Wirtschaft

Füllstand Gasspeicher Deutschland sinkt: Wie sicher ist die Versorgung im Winter?

Die Gasspeicher leeren sich, die Temperaturen sinken – und mit ihnen wächst die Sorge vieler Deutscher, mitten im Winter ohne Gas dazustehen. Der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland liegt deutlich unter dem Vorjahresniveau, Großhandelspreise reagieren nervös. Doch während die Speicher schneller schrumpfen, geben Behörden und Marktbeobachter Entwarnung.
22.01.2026 09:04
Aktualisiert: 22.01.2026 09:04
Lesezeit: 4 min
Füllstand Gasspeicher Deutschland sinkt: Wie sicher ist die Versorgung im Winter?
Zahlreiche Rohre verlaufen an einer technischen Anlage zur Verdichtung von Erdgas auf dem Gelände des Erdgasspeichers Rehden der SEFE Storage GmbH. (Foto: dpa) Foto: Hauke-Christian Dittrich

Füllstand Gasspeicher Deutschland: Angst vor Gas-Knappheit mitten im Winter

Die Sorge ist real: Viele Menschen in Deutschland fürchten, dass mitten im Winter plötzlich kein Gas mehr da sein könnte. Der Blick auf den Füllstand der Gasspeicher in Deutschland verstärkt diese Ängste. Denn die Speicher leeren sich derzeit spürbar. Ab einem Füllstand von 20 Prozent tritt die Gasmangellage ein. Dann würden große Verbraucher wie Schwimmbäder und gegebenenfalls auch Industrieanlagen vom Netz genommen.

Füllstand Gasspeicher Deutschland sinkt deutlich

Bei 42,31 Prozent lag der Füllstand aller deutschen Gasspeicher am 18. Januar. Vor einem Jahr lag der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland an diesem Tag noch bei 64,95 Prozent. Zuletzt, vom 17. auf den 18. Januar, sanken die Speicherstände um 0,45 Prozent. Die Daten stammen von agsi.gie.eu/, auf das die Bundesnetzagentur verweist.

Die Abnahmemenge von 0,45 Prozent entspricht etwa 1,12 Terawattstunden – begünstigt durch die milde Witterung. In den kalten Tagen der Vorwoche gingen rund drei Terawattstunden täglich aus den Gasspeichern ab. Der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland entsprach am 18. Januar 106,26 Terawattstunden. 2025 waren die Speicher an diesem Tag noch mit 163,37 Terawattstunden gefüllt.

Der jüngste Kälteeinbruch hat den Gasverbrauch deutlich erhöht. Viele Haushalte heizten mehr als üblich, die Speicher leerten sich schneller. Die Sorge vor einer kritischen Entwicklung beim Füllstand der Gasspeicher in Deutschland wächst – auch wenn Experten derzeit noch keinen akuten Alarm sehen.

Niedriger Füllstand, aber keine akute Mangellage

Trotz des vergleichsweise niedrigen Füllstands der Gasspeicher in Deutschland und zuletzt gestiegener Großhandelspreise sind die Neukundenpreise für Gastarife aktuell niedrig. Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox liegen die günstigsten Angebote mit rund 8 Cent pro Kilowattstunde etwa auf dem Niveau von Mai 2024. Vor einem Jahr hätten Neukunden im Schnitt noch rund 10 Cent pro Kilowattstunde gezahlt, das waren etwa 20 Prozent mehr.

Im kurzfristigen Gasgroßhandel sind die Preise seit Mitte Januar deutlich gestiegen und lagen zeitweise bei knapp 4 Cent pro Kilowattstunde. Im Dezember 2025 habe der Durchschnittspreis noch bei rund 3 Cent gelegen. Als Gründe nennt Verivox unter anderem die niedrigen Speicherstände von rund 43 Prozent sowie Wetterprognosen mit Temperaturen unter dem langjährigen Mittel. Gerade der sinkende Füllstand der Gasspeicher in Deutschland schürt bei vielen Verbrauchern die Angst vor Versorgungsproblemen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist die Gefahr eines Engpasses jedoch gering.

Importe stützen den Füllstand der Gasspeicher in Deutschland

Die Bundesnetzagentur verweist darauf, dass Deutschland weiterhin große Mengen Gas importiert, zuletzt täglich rund 3,3 Terawattstunden. Davon stammen aus Norwegen rund 1,3 Terawattstunden. Der Anteil der über LNG-Terminals angelieferten Menge mit rund 400 Gigawattstunden entspricht etwa 15 Prozent aller Importe. Die Importmengen schwanken täglich und beeinflussen direkt den Füllstand der Gasspeicher in Deutschland.

Großhandel reagiert sensibel auf Speicherstände

Von den Importen müssen zuletzt rund 0,8 Terawattstunden Gasexporte aus Deutschland in die Nachbarstaaten abgezogen werden. Unter dem Strich importiert Deutschland derzeit etwas mehr Gas, als es täglich verbraucht. Ein plötzlicher Gasausfall mitten im Winter gilt deshalb als unwahrscheinlich – solange der Winter mild bleibt und sich der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland nicht weiter stark verschlechtert.

Der Verband der Gasspeicherbetreiber Ines veröffentlicht alle zwei Monate eine Einschätzung zur Lage. Die jüngste Analyse kam am Dienstag. Demnach sind die "Speicherfüllstände mittlerweile auf einem historisch niedrigen Niveau". Ines zeigt in seinen Szenarien, dass es "bei extrem kalten Temperaturen zu Unterdeckungen kommen kann". Diese würden sich zunächst durch starke Preissteigerungen bemerkbar machen. An den Großhandelsmärkten sind solche Reaktionen bereits zu beobachten.

Der Winter 2024/25 endete am 1. April 2025 mit einem Füllstand von 29 Prozent. Er hatte mit mehr als 90 Prozent begonnen. In diesem Winter ist die Ausgangslage schlechter: Die Speicher waren im Herbst lediglich zu 75 Prozent gefüllt. Damit bleibt es bis ins Frühjahr hinein schwierig, den Füllstand der Gasspeicher in Deutschland oberhalb von 20 Prozent zu halten – ein Szenario, das viele Haushalte verunsichert.

Verbraucherpreise bleiben trotz niedrigem Füllstand stabil

Für private Haushalte hat die Entwicklung beim Füllstand der Gasspeicher in Deutschland laut Verivox zunächst keine unmittelbaren Folgen. Preisänderungen an den Börsen kämen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern meist erst verzögert an, unter anderem wegen langfristiger Lieferverträge. Zudem ist der aktuelle Preisanstieg deutlich geringer als im Jahr 2022: Während der Spotpreis derzeit bei etwa 4 Cent pro Kilowattstunde liegt, wurden im August 2022 Spitzenwerte von bis zu 34 Cent erreicht.

Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, rät dennoch, bei einem Tarifwechsel auf eine Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten zu achten. "Erst wenn die Gasgroßhandelspreise für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau bleiben oder weiter steigen, werden die Gaspreise auch für Verbraucher steigen."

BDEW: Haushalte profitieren trotz leerer werdender Speicher

Auch der Energieverband BDEW stellt in seiner Gaspreisanalyse für Januar 2026 keine besonderen Preissprünge für Verbraucher fest. Haushalte mit einer Gasheizung in einem Einfamilienhaus zahlen demnach aktuell rund 11,10 Cent pro Kilowattstunde. Das ist der niedrigste Stand seit 2022 – trotz des gesunkenen Füllstands der Gasspeicher in Deutschland.

Grundsätzlich seien die Gaspreise im Großhandel seit der Energiekrise gesunken. Kurzfristige Schwankungen blieben jedoch möglich, etwa durch Frostperioden oder Veränderungen bei den Speicherständen.

Grundversorgung teuer – langfristig drohen höhere Kosten

Nach Verivox-Angaben sind die Neukundenpreise der überregionalen Anbieter trotz der kalten Witterung stabil geblieben. Bundesweit liegt das günstigste Angebot rund 2 Cent pro Kilowattstunde unter dem Wert vom Januar 2025. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden ergeben sich Heizkosten von etwa 1.600 Euro.

Deutlich teurer ist weiterhin die Grundversorgung. Dort zahlen Haushalte durchschnittlich rund 13,5 Cent pro Kilowattstunde. Bei 20.000 Kilowattstunden entstehen jährliche Heizkosten von rund 2.700 Euro. Der Unterschied zu günstigen Neukundentarifen beträgt damit etwa 1.100 Euro pro Jahr.

Langfristig rechnen Experten damit, dass Gas wieder teurer wird. Sinkt die Zahl der Gaskunden, steigen die Netzentgelte – unabhängig vom aktuellen Füllstand der Gasspeicher in Deutschland. Diese Entwicklung ist bereits sichtbar. Experten raten daher, frühzeitig Alternativen zu prüfen, um steigenden Kosten zuvorzukommen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Meta-Suchtprozess: US-Geschworene verurteilen Meta und YouTube
26.03.2026

Eine junge Frau erzwingt Millionenentschädigungen von Meta und YouTube. Das Urteil signalisiert, dass Suchtmechanismen auf...

DWN
Politik
Politik Deutsche im Iran: Pistorius bereit für Bundeswehreinsatz bei Waffenruhe
26.03.2026

Der Iran-Krieg alarmiert die Bundesregierung, weil die wirtschaftlichen Folgen weltweit spürbar werden. Verteidigungsminister Pistorius...

DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...