Wirtschaft

Europas Lithiumstrategie: EU-Länder treiben industriellen Lithiumabbau voran

Europa baut eigene Rohstoffkapazitäten aus, um strategische Abhängigkeiten zu reduzieren. Welche Folgen hat dieser Kurs für Industrie, Investitionen und Lieferketten in der EU?
01.02.2026 16:00
Lesezeit: 3 min
Europas Lithiumstrategie: EU-Länder treiben industriellen Lithiumabbau voran
Neue Lithiumprojekte in Finnland, Portugal und Deutschland sollen Europas Rohstoffbasis für Elektromobilität, Batterien und industrielle Lieferketten stärken (Foto: dpa) Foto: Lucas Aguayo Araos

Finnland startet Lithiumabbau in Zentralösterbotten

Die als kritisch eingestuften Lithiumressourcen in Europa dürften in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Bereits im Februar nimmt das Bergbauunternehmen Keliber den Betrieb einer neuen Lithiummine in der finnischen Region Zentralösterbotten auf. Parallel dazu fördert die portugiesische Regierung den Ausbau der Lithiumverarbeitung, während auch in Deutschland ein großangelegtes Förderprojekt vorbereitet wird.

Zu den größten bekannten Lithiumvorkommen Europas zählen jene in Finnland. Entdeckt wurden sie zwar erst zu Beginn dieses Jahrzehnts, doch erste geologische Untersuchungen reichen bis ins Jahr 1959 zurück. Damals hatte ein Landwirt eine ungewöhnliche Gesteinsformation gefunden, die weitere Analysen auslöste.

Projektstart im Kaustinen-Tagebau

Der Hauptanteilseigner von Keliber, der südafrikanische Bergbaukonzern Sibanye-Stillwater, teilte mit, dass die Arbeiten im Tagebau Kaustinen im Februar beginnen sollen. Das in Finnland geförderte Lithium ist für den Einsatz in Elektrofahrzeugen, Smartphones und weiteren elektronischen Geräten vorgesehen, berichtet der nationale Rundfunk yle.fi.

Keliber ist in Zentralösterbotten bereits seit mehreren Jahren aktiv. Das gesamte Lithiumprojekt hat ein Investitionsvolumen von knapp 800 Millionen Euro und zählt zu den größten Rohstoffvorhaben des Landes. Der Aufbau erfolgt schrittweise und beginnt mit dem Abbau sowie der anschließenden Aufbereitung des Erzes.

In einer späteren Phase soll eine Chemieanlage in der Stadt Kokkola in Betrieb gehen. Dort wird das Material weiterverarbeitet, um es für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen. Das Projekt ist langfristig ausgelegt und soll Finnlands Rolle im europäischen Rohstoffmarkt stärken.

Arbeitsplätze und Eigentümerstruktur

In der Mine sowie in der geplanten Verarbeitungsanlage sollen insgesamt rund 350 Beschäftigte arbeiten. Sibanye-Stillwater hält 80 Prozent der Anteile an Keliber. Die übrigen 20 Prozent befinden sich im Besitz des staatlichen finnischen Unternehmens Finnish Mineral Resources Group, wie yle.fi berichtet.

Mit dem Projekt verfolgt Finnland das Ziel, sich stärker als Lieferant kritischer Rohstoffe innerhalb der Europäischen Union zu positionieren. Zugleich fügt sich der Lithiumabbau in die europäische Strategie ein, die Abhängigkeit von Importen aus Drittstaaten zu verringern.

Portugal investiert in Lithiumverarbeitung

Auch in Portugal schreitet der Ausbau der Lithiumwertschöpfung voran. Das Unternehmen Lifthium Energy erhielt eine staatliche Förderung in Höhe von 180 Millionen Euro für den Bau einer Lithiumverarbeitungsanlage im Norden des Landes. Die Investition richtet sich an die wachsende Nachfrage der Batterieindustrie für Elektrofahrzeuge, berichtet mining.com.

Portugal verfügt über Lithiumreserven von rund 60.000 Tonnen und ist derzeit der größte Lithiumproduzent Europas. Bislang wird der Rohstoff vor allem in der Keramikindustrie eingesetzt. Erst seit Kurzem verfolgt die Regierung gezielt den Aufbau einer batteriegeeigneten Lithiumproduktion.

Standort Eštareža und Expansionspläne

Die neue Anlage soll im Ort Eštareža entstehen, etwa 50 Kilometer südlich von Porto. 85 Prozent der Anteile an Lifthium gehören dem portugiesischen Mischkonzern Jose de Mello. Die restlichen Anteile hält die Tochtergesellschaft Bondalti.

Das Unternehmen strebt einen Produktionsstart bis 2030 an. Geschäftsführer Duarte Braga erklärte, dass staatliche Förderungen wichtig seien. Derzeit stünden jedoch die Suche nach einem strategischen Partner sowie die Absicherung der Markt- und Finanzierungsbedingungen im Vordergrund.

Geplant ist eine Jahresproduktion von bis zu 50.000 Tonnen Lithiumhydroxid. Damit könnten Batterien für rund zwei Millionen Elektrofahrzeuge hergestellt werden. Zum Einsatz kommen soll eine firmeneigene Technologie nach europäischen Umwelt- und Industriestandards.

Deutsches Großprojekt im Oberrheingraben

Auch Deutschland rückt stärker in den Fokus der europäischen Lithiumstrategie. Die Europäische Investitionsbank sagte im Dezember eine Finanzierung von 250 Millionen Euro für die erste Phase des Lionheart-Projekts von Vulcan Energy zu. Das Vorhaben im Oberrheingraben hat ein Gesamtvolumen von rund zwei Milliarden Euro.

Lionheart gilt als erstes Projekt in Europa, das die direkte Lithiumgewinnung mit erneuerbarer Energie kombiniert. Vulcan Energy wurde 2018 gegründet. Ursprünglich lag der Schwerpunkt des Unternehmens auf geothermischer Energieerzeugung.

Produktionsstart ab 2028 geplant

Die erste Projektphase umfasst Förderstandorte in Landau sowie eine Verarbeitungsanlage in der Nähe von Frankfurt. Vorgesehen ist eine Jahresproduktion von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid. Dies reicht rechnerisch für Batterien von etwa 500.000 Elektrofahrzeugen.

Die kommerzielle Bauphase soll rund zweieinhalb Jahre dauern. Der Produktionsbeginn ist für 2028 vorgesehen. Nach Unternehmensangaben könnte das Projekt im Jahr 2030 rund zwölf Prozent des europäischen Bedarfs an Lithiumhydroxid decken.

Globale Abhängigkeiten des Lithiummarktes

Trotz der europäischen Projekte bleibt der weltweite Lithiummarkt stark konzentriert. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur werden im Jahr 2030 China, Australien und Chile die größten Lieferanten von Lithiumrohstoffen sein.

Auf China entfallen 28 Prozent, auf Australien 26 Prozent und auf Chile 12 Prozent. Bei der Verarbeitung dominieren weiterhin asiatische und südamerikanische Akteure. China erreicht hier einen Anteil von 62 Prozent. Es folgen Chile mit 13 Prozent und Argentinien mit 11 Prozent.

Industrielle Bedeutung für Deutschland

Für Deutschland haben die neuen Lithiumprojekte in Finnland, Portugal und insbesondere im Oberrheingraben erhebliche Bedeutung. Als Kernstandort der europäischen Automobil- und Batterieindustrie ist die deutsche Wirtschaft auf stabile Lieferketten angewiesen.

Eigene Förder- und Verarbeitungsprojekte könnten langfristig die Versorgungssicherheit erhöhen. Zugleich lassen sich geopolitische Risiken und Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern reduzieren. Damit gewinnen Lithiumprojekte auch industriepolitisch für Deutschland an Gewicht.

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