengen Anforderungen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und anderer EU-Regulierungen zu erfüllen, ohne auf die Leistungsfähigkeit einer modernen Cloud verzichten zu müssen.

Daten verbleiben in Europa

Das neue Angebot unterscheidet sich von der herkömmlichen AWS Cloud in mehreren Punkten: Betrieb, Kontrolle und Verwaltung erfolgen ausschließlich durch Personal aus der Europäischen Union. Sämtliche Daten bleiben vollständig innerhalb der EU. Außerdem bietet AWS ein Verschlüsselungssystem, das sicherstellt, dass selbst AWS-Mitarbeiter keinen Zugriff auf die Daten haben. Dies soll auch Zugriffe von US-amerikanischen Behörden verhindern.

"Europa braucht Zugang zu führender Cloud- und KI-Technologie. Die Erweiterung der AWS-Innovationen in Europa wird dabei helfen, das Wachstum unserer Kunden und ihre KI-Ambitionen voranzutreiben", sagte AWS-Manager Stéphane Israël. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) erklärte, die europäische AWS-Cloud stärke nicht nur Deutschlands Rolle als Standort für digitale Infrastruktur in Europa. "Sie belegt auch die Attraktivität unseres Landes für Investitionen in modernste Technologien. Globales Know-how wird mit europäischen Datenschutz- und Sicherheitsstandards zusammengebracht."

Milliarden-Perspektive für Brandenburg

Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) sieht sein Bundesland zunehmend auf dem Weg zum "digitalen Innovations-Hotspot". Er geht davon aus, dass verschiedene Unternehmen in den kommenden Jahren bis zu 30 Milliarden Euro in Rechenzentren in Brandenburg investieren werden. Bislang sind Frankfurt und die Rhein-Main-Region führende Standorte für Rechenzentren in Deutschland, auch weil dort der große Internetknoten DE-CIX angesiedelt ist.

Nach einer Bitkom-Erhebung importieren 96 Prozent der deutschen Unternehmen digitale Technologien und Services, nur 25 Prozent exportieren dergleichen. Drei Viertel aller börsennotierten Unternehmen in Europa nutzen Software von Microsoft oder Google, um E-Mails, Kalender und Teams zu organisieren. Vier von fünf Firmen wünschen sich europäische Alternativen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Trumps Luxusjet: FBI, Sicherheitslücken und Millionen-Kosten
27.07.2026

Donald Trump feierte den Luxusjet aus Katar als kostenloses Geschenk und neue Air Force One. Doch fehlende Schutzsysteme, Kosten in...

DWN
Politik
Politik KI-Steuer, steuerfreie Einkommen, Grundeinkommen? Zeit für einen Systemwechsel
27.07.2026

Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr die Existenz sichert: Künstliche Intelligenz frisst Arbeitsplätze, Inflation und Steuern fressen Löhne,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rolly Toys: Spielzeughersteller Franz Schneider stellt nach der Insolvenz den Betrieb ein
27.07.2026

Monatelange Hoffnungen auf eine Sanierung und doch kein Happyend: Nach der Insolvenz muss der Spielzeughersteller Franz Schneider nun doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise sinken leicht – ADAC sieht Hoffnung
27.07.2026

Autofahrer können kurz aufatmen: Die Kraftstoffpreise geben leicht nach, nachdem der Ölpreis deutlich gefallen ist. Doch die Entlastung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Geschäftsklimaindex überrascht positiv: Zuversicht in der deutschen Wirtschaft wächst
27.07.2026

Die Zuversicht in der deutschen Wirtschaft auf eine Konjunkturerholung wächst: Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli überraschend...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell: DAX-Rekordhoch im Blick – USA halten still und Ölpreis sinkt
27.07.2026

Nach turbulenten Wochen kehrt an den Finanzmärkten wieder Optimismus ein. Der DAX-Kurs legt am Montag kräftig zu, weil fallende Ölpreise...

DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger wächst rasant – was Anleger jetzt unbedingt wissen sollten
27.07.2026

Das XRP-Ledger sorgt derzeit gleich an zwei Fronten für Aufmerksamkeit: Einerseits wächst das Netzwerk im Markt für tokenisierte...

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie nach Zahlen im Höhenflug: Analysten bleiben gespalten – wie Anleger reagieren sollten
27.07.2026

Die SAP-Aktie überrascht nach den Quartalszahlen mit einer kräftigen Erholung. Während das starke Cloud-Geschäft Anleger begeistert,...