Wirtschaft

Einkaufen per Chatbot: Walmart öffnet sein Sortiment für Google-KI Gemini

Der Einzelhandel steht vor einem technologischen Umbruch, bei dem Walmart den Google KI Assistenten Gemini als neue Schnittstelle etabliert. Wie verändern sich Marktstrukturen, wenn KI Assistenten wie Gemini Kaufentscheidungen künftig vorbereiten?
28.01.2026 06:11
Aktualisiert: 28.01.2026 08:03
Lesezeit: 3 min
Einkaufen per Chatbot: Walmart öffnet sein Sortiment für Google-KI Gemini
Walmart öffnet sein Sortiment für den Google-KI-Assistenten Gemini und treibt damit den Einsatz von KI-gestütztem Einkauf im globalen Einzelhandel voran (Foto: dpa) Foto: Michael Reynolds

Google-KI-Assistent erhält vollständigen Zugriff auf Walmart

John Furner, der in Kürze das Amt des neuen Walmart-Vorstandsvorsitzenden übernimmt, geht davon aus, dass Verbraucher schon bald nicht mehr über klassische Online-Shops oder Apps einkaufen werden. Stattdessen soll der Einkauf zunehmend über KI-gestützte Dialogsysteme erfolgen, die Suche, Auswahl und Kauf in einem Prozess bündeln.

Vor diesem Hintergrund hat Walmart dem Google-KI-Assistenten Gemini einen umfassenden Zugriff auf seine Daten eingeräumt. Ziel ist es, den gesamten Einkauf direkt über einen KI-Chatbot abzuwickeln und damit bestehende Strukturen des digitalen Handels grundlegend zu verändern.

Die Kooperation zwischen dem US-Einzelhandelsriesen und Google wurde in der vergangenen Woche auf der Konferenz „Big Show“ der National Retail Federation in New York vorgestellt. Furner trat dort gemeinsam mit Google-CEO Sundar Pichai auf und erläuterte die strategische Bedeutung der Zusammenarbeit.

Einführung zunächst in den USA geplant

Nach Angaben der beiden Unternehmen soll die neue Lösung zunächst in den USA eingeführt werden. In einem zweiten Schritt ist eine internationale Ausweitung vorgesehen, konkrete Zeitpläne wurden jedoch nicht genannt.

Finanzielle Details der Vereinbarung blieben ebenfalls offen. Klar ist bislang nur, dass der KI-Assistent zunächst Zugriff auf das vollständige Warenangebot von Walmart erhält, um Kunden den Einkauf direkt über den Dialog mit Gemini zu ermöglichen.

Furner sieht den Einzelhandel an der Schwelle einer neuen Entwicklungsphase. Klassische Suchprozesse würden zunehmend an Bedeutung verlieren und durch eine agentengesteuerte Form des Einkaufens ersetzt, bei der KI-Systeme aktiv Kaufentscheidungen vorbereiten.

Automatisierter Zugriff auf Sortiment und Preise

Nutzer von Gemini erhalten automatisch Zugriff auf die Sortimente von Walmart und Sam’s Club. Neben Preisen werden auch Informationen zu Verfügbarkeiten und Lagerbeständen eingebunden. Der Einkauf soll vollständig innerhalb der KI-Umgebung stattfinden. Kunden suchen Produkte, stellen ihren Warenkorb zusammen und schließen den Kauf ab, ohne die Dialogoberfläche zu verlassen.

Zusätzlich können Nutzer ihr persönliches Walmart-Konto mit Gemini verknüpfen. Auf dieser Basis ist das System in der Lage, frühere Einkäufe und individuelle Konsumgewohnheiten in die Beratung einzubeziehen.

Personalisierte Kaufentscheidungen durch KI

Furner erläuterte den Ansatz anhand eines konkreten Beispiels. Plant ein Kunde einen Angelausflug, analysiert Gemini Wetterdaten, Informationen zum Zielort sowie frühere Einkäufe und bereits vorhandene Artikel im Warenkorb.

Auf dieser Grundlage schlägt das System passende Ausrüstung und Lebensmittel vor, die etwa direkt in ein Hotel geliefert werden können. Ziel ist es, dem Kunden eine möglichst vollständige und kontextbezogene Einkaufslösung anzubieten, wie das Fachmedium „Retail Detail“ berichtet.

Der Kunde trifft die finale Kaufentscheidung, während die KI im Hintergrund Recherche, Auswahl und Zusammenstellung übernimmt. Damit verschiebt sich die Rolle des Verbrauchers zunehmend vom aktiven Suchen hin zum bestätigenden Entscheiden.

Künstliche Intelligenz als strategischer Kern

Furner, der am 1. Februar den Vorstandsvorsitz von Doug McMillon übernimmt, betrachtet KI als zentrales Element der künftigen Unternehmensstrategie. Nach seiner Einschätzung wird die Technologie die Regeln des Einzelhandels nachhaltig verändern.

Neue Systeme sollen die Distanz zwischen Wunsch und Besitz weiter verkürzen und den Einkaufsprozess effizienter gestalten. Kunden sollen Zeit sparen und gleichzeitig relevantere Angebote erhalten. Diese Ausrichtung setzt die Linie seines Vorgängers fort. McMillon hatte bereits erklärt, dass künstliche Intelligenz nahezu alle Funktionen des größten US-Einzelhändlers grundlegend verändern werde.

Netzwerk spezialisierter KI-Agenten

Walmart arbeitet parallel an einer Vielzahl weiterer KI-Anwendungen. Geplant ist ein Netzwerk spezialisierter Agenten für Kunden, Mitarbeiter, Händler, Lieferanten und Entwickler. In der Walmart-App unterstützt bereits der Chatbot Sparky die Verbraucher.

Intern setzen Mitarbeiter auf KI-Agenten, die über Tablets Aufgaben priorisieren und operative Abläufe unterstützen. Damit wird KI nicht nur im Kundenkontakt, sondern auch in internen Prozessen zunehmend zum zentralen Steuerungsinstrument des Konzerns.

Wettbewerb um die Vorherrschaft im KI-Handel

Auch Google sieht in der Partnerschaft ein Signal für den gesamten Markt. Nach Aussage von Sundar Pichai zeigt die Kooperation, dass KI den Einzelhandel bereits heute transformiert und kein fernes Zukunftsszenario mehr ist.

Walmart verfolgt dabei bewusst eine Mehrgleisigkeit. Bereits im Oktober hatte der Konzern eine Vereinbarung mit OpenAI geschlossen, die es Kunden erlaubt, über ChatGPT mit der Funktion „Instant Checkout“ einzukaufen. Parallel experimentieren auch andere Plattformen mit KI-gestützten Einkaufsmodellen. Dazu zählen unter anderem Etsy sowie zahlreiche Händler auf Shopify, die automatisierte Beratung und Kaufprozesse testen.

Folgen für den deutschen Einzelhandel

Die Entwicklungen in den USA dürften auch für den deutschen Markt von Bedeutung sein. Große Handelsketten und Plattformen stehen vor ähnlichen Herausforderungen bei Digitalisierung, Personalisierung und Effizienzsteigerung.

Sollten KI-Assistenten den Einkauf zunehmend in dialogbasierte Systeme verlagern, steigt auch in Deutschland der Druck, in Dateninfrastruktur und KI-Kompetenzen zu investieren. Für heimische Händler könnte eine frühzeitige Anpassung entscheidend werden, um im internationalen Wettbewerb nicht an Boden zu verlieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gemeinsame Ziele in Krisenzeiten: Deutschland und Türkei planen engere Kooperation
19.06.2026

Deutschland und die Türkei wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit massiv ausbauen und vertiefen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina...

DWN
Politik
Politik Digitalisierungs-Offensive fürs Bauen: Hubertz bläst zum Angriff auf die Baukosten
19.06.2026

Mit einem 13-Punkte-Plan will Bauministerin Verena Hubertz dem akuten Wohnungsmangel und den explodierenden Kosten trotzen. Kern des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Strafzölle im Visier: Washington leitet Verfahren wegen deutscher Arzneipreise ein
19.06.2026

Die US-Regierung droht Deutschland im Streit um Medikamentenpreise mit Zöllen. Das Büro des Handelsbeauftragten Jamieson Greer leitete...

DWN
Technologie
Technologie Dokumentenanalyse mit KI: Was Unternehmen jetzt beachten sollten
19.06.2026

KI revolutioniert die Dokumentenanalyse und stellt Unternehmen, Verwaltungen und Beschäftigte vor eine neue Arbeitsteilung. Welche Rolle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Übernahme: Ravensburger schnappt sich Steiff - Rettung oder Ausverkauf?
19.06.2026

Zwei der bekanntesten deutschen Spielzeugmarken vereinen sich: Der Spielehersteller aus Ravensburg sichert sich die Mehrheit am...

DWN
Technologie
Technologie Das finale Kapitel: Deutschlands Atommüll nach drei Jahrzehnten komplett zurück
19.06.2026

Eine Ära geht zu Ende: Die Rückführung des hochradioaktiven deutschen Atommülls aus dem Ausland ist offiziell abgeschlossen. Am...

DWN
Politik
Politik Kanzler auf Sparkurs: Merz fordert drastische Kürzungen beim EU-Budget
19.06.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz drängt beim EU-Gipfel auf ein deutliches Abspecken des künftigen Finanzrahmens ab 2028. Den aktuellen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-USA-Abkommen: Diese Aktien profitieren am meisten vom Friedensvertrag
19.06.2026

Sollte der Friedensvertrag zwischen den USA und dem Iran dauerhaft Bestand haben, werden Anleger einen Kurswechsel vornehmen und sich auf...