Panorama

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Was aktuell gilt

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist gesetzlich geregelt, sorgt aber immer wieder für Unsicherheit. Besonders kompliziert wird es, wenn Beschäftigte mehrfach oder unterschiedlich erkranken. Wann greift der Anspruch – und wann endet er?
14.04.2026 07:22
Lesezeit: 1 min
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Was aktuell gilt
Mehrfach krankgeschrieben? Diese Regeln zur Lohnfortzahlung sollten Arbeitnehmer kennen. (Foto: dpa)

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - aktuelle Rechtslage im Überblick

Wie lange bekommen Arbeitnehmer im Krankheitsfall weiterhin Lohn? Dieses Thema wird politisch regelmäßig diskutiert. Welche Regeln derzeit gelten und was bei mehrfachen Erkrankungen zu beachten ist. Ein kompakter Überblick.

Wer arbeitsunfähig erkrankt und seiner Tätigkeit nicht nachgehen kann, muss nach geltender Gesetzeslage zunächst keine finanziellen Nachteile befürchten: Fällt ein Arbeitnehmer krankheitsbedingt aus, übernimmt der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung bis zu sechs Wochen. Voraussetzung dafür ist, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht selbst verursacht wurde. Zudem muss das Beschäftigungsverhältnis mindestens vier Wochen ohne Unterbrechung bestanden haben. Wer vorher krank wird, hat meist noch keinen Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber.

Kommt es später erneut zur gleichen Erkrankung, kann ein weiterer Anspruch auf sechs Wochen bestehen. Dies gilt, wenn zwischen den Krankheitsphasen mindestens sechs Monate ohne diese Erkrankung lagen oder seit Beginn der ersten Erkrankung zwölf Monate vergangen sind, so die Regelung im Entgeltfortzahlungsgesetz.

Was gilt, wenn ich erneut (anders) krank werde?

Folgen zwei Krankschreibungen direkt aufeinander oder liegen nur wenige Stunden dazwischen, entsteht nicht automatisch ein neuer Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Tritt während einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit eine zusätzliche Erkrankung auf, die unmittelbar anschließt, beginnt die Sechs-Wochen-Frist nicht erneut.

Ein neuer Anspruch entsteht nur dann, wenn die erste krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit bereits beendet war, bevor die weitere Erkrankung einsetzte – etwa wenn der Arbeitnehmer zwischenzeitlich gearbeitet hat oder zumindest wieder arbeitsfähig war, selbst wenn dies nur für wenige Stunden außerhalb der regulären Arbeitszeit galt.

Schließen sich die attestierten Arbeitsunfähigkeiten hingegen direkt an oder liegt dazwischen lediglich ein freier Tag oder ein Wochenende, spricht dies für einen einheitlichen Krankheitsfall. In solchen Fällen müssen Arbeitnehmer darlegen und nachweisen, dass tatsächlich eine neue, eigenständige Erkrankung vorliegt.

Klare Regeln, aber viele Details entscheidend

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bietet Arbeitnehmern eine wichtige finanzielle Absicherung, ist jedoch an klare Bedingungen geknüpft. Besonders bei wiederholten oder unterschiedlichen Erkrankungen kommt es auf Details an, etwa zeitliche Abstände und tatsächliche Arbeitsfähigkeit zwischen den Krankheitsphasen. Entscheidend ist, ob es sich um eine neue oder fortlaufende Erkrankung handelt. Wer hier den Überblick behält, kann seine Ansprüche besser einschätzen und mögliche Konflikte mit dem Arbeitgeber vermeiden. Insgesamt zeigt sich: Die gesetzlichen Regelungen sind eindeutig, ihre Anwendung im Einzelfall jedoch oft komplex und erfordert genaue Prüfung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudetyp E: Weniger Extras sollen den Wohnungsbau günstiger machen
31.10.2026

Weniger Steckdosen, dünnere Decken und niedrigere Baukosten: Der Gebäudetyp E soll den Wohnungsbau in Deutschland erleichtern. Ein neuer...

DWN
Panorama
Panorama Volvo ebenso verdächtig wie BYD: Polnisches Militär verhängt Verbot für Friedhofsparkplätze
31.10.2026

Das Militär führt Einschränkungen für Autofahrer ein, die rund um Allerheiligen den Parkplatz am Osobowicki-Friedhof in Breslau nutzen...