Wirtschaft

Puma unter chinesischem Großaktionär: Welche europäischen Sportmarken unabhängig bleiben

Der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs bei Puma rückt die Eigentümerstrukturen europäischer Sportmarken in den Fokus. Welche Folgen hat diese Entwicklung für die Unabhängigkeit der Branche und den Standort Deutschland?
28.01.2026 15:04
Lesezeit: 3 min
Puma unter chinesischem Großaktionär: Welche europäischen Sportmarken unabhängig bleiben
Der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs bei Puma zeigt den zunehmenden Einfluss Chinas auf europäische Sportmarken (Foto: iStock.com, Alexander Shapovalov) Foto: Alexander Shapovalov

Chinesischer Großaktionär steigt bei Puma ein

Chinesische Investoren sind jüngst zum größten Anteilseigner des deutschen Sportartikelherstellers Puma aufgestiegen. Dabei handelt es sich nicht um einen isolierten Beteiligungserwerb, sondern um einen strategisch bedeutsamen Schritt in einem der zentralen Wettbewerbsfelder der europäischen Sportartikelindustrie, das seit Jahren von Adidas und Puma geprägt wird.

Der Vorgang markiert eine neue Phase in der Neuordnung von Eigentumsstrukturen im europäischen Markt für Sportbekleidung. Zugleich verdeutlicht er, dass sich Investoren aus China zunehmend auf etablierte europäische Marken mit globaler Reichweite konzentrieren.

Der europäische Markt für Sportbekleidung erreichte im Jahr 2024 ein Volumen von gut 75 Milliarden Euro. Für das Folgejahr wurde ein Anstieg auf rund 80 Milliarden Euro erwartet, bis 2034 soll der Markt laut Berechnungen des Portals GMI auf nahezu 140 Milliarden Euro wachsen. Das entspräche einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwas mehr als sechs Prozent.

Marktstruktur und Wachstumstreiber in Europa

Der Markt unterteilt sich in Segmente für Herren-, Damen- und Unisexbekleidung. Nahezu die Hälfte des Gesamtvolumens entfällt auf Produkte für Frauen, die zugleich das dynamischste Wachstumssegment darstellen. Die steigende Konsumbereitschaft weiblicher Kundinnen gilt als zentraler Treiber der Marktentwicklung.

Zu den fünf größten Unternehmen auf dem europäischen Markt zählen Adidas und Puma aus Deutschland sowie die italienischen Marken Kappa, Fila und Lotto. Zusammen erreichen sie einen Marktanteil von bis zu zehn Prozent. Der Markt bleibt damit stark fragmentiert und von intensiver Konkurrenz zwischen lokalen und internationalen Anbietern geprägt.

Neben den europäischen Kernmarken sind zahlreiche internationale Unternehmen präsent. Dazu gehören der japanische Hersteller Asics sowie US-Konzerne wie Nike, Reebok, Under Armour, New Balance, Skechers und Columbia. Ergänzt wird das Feld durch europäische Marken wie Le Coq Sportif aus Frankreich, Salomon sowie eine Vielzahl kleinerer Anbieter.

Eigentümerstrukturen in Europa und den USA im Vergleich

Zwischen europäischen und amerikanischen Sportartikelherstellern bestehen grundlegende Unterschiede in der Ausgestaltung der Eigentümerstrukturen. In den USA sichern sich Gründer und Unternehmerfamilien häufig dauerhaft die Kontrolle über ihre Unternehmen. Möglich wird dies durch unterschiedliche Aktienklassen, bei denen Stimmrechte nicht gleichmäßig verteilt sind.

Übernahmen großer US-Marken gelten zudem als politisch und gesellschaftlich sensibel. Die Skepsis gegenüber Kapital aus China setzte in den USA deutlich früher ein als in Europa. In der Europäischen Union stand lange der freie Kapitalverkehr im Vordergrund, auch wenn sich diese Haltung inzwischen spürbar verändert.

In europäischen Unternehmen gilt überwiegend das Prinzip „eine Aktie, eine Stimme“. Traditionelle Eigentümerfamilien ziehen sich zudem schneller aus dem operativen Geschäft zurück als ihre US-Pendants. Dadurch sind europäische Sportartikelhersteller strukturell offener für externe Beteiligungen. Hinzu kommt, dass Puma in den vergangenen Jahren wirtschaftlich unter Druck stand.

Amerikanische Marken verbleiben damit mehrheitlich unter nationaler Kontrolle, auch wenn Produktion und Absatz in hohem Maße in Asien stattfinden. Diese globale Arbeitsteilung gilt in ähnlicher Weise auch für europäische Unternehmen.

Beteiligungen chinesischer Investoren im europäischen Sportartikelsektor

Bei der Bewertung von Investitionen aus China geht es nicht ausschließlich um vollständige Übernahmen. Auch Mehrheitsbeteiligungen oder strategisch relevante Minderheitsanteile können erheblichen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen ausüben. Eine Beteiligung ausländischer Investoren bedeutet dabei nicht zwangsläufig einen Rückzug aus Europa.

Die industrielle Fertigung von Sportbekleidung findet ohnehin überwiegend in Asien statt. Aufgrund hoher Regulierung, Energiepreise und Lohnkosten gilt Europa seit Jahren als wenig wettbewerbsfähig für die Massenproduktion von Textilien. Der Standort Europa ist vor allem für Markenführung, Produktentwicklung und Vertrieb relevant.

Der bedeutendste Investor aus China im europäischen Sportartikelsektor ist Anta Sports. Der Konzern ist inzwischen größter Anteilseigner von Puma und hält zudem die Marke Fila sowie den deutschen Outdoorhersteller Jack Wolfskin. Darüber hinaus kontrolliert Anta Sports den Konzern Amer Sports.

Amer Sports wurde ursprünglich in Finnland gegründet und vereint Marken wie Salomon, Arcteryx, Wilson, Peak Performance, Atomic und Armada. Damit erstreckt sich der Einfluss chinesischer Eigentümer inzwischen über zentrale Segmente des europäischen Premium- und Outdoor-Markts.

Europäische Sportmarken ohne Beteiligungen aus China

Mehrere bekannte Marken verfügen weiterhin über Eigentümerstrukturen ohne Investoren aus China. Dazu zählt insbesondere Adidas, ebenso der französische Sportartikelhändler Decathlon. Auch Le Coq Sportif, Odlo, Rossignol, die norwegische Marke Helly Hansen sowie der italienische Hersteller Lotto gehören dazu.

Der slowenische Wintersportausrüster Elan befindet sich ebenfalls nicht im Eigentum chinesischer Investoren, verfolgt jedoch eine aktive Expansionsstrategie in Richtung des chinesischen Marktes. Auch Moncler ist eigentumsrechtlich unabhängig, profitiert jedoch stark von der Nachfrage chinesischer Konsumenten im Luxussegment.

Weitere Beispiele sind der deutsche Hersteller Bogner sowie die schwedische Marke J. Lindeberg, die eigentumsrechtlich mit dänischen Investoren verbunden ist. Beide Unternehmen bleiben bislang außerhalb entsprechender Beteiligungsstrukturen.

Bedeutung für deutsche Unternehmen und den Standort Deutschland

Der Einstieg chinesischer Investoren bei Puma unterstreicht die wachsende Bedeutung deutscher Marken im globalen Wettbewerb um Kapital und Marktanteile. Für den Standort Deutschland zeigt sich zugleich eine strukturelle Offenheit gegenüber ausländischen Beteiligungen in nicht sicherheitsrelevanten Branchen. Langfristig stellt sich die Frage, ob Deutschland diese Linie beibehält oder künftig stärker zwischen Kapitaloffenheit und industriepolitischer Steuerung differenziert.

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