Mehrheit bewertet USA als Risiko für den Weltfrieden
Der Blick vieler Menschen in Deutschland auf die Vereinigten Staaten hat sich seit 2024 deutlich gewandelt – und zwar zum Schlechteren. Das belegen die Resultate einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung.
Auf die Frage, von welchen Ländern in den kommenden Jahren wohl die größte Gefahr für den Weltfrieden ausgehe, nannten im Januar fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) die USA. Zum Vergleich: Als die Meinungsforscher dieselbe Frage ein Jahr zuvor stellten, waren es 46 Prozent. 2024 sah lediglich knapp ein Viertel der Bevölkerung (24 Prozent) eine Bedrohung für den Frieden durch die USA. Dass die USA militärische Unterstützung leisten würden, falls ein europäischer Nato-Staat angegriffen würde, glaubt laut Umfrage nur knapp ein Drittel (32 Prozent) der Menschen in Deutschland. 35 Prozent glauben das nicht. 33 Prozent sind bei dieser Frage unentschieden.
Russland weiterhin vor USA und China
Die größte Gefahr für den Frieden in der Welt geht nach Einschätzung der Menschen in Deutschland weiterhin von Russland aus. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 zählen bei der jährlich durchgeführten Umfrage zwischen 75 Prozent und 82 Prozent der Teilnehmer Russland zu den Ländern, von denen "in den nächsten Jahre die größte Gefahr, die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt" ausgeht.
Aktuell liegt der Wert den Angaben zufolge bei 81 Prozent. China halten demnach derzeit 46 Prozent der Menschen hierzulande für einen Staat, der den Weltfrieden gefährdet. Für den Sicherheitsreport 2026 waren zwischen dem 6. und 19. Januar bundesweit 1.077 Menschen im Alter ab 16 Jahren befragt worden.
Kriegsgefahr für Deutschland? Einige denken über Flucht nach
Die Meinungsforscher wollten von ihnen außerdem wissen, für wie wahrscheinlich sie es halten, dass Deutschland selbst in den kommenden Jahren in einen Krieg verwickelt wird. Für sehr wahrscheinlich halten dies zwar lediglich drei Prozent der Bevölkerung. Immerhin 28 Prozent denken allerdings, dass dies "eher wahrscheinlich" ist. 24 Prozent der Befragten äußerten sich unentschieden. Dass ein solches Szenario eher unwahrscheinlich ist, glauben 40 Prozent der Menschen in Deutschland; fünf Prozent halten es sogar für sehr unwahrscheinlich.
Mehr als jeder Zehnte hat den Angaben zufolge bereits darüber nachgedacht, in einem solchen Fall das Land zu verlassen. Um herauszufinden, wie groß der Anteil der Bevölkerung ist, der im Falle einer deutschen Kriegsbeteiligung flüchten würde, hat das Institut folgende Frage gestellt: "Neulich sagte jemand: "Wenn Deutschland in einen Krieg verwickelt wird, würde ich Deutschland verlassen." Wie ist das bei Ihnen: Würden Sie in einem solchen Fall auch darüber nachdenken, Deutschland zu verlassen, oder käme das für Sie nicht infrage?"
Etwa jeder Zweite würde sicher bleiben
Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) antworteten demnach, für sie käme es nicht infrage, Deutschland zu verlassen. Rund jeder Vierte (24 Prozent) gab an, in einem solchen Fall über eine Flucht nachzudenken. 14 Prozent der Bevölkerung hat laut Umfrage bereits darüber nachgedacht, in einem solchen Fall Deutschland zu verlassen. 13 Prozent der Befragten äußerten sich zu dieser Frage unentschieden.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen auch, dass sich derzeit nicht mehr so viele Menschen durch Terroranschläge bedroht fühlen wie noch vor Jahresfrist. Waren es vor Jahresfrist noch 42 Prozent, so fühlen sich aktuell noch rund 33 Prozent durch Terroranschläge persönlich bedroht.
Mehr Gewicht auf innere Sicherheit?
Dass Fragen der inneren Sicherheit insgesamt für die aktuelle Regierung einen größeren Stellenwert haben als für die Vorgängerregierung aus SPD, Grünen und FDP, glauben 36 Prozent der Menschen in Deutschland. 44 Prozent sehen hier keinen Unterschied. Neun Prozent meinen, dass dieses vor allem von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) besetzte Politikfeld für die schwarz-rote Bundesregierung eine weniger große Bedeutung hat als für die Ampel-Regierung. Elf Prozent der Befragten äußerten sich hierzu unentschieden. Die Grünen hatten Dobrindt zuletzt vorgeworfen, er beschäftige sich zu wenig mit innerer Sicherheit und sei zu stark auf Migrationsfragen fokussiert.
Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen eine tiefgreifende Verschiebung im sicherheitspolitischen Denken der deutschen Bevölkerung. Vertrauen in internationale Partner nimmt ab, während klassische Bedrohungen weiterhin präsent bleiben. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einer direkten Verwicklung Deutschlands in militärische Konflikte. Diese Mischung aus Skepsis, Angst und Unsicherheit stellt Politik und Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Künftige Entscheidungen werden sich stärker an Sicherheitsfragen messen lassen müssen – sowohl außen- als auch innenpolitisch. Wie glaubwürdig Schutzversprechen sind und wie Sicherheit vermittelt wird, dürfte entscheidend dafür sein, ob Vertrauen zurückgewonnen oder weiter verspielt wird.


