Immobilien

Mieten 101: Wie Sie Ihre Traumwohnung kriegen - trotz eines angespannten Immobilienmarktes

Jeder kennt Horrorgeschichten von Wohnungsbesichtigungen mit 50 Bewerbern auf ebenso vielen Quadratmetern. Wie Sie als Bewerber aus der Masse herausstechen, worauf Vermieter achten und wie selbst junge Mieter Chancen bekommen.
Autor
avtor
10.05.2026 12:20
Lesezeit: 4 min
Mieten 101: Wie Sie Ihre Traumwohnung kriegen - trotz eines angespannten Immobilienmarktes
1,4 Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland. Mit diesen konkreten Tipps zu Bewerbung, Besichtigung und Mietvertrag kommen Sie schneller ans Ziel (Foto: dpa).

So wird Wohnungssuche zu Wohnungsfund

Anfang des Jahres verzeichnete der Deutsche Mieterbund ein unglückliches Rekordhoch: Es fehlen inzwischen 1,4 Millionen Wohnungen auf dem Wohnungsmarkt.

Die Regierung kommt ihren Verpflichtungen im Wohnbau nicht nach; die jährlich geplanten – und schon länger nicht mehr erreichten – 400.000 neuen Wohnobjekte sollen nun sogar halbiert werden. Kein Wunder also, dass das Thema Wohnungssuche für viele Deutsche ein bedeutendes Stressthema ist. Ein einzelner Wohnungssuchender kann den Immobilienmarkt nicht heilen, doch es gibt Tipps und Tricks, mit denen Sie sich die Wohnungssuche erleichtern kann.

Die Suche

Für viele ist bereits die Suche nach einer Mietwohnung ein nervlicher Zerreißakt. Insbesondere in Ballungsgebieten ist die Wohnungsnot so hoch, dass gerade inserierte Objekte innerhalb von wenigen Minuten Hunderte von Bewerbungen ansammeln. Laut einer Studie von ImmoScout von 2024 sucht jeder Zweite (54,4 Prozent) mehr als ein Jahr nach einer Wohnung, unglückliche 22,7 Prozent brauchen sogar mehr als zwei Jahre, um fündig zu werden.

Es gibt keine einfachen Lösungen für dieses Problem. Nach wie vor sind gute Beziehungen zu Vermietern oder Immobilienmaklern das beste Mittel, um an eine halbwegs bezahlbare Wohnung zu kommen. Wem das fehlt, kann sich aber zumindest durch hohe Onlineaktivität und als potentiell attraktiver Bewerber einen Vorteil verschaffen. Das beginnt mit einem gepflegten Profil auf der genutzten Immobilienplattform: Indem man den Fragebogen rund um Einkommen, Beruf und sonstige Details ausfüllt, noch bevor man die erste Bewerbung schreibt, können sich Vermieter mit einem Klick ein Bild machen. Manche Vermieter überprüfen die Bewerber auch via Instagram, es ist also empfehlenswert, das Profil für den Bewerbungszeitraum positiv zu gestalten (oder privat zu stellen).

Haben Sie als Wohnungssichender ein attraktives Angebot gefunden, gilt es nun, sich zu bewerben. Die Randdaten, die für Vermieter und Vermittler wichtig sind, sind Gehalt, Absicht und Persönlichkeit der Bewerber. Man muss keine langen Texte schreiben, bei all den Zusendungen lesen die Empfänger vieles gar nicht erst. Wann will man einziehen, für wie lange, welche Voraussetzungen hat man für die Miete und kann man – subtil – zeigen, dass man ein verantwortungsvoller und unkomplizierter Mieter sein wird? Das will der Vermieter wissen. Lange Texte über die Schwierigkeiten der Wohnungssuche und welchen Hobbies man am liebsten nachgeht – interessiert weniger.

Als junger Wohnungssuchender, zum Beispiel als Student, lohnt es sich schon hier zu erwähnen, dass eine Bürgschaft von den Eltern möglich ist.

Die Besichtigung

Die zuvor genannte Studie von ImmoScout betont, dass für die meisten Vermieter der erste Eindruck zählt. Es empfiehlt sich, gut gekleidet und vorbereitet zu erscheinen. Zum Beispiel sollten Sie im Vorfeld die Mieterauskunft ausdrucken und ausfüllen. Jeder seriöse Vermieter oder Vermittler wird außerdem eine Schufa-Auskunft verlangen, es lohnt sich also, diese schon im Vorfeld anzufordern. So können Sie auch verhindern, dass Sie beim Blick auf den eigenen Schufa-Score eine böse Überraschung erleben. Auch hier ist das Thema Bürgschaft erneut relevant, falls Sie nicht mit einer positiven Schufa-Auskunft aufwarten können.

Nach der Besichtigung

Manchmal fühlt sich eine Wohnungsbesichtigung wie ein Bewerbungsgespräch an. Das klingt albern, kommt der Wahrheit jedoch nahe. Ebenso wird empfohlen, sich bald nach der Besichtigung bei der Kontaktperson zu melden. Wenn man nicht bereits im Vorfeld die Mieterauskunft ausgefüllt und alle notwendigen Dokumente – Einkommensnachweis, Schufa-Auskunft, und mehr – abgegeben hat, ist dies die Chance, das nachzuholen, und sich dabei mit ein paar Worten ins Gedächtnis zu rufen.

Unterzeichnen des Mietvertrags

Wenn man es nach der langen Suche bis zum Mietvertrag schafft, ist nochmal Vorsicht geboten. Oft werden bereits im Vorfeld Abmachungen gemacht, die nun auch schriftlich festgehalten werden müssen. Wurde zum Beispiel besprochen, dass keine Ablöse für die Küche gezahlt werden muss, so muss das auch im Vertrag schriftlich festgeschrieben werden. Sollte es, zum Zeitpunkt des Auszuges oder bereits zuvor, zu Konflikten zwischen Mieter und Vermieter kommen, kann man nur Abmachungen, die auch nachweisbar festgehalten wurden (oder sich mit gängiger Rechtssprechung decken) geltend machen.

Ebenso lohnt es sich die Miete zu checken, um sicherzustellen, dass die örtliche Vergleichsmiete eingehalten wird.

Ende des Mietverhältnisses

Als Mieter müssen Sie einen Mietvertrag bis zum 3. eines Monats schriftlich kündigen, damit die Kündigung rechtskräftig ist. In der Regel besteht eine Kündigungsfrist von drei Monaten; eine fristlose Kündigung ist in angemessenen Einzelfällen (zum Beispiel Versäumnis der Mietzahlungen oder willkürliche Beschädigung des Objekts) möglich.

Der Vermieter ist dazu verpflichtet, die im Mietvertrag vereinbarte Kaution zurückzuerstatten, jedoch gibt es keinen Zeitraum, innerhalb dessen das stattfinden muss. Kündigt der Vermieter seinerseits den Vertrag, um Eigenbedarf anzumelden, so müssen zwischen Abschluss des Mietvertrags und Kündigung mindestens drei Jahre liegen, sonst ist die Kündigung unzulässig.

Vorsicht vor Betrug

Betrüger machen sich Notsituationen wie den angespannten Wohnungsmarkt zunutze, um verzweifelte Suchende über den Tisch zu ziehen. Es wird empfohlen, nur Inserate über glaubwürdige Portale anzuschreiben. Sollte der Vermieter oder die Vermittlungsperson schon im Vorfeld Geld verlangen (zum Beispiel eine Schlüsselmiete, um das Objekt zu besichtigen), oder sind sie sogar überraschend kulant mit allem, was man anfragt, sollten die Alarmglocken schellen. Abstandszahlungen, die dazu dienen, den Vormieter "abzulösen" oder zu garantieren, dass man unter den Bewerbern auswählt wird, sind grundsätzlich illegal.

Auch Ablösen, zum Beispiel von Möbeln und Küche, sind nicht unbegrenzt durchsetzbar. So empfiehlt der Mieterbund einen Richtwert (Zeitwert + 50 Prozent), um den Ablösewert zu bestimmen. Sie warnen: Die Ablöse darf nicht in einem "auffälligen Missverhältnis" stehen, sonst ist das ein Zeichen für Betrug.

Ein betrügerisches Inserat erkennt man an einigen Faktoren, beginnend mit den Fotos vom Objekt: Gibt es mehrere Bilder aus verschiedenen Perspektiven, passt das, was man auf den Fotos sieht, mit der Beschreibung zusammen? Stimmt der Mietpreis mit der ungefähren örtlichen Vergleichsmiete überein? Gibt es eine logische Schere zwischen Fotos und Objekt – zum Beispiel teure Designermöbel in einer günstigen 1-Zimmer-Wohnung?

Traurig aber wahr: Sieht ein Inserat zu gut aus, um wahr zu sein, dann ist es das auch.

Wohnungsnot als Gesellschaftsproblem

Melanie Weber-Moritz, die Bundesdirektorin des Deutschen Mieterbundes, empfiehlt, sich nicht nur auf Portale online zu verlassen, sondern auch den Bekannten-, Freundes- und Kollegenkreis über die Wohnungssuche zu informieren. Oft ist Bekanntschaft, insbesondere in Großstädten, die beste Möglichkeit, um an eine Wohnung zu kommen. Viele Wohnungen werden nicht inseriert sondern sozusagen "intern vergeben".

Bei der Wohnungsnot handelt es sich um ein politisches und ökonomisches Problem, auf das der Einzelne nur schwer einwirken kann. Im besten Fall wählt man auf lokaler und nationaler Ebene für Repräsentanten, die sich den Wohnungsmarkt zur Aufgabe gemacht haben. Ansonsten können Sie sich nur von Ihrer besten Seite zeigen, und so auf persönlicher Ebene überzeugen.

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Nataly Sesic

Nataly Sesic ist seit 2023 als freie Autorin im Bereich Immobilien bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war sie als Producerin bei Galileo beschäftigt und hat frei für internationale Marken wie Apple Music und The Walt Disney Company gearbeitet. Neben Immobilien ist ihr Steckenpferd Musik – der Spagat zwischen Kunst und Politik macht ihr dabei besonders Spaß. Sie ist studierte Literaturwissenschaftlerin und macht aktuell ihren Master in Buchwissenschaft.
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