Ifo-Index steigt weiter: Hoffnung auf Aufschwung trotz Trumps Zöllen
Der Ifo-Index sorgt für bessere Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen als zuvor erwartet und nährt die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. Im Februar legte der Ifo-Index, das zentrale deutsche Konjunkturbarometer, deutlicher zu als prognostiziert und sendet damit ein weiteres Signal für leichtes Wachstum nach Jahren der Krise. Doch Donald Trump bleibt ein Unsicherheitsfaktor: Die Zollpolitik des US-Präsidenten verunsichert erneut, nachdem er nach seiner Niederlage vor dem obersten Gerichtshof umgehend neue Zölle angekündigt hatte.
Im Februar erhöhte sich der Ifo-Geschäftsklimaindex um 1,0 Punkte auf 88,6 Zähler. Die Firmen bewerteten ihre laufenden Geschäfte positiver, zugleich verbesserten sich die Erwartungen, teilte das Ifo-Institut mit. "Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Signale einer Belebung", sagte Präsident Clemens Fuest zu den Ergebnissen der jüngsten Ifo-Umfrage unter 9.000 Unternehmen. Laut Ifo-Geschäftsklima zog das Geschäftsklima in der Industrie, im Dienstleistungssektor und am Bau an. Lediglich der Einzelhandel verzeichnete einen leichten Rückgang.
"Ifo-Index signalisiert Ende des Konjunkturtals"
"Die Zahlen untermauern die Trendwende in der Industrie", meint Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zwar dürften Trumps jüngste Zolleskapaden die Unternehmen weiterhin belasten. Dennoch wiesen die Frühindikatoren nach oben, schrieb er mit Blick auf die zuletzt gestiegenen Industrieaufträge und den stabileren Ifo-Index. Die deutsche Wirtschaft, die 2025 lediglich ein Mini-Wachstum erzielte und in den beiden Jahren zuvor geschrumpft war, dürfte nach Einschätzung der Bundesregierung 2026 um ein Prozent wachsen. Auch die Bundesbank erwartet für das erste Quartal eine moderate Belebung.
"Deutschland klettert aus dem Konjunkturtal" schrieb Christoph Swonke, Konjunkturanalyst bei der DZ Bank. Mit den milderen Temperaturen komme auch die Wirtschaft in Schwung - "zumindest in Mini-Schritten". Der Aufwärtstrend sei vor allem auf die Fiskalpakete für Infrastruktur und Verteidigung zurückzuführen. "Trotzdem bleibt die weltweite Lage äußerst fragil." Robin Winkler, Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, erkennt ebenfalls mehr Zuversicht als vielfach angenommen. "Wir sehen immer deutlichere Anzeichen, dass die Konjunktur ordentlich Schwung aufnimmt."
Exportrekord in der Elektroindustrie stützt Ifo-Index
Rückenwind kommt aus der deutschen Elektro- und Digitalindustrie, die 2025 ihre Ausfuhren auf den Rekordwert von fast 258 Milliarden Euro steigerte - ungeachtet des Zollkonflikts mit den USA. Nach Angaben des Branchenverbands ZVEI trugen ein starkes Europageschäft und sprunghaft gestiegene Exporte im Dezember dazu bei.
Auch der Maschinenbauverband VDMA meldete höhere Exporte zum Jahresende 2025. In der Gesamtbilanz gingen die weltweiten Ausfuhren von Maschinen und Anlagen jedoch um 1,8 Prozent im Vergleich zu 2024 zurück, das US-Geschäft sank infolge der Zölle um acht Prozent.
Nächstes Kapitel im Zollstreit mit Trump belastet Ifo-Geschäftsklima
Der Handelskonflikt tritt bereits in eine weitere Phase ein: Nach seiner Niederlage vor dem obersten Gerichtshof kündigte Trump am Wochenende neue weltweite Zölle zunächst von zehn und anschließend 15 Prozent auf Importe in die USA an. Der Supreme Court hatte Trump untersagt, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus den 1970er Jahren Zölle auf Warenimporte aus zahlreichen Ländern zu verhängen. Offen bleibt, ob Unternehmen zu viel entrichtete Milliardenbeträge erstattet bekommen.
Die US-Zollbehörde setzte nach der Gerichtsentscheidung die Erhebung bestimmter Abgaben teilweise aus. Zölle auf Basis von Notstandsbefugnissen würden ab Dienstag nicht mehr kassiert. Andere Importzölle bleiben bestehen, etwa aus Gründen der nationalen Sicherheit oder wegen unlauterer Handelspraktiken.
Kippt der Zolldeal mit Washington und was bedeutet das für den Ifo-Index?
Zudem bestehen Zweifel, ob der im vergangenen Sommer vereinbarte Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington tatsächlich umgesetzt wird. Vereinbart wurde damals, dass für die meisten EU-Importe in die USA ein Höchstzoll von 15 Prozent gelten soll. Das Abkommen bedarf noch der Zustimmung des EU-Parlaments. Der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange, verlangte vor einer Sondersitzung des Verhandlungsteams im EU-Parlament am Montag, den Deal auszusetzen.
"Rüstungsaufträge machen noch keinen Aufschwung."
Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank, betonte, die Zollkapriolen der USA sollten nicht überschätzt werden. "Für die Unternehmen ist jetzt Planungssicherheit wichtiger, als ob es mit den Zöllen noch einmal etwas herauf oder herunter geht."
Viele Fachleute sehen die größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft weiterhin im Inland. Das Ifo-Geschäftsklima und der Ifo-Index zeigten anders als in der ersten Hälfte 2025 noch keinen klaren Aufwärtstrend, schrieb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Das Ausbleiben der notwendigen breiten Wirtschaftsreformen belastet die Stimmung. Rüstungsaufträge allein machen noch keinen Aufschwung."
Ifo-Index zwischen Hoffnung und Risiko
Der aktuelle Anstieg beim Ifo-Index nährt die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Stabilisierung nach schwierigen Jahren. Sowohl das Ifo-Geschäftsklima als auch der Ifo-Geschäftsklimaindex deuten auf eine vorsichtige Belebung in Industrie, Dienstleistungen und Bau hin. Gleichzeitig zeigen die Exportzahlen, dass zentrale Branchen widerstandsfähig bleiben. Doch die internationale Handelspolitik, insbesondere neue US-Zölle von bis zu 15 Prozent, sorgt weiterhin für Unsicherheit. Entscheidend wird sein, ob politische Reformen und stabile Rahmenbedingungen die positive Entwicklung des Ifo-Index nachhaltig stützen können. Erst dann dürfte aus ersten Mini-Schritten ein echter Aufschwung werden.


