Unternehmensporträt

Uvex: Wie der Skibrillen-Hersteller von den Olympischen Winterspielen profitiert

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 ist Uvex auf den Pisten und im Eiskanal allgegenwärtig. Athleten wie Skispringer und Goldmedaillengewinner Philipp Raimund tragen Produkte des Fürther Herstellers. Den Großteil seines Umsatzes erzielt Uvex jedoch im Arbeitsschutz. Und mit Warburg Pincus strebt das Unternehmen weiteres internationales Wachstum an.
13.02.2026 16:45
Lesezeit: 8 min

Uvex bei Olympia 2026: 270 Athleten tragen Fürther Marke

Seit dem 6. Februar laufen die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina. Auf den Helmen und Brillen vieler Spitzenathleten, etwa der deutschen Rennrodlerin und frischgebackenen Goldmedaillengewinnerin Julia Taubitz, liest man stets denselben Namen: Uvex. Neben Taubitz gehören weitere Athletinnen und Athleten aus dem deutschen Team zu den Gesichtern der Marke, darunter Skispringer Philipp Raimund und Skirennläufer Linus Straßer. Insgesamt stattet der im mittelfränkischen Fürth ansässige Konzern bei den diesjährigen Winterspielen rund 270 Athletinnen und Athleten aus.

Die breite Präsenz auf der olympischen Bühne fällt für Uvex in ein besonderes Jahr, denn 2026 feiert die Gruppe ihr 100-jähriges Bestehen, und die Winterspiele in Mailand und Cortina bilden den sportlichen Rahmen für dieses Jubiläum. „Olympia ist ein Fixpunkt im Sportkalender”, so eine Sprecherin gegenüber den Nürnberger Nachrichten (NN). Zu möglichen Umsatzimpulsen durch die mediale Präsenz äußerte sie sich nicht. Parallel zu den Spielen startete Uvex jedoch eine Kampagne mit einer Kollektion im Olympia-Design. Das Ziel sei es, die internationale Sichtbarkeit weiter auszubauen. „Auch der Handel soll durch die Euphorie profitieren.“

Uvex: Von Garmisch 1936 bis Mailand 2026

Uvex wurde 1926 von Philipp M. Winter als Einmannbetrieb unter dem Namen „Optische-Industrie-Anstalt Philipp M. Winter“ im Fürther Stadtteil Poppenreuth gegründet. Zunächst handelte der Betrieb mit Schutzbrillen aller Art. Doch schon 1936 rüstete Winter bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen Athleten des deutschen Teams mit Skibrillen aus. Es war einer der ersten größeren Einsätze der Produkte im Spitzensport.

Mit dem Eintritt von Rainer Winter, dem Sohn des Gründers, in die Geschäftsführung im Jahr 1956 erhielt das Unternehmen neue Impulse. Nach einem Aufenthalt in den USA entwickelte er 1959 die Marke „uvex“. Der Name steht für „Ultraviolet Exclusion“, also den Ausschluss von UV-Strahlung. Ende der 1960er-Jahre begann die systematische Internationalisierung von Uvex. Zu diesem Zweck eröffnete das Unternehmen 1969 ein Werk im bayerischen Lederdorn, in dem zunächst Taucher- und Skibrillen und später auch Skihelme produziert wurden. Parallel dazu wurde das Sortiment unter anderem durch die Übernahme der Sonnenbrillenmarke Filtral erweitert.

Rainer Winter habe früh verstanden, dass ein Konsumprodukt eine starke, eigenständige Marke brauche. „Einfach in das väterliche Unternehmen einzusteigen ohne eigene Akzente setzen zu können, war für unseren Vater unvorstellbar“, erinnerte sich Michael Winter später. Der USA-Aufenthalt habe den Grundstein für die konsequente Markenführung gelegt, die das Unternehmen bis heute prägt. Nach dem Tod seines Vaters im Januar 2025 würdigte Michael Winter ihn als „herausragende Persönlichkeit“, die mit Unternehmergeist, Teamorientierung und klarer Vision das Fundament für das heutige internationale Geschäft gelegt habe.

Auf dieser Grundlage begann in den folgenden Jahrzehnten die Phase der Internationalisierung und sportlichen Profilierung.

Wintersport fürs Image, Arbeitsschutz fürs Volumen

Die 1970er-Jahre waren geprägt von der Zusammenarbeit mit zahlreichen Spitzensportlern sowie einer Phase von Diversifizierung und Globalisierung. Athleten wie der österreichische Abfahrts-Olympiasieger Franz Klammer, der Schweizer Skirennläufer Bernhard Russi oder der schwedische Slalom-Spezialist Ingemar Stenmark standen für die neue globale Sichtbarkeit der Marke im alpinen Skisport. Später folgte mit dem Formel-1-Fahrer Michael Schumacher auch ein prominenter Vertreter aus dem Motorsport.

Der Wintersport wurde damit zum Aushängeschild der Marke, während Rainer Winter mit Schutzausrüstung für Industrie und Handwerk ein zweites Standbein aufbaute. Heute ist die Uvex Winter Holding GmbH & Co. KG die Konzernobergesellschaft einer Unternehmensgruppe, die in 23 Ländern vertreten ist und im Geschäftsjahr 2023/24 einen Umsatz von 666 Millionen Euro erwirtschaftete.

Weltweit beschäftigt die Gruppe rund 3.000 Mitarbeitende, gut 60 Prozent davon in Deutschland. Rund 80 Prozent des Umsatzes werden inzwischen mit Schutzaustrüstung für Industrie, Bau, Handwerk und Gesundheitswesen erwirtschaftet. Die Präsenz im Spitzensport erfüllt aus Sicht des Unternehmens mehrere Funktionen. Wintersport sei wichtig „für die Bekanntheit, das Image und den Technologietransfer zwischen Spitzensport und Arbeitsschutz“, so eine Uvex-Sprecherin in den NN.

Für die Winterspiele 2026 liefert die uvex Sports Group unter anderem Helme in Sonderlackierung für deutsche Athleten, etwa goldene Carbon-Spezialhelme. Sie werden an den Standorten in Fürth und im bayerischen Lederdorn im Airbrush-Verfahren von Hand lackiert.

Private Equity fürs Wachstum: Warburg Pincus übernimmt

Nach fast 100 Jahren in Familienhand verkauften die Eigentümerfamilien Winter und Grau im Juli 2025 die Mehrheit ihrer Firmenanteile an die US-amerikanische Private-Equity-Gesellschaft Warburg Pincus. Rund 70 Prozent der Anteile sollen übertragen worden sein, während die Familien eine „signifikante Minderheitsbeteiligung“ behalten haben. Laut Medienberichten soll Warburg Pincus den Deal mit rund 800 Millionen Euro bewertet haben.

Nach eigenen Angaben verwaltet Warburg Pincus mehr als 87 Milliarden US-Dollar und hält weltweit Beteiligungen an über 220 Unternehmen. „Unser Ziel ist es, Uvex zum globalen Marktführer für Schutzausrüstung zu entwickeln und die Premium-Produkte mehr Menschen weltweit zugänglich zu machen”, erklärte Tobias Weidner, Managing Director bei Warburg Pincus.

Michael Winter, Urenkel des Firmengründers, begründete den Schritt mit dem Anspruch, zu expandieren. „100 Jahre Markenversprechen ‚protecting people‘ verpflichten“, sagte Winter den NN. Dafür wolle man „die nächste Phase der Unternehmensentwicklung mit einem starken Wachstumspartner gestalten“, um die internationale Expansion voranzutreiben und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung sprach in derselben Zeitung von einem „einschneidenden Schritt“, verwies aber zugleich auf zusätzliche Wertschöpfungspotenziale. Der Fürther Wirtschaftsreferent Horst Müller bedauerte, dass Fürth „nun ein Familienunternehmen weniger hat“, sieht kurzfristig jedoch keine negativen Auswirkungen auf den Standort oder die Beschäftigung. Nach Unternehmensangaben soll es keinen grundlegenden Strategiewechsel geben; vielmehr solle die Partnerschaft Wachstum und ‚Resilienz‘ stärken.

Der Blick nach Asien – von Fürth aus

Mit dem Einstieg von Warburg Pincus änderte sich nicht nur die Eigentümerstruktur, sondern auch die Führungsebene. Seit dem Geschäftsjahr 2025/2026 verantworten Stefan Brück als CEO und Georg Höfler als CFO die Geschicke der Holding. Michael Winter wechselte in den Beirat. Nach Angaben des Unternehmens werde es „keinen grundlegenden Strategiewechsel“ geben, die Mehrheitsbeteiligung habe keine direkten Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb, berichten die Nürnberger Nachrichten unter Berufung auf eine Sprecherin. Vielmehr solle die Partnerschaft zusätzliche Wachstumsoptionen eröffnen.

Der Nürnberger Marketingprofessor Florian Riedmüller sieht in dem Einstieg des US-Investors vor allem strukturelle Chancen. Warburg Pincus verfüge über ein internationales Portfolio, darunter technologieorientierte Unternehmen sowie Hersteller mit einem Schwerpunkt auf asiatische Märkte. Das könne neue Vertriebskanäle eröffnen. Zugleich betont Uvex die Bedeutung des Standorts in Mittelfranken. Fürth bleibe Zentrale und strategischer Ankerpunkt. Erst 2024 wurde in Rednitzhembach ein neues Logistik- und Servicezentrum eröffnet, das die Lieferfähigkeit und Servicequalität stärken soll.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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