Politik

CO2-Ziel 2030 wackelt: Wie es um den Klimaschutz in Deutschland steht

Die Klimabilanz zeigt: Deutschland hat noch viel zu tun. Die größten Sorgenkinder bleiben der Verkehrs- und der Gebäudesektor. Umweltminister Carsten Schneider stellt dazu Ende März das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung vor.
16.03.2026 14:42
Aktualisiert: 16.03.2026 14:52
Lesezeit: 3 min

Wie es um den Klimaschutz in Deutschland steht

Deutschland kommt beim Klimaschutz kaum voran. Im vergangenen Jahr stagnierte der Rückgang klimaschädlicher Emissionen, obwohl die Industrie aufgrund der schwachen Konjunktur weniger Treibhausgase ausstieß. Die größten Sorgenkinder bleiben der Verkehrs- und der Gebäudesektor. Das Klimaziel für 2025 wurde knapp erreicht. Um Ziele bis 2030 zu erreichen, muss die Bundesregierung aber noch eine Lücke schließen. "Wir brauchen einen Push", sagte Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts (UBA).

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte, die Fortschritte seien insgesamt zu klein. Mit Spannung wird nun ein Klimaschutzprogramm der Bundesregierung erwartet, das Schneider am 25. März vorlegen will.

Umweltverbände forderten wirksame Maßnahmen. Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak sagte: "Deutschland verliert beim Klimaschutz an Tempo - und die schwarz-rote Bundesregierung verlängert munter unsere Abhängigkeit von fossilen Energien."

Emissionen gehen nur ganz leicht zurück

Im vergangenen Jahr sank der Ausstoß an Treibhausgasen nach den UBA-Daten gegenüber 2024 um 0,1 Prozent. Die gesamten Emissionen lagen bei 648,9 Millionen Tonnen sogenannter CO2-Äquivalente. Damit wurde die nach dem Klimaschutzgesetz zulässige Gesamtmenge um rund 12,8 Millionen Tonnen unterschritten. Seit 1990 habe Deutschland damit seine Treibhausgasemissionen um 48 Prozent reduziert.

In den einzelnen Sektoren ergibt sich ein gemischtes Bild:

  • In der Industrie sanken die Emissionen 2025 um 3,8 Prozent auf rund 144 Millionen Tonnen. Das hat aber vor allem mit der schwachen Konjunktur und Produktionsrückgängen in energieintensiven Branchen zu tun. Messner sagte, das sei nicht das, was man wolle - es gehe darum, Klimaschutz mit wirtschaftlicher Stärke zu verbinden. Die Frage ist, wie sich die Klima-Daten bei mehr Wirtschaftswachstum entwickeln.
  • Im Energiesektor sanken die Emissionen nur leicht um 0,3 Prozent auf rund 189,1 Millionen Tonnen. Messner nannte den Energiesektor den "Motor" für mehr Klimaschutz - mit dem Ausbau erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne und dem schrittweisen Ausstieg aus der Kohle. 2025 sei aber wegen eines windarmen ersten Halbjahres weniger Windstrom produziert worden als im Vorjahr.
  • Eines der größten Sorgenkinder bleibt der Verkehrssektor. Die Emissionen stiegen um 1,5 Prozent auf rund 146 Millionen Tonnen. Zwar wurden mehr Elektroautos neu zugelassen. Der weitaus größte Anteil der Autos entfällt aber nach wie vor auf Benziner und Diesel. Außerdem nahm das Verkehrsaufkommen zu.
  • Wie im Verkehrssektor wurden auch im Gebäudesektor im vergangenen Jahr die Klimaziele verfehlt. Im Gebäudesektor stiegen die Emissionen um 3,4 Prozent auf 103,4 Millionen Tonnen. Das UBA begründete dies vor allem mit der kühleren Witterung in der Heizperiode. Das Tempo beim Umstieg auf klimafreundliche Energien sei noch zu niedrig - obwohl mehr Wärmepumpen verkauft wurden.

Schneider nannte Wärmepumpen einen "Hoffnungsträger"- neben Elektroautos, deren Kauf die Koalition fördern will, die erneuerbaren Energien und den Wald. Der Wald habe 2025 mehr CO2 aufgenommen als er ausstoße.

Ziel 2030 wackelt

Das gesetzliche Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, bleibt laut Umweltbundesamt erreichbar. Es gibt aber eine Lücke. Die aktuellen Projektionsdaten weisen einen Emissionsrückgang bis 2030 um 62,6 Prozent aus. Und: Die Prognose bildet die klimapolitischen Beschlüsse mit Stand November 2025 ab.

Noch nicht enthalten sind Reformpläne der Koalition. So soll es auf EU-Ebene Änderungen am zuvor geplanten Aus für neu zugelassene Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 geben. Einen Kurswechsel soll es auch in der Energiepolitik geben. Union und SPD wollen das von der früheren Ampel-Regierung und maßgeblich vom früheren Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorangetriebene Gebäudeenergiegesetz grundlegend reformieren. Zentrale Vorgaben des "Heizungsgesetzes" sollen gekippt werden.

Droht "Klimalücke" durch Reform?

Eckpunkte für eine Reform sehen vor, dass der Einbau von Gas- und Ölheizungen weiter möglich sein soll, wenn ab 2029 anteilig klimafreundliche Brennstoffe wie Biomethan genutzt werden. Bisher hat die Koalition aber nur vereinbart, dass der Anteil klimafreundlicher Brennstoffe ab Januar 2029 bei mindestens 10 Prozent liegen soll - weitere Schritte sind noch nicht festgelegt.

Umweltverbände warnen vor Rückschritten beim Klimaschutz durch die Heiz-Reform. In einer Studie des Öko-Instituts hieß es, die geplanten Änderungen führten zu deutlich höheren Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor.

Iran-Krieg und seine Folgen

Schneider betonte die Bedeutung der Energiewende. Mit Blick auf den Iran-Krieg und steigende Öl- und Gaspreise sagte er in einem dpa-Videointerview: "Wir müssen weg von Öl und Gas. Es ist klimaschädlich, es ist langfristig auch teurer, und deswegen ist der Ausbau der Erneuerbaren zentral für diese Regierung." Sie machten unabhängiger von Gas- und Ölimporten.

Puffer fast weg

"Der Klimaschutz in Deutschland verliert an Tempo", kommentierte die Denkfabrik Agora Energiewende die Klimabilanz, die nun von einem Expertenrat für Klimafragen, einem unabhängigen Wissenschaftler-Gremium, überprüft wird. Es seien dringend zusätzliche, ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen notwendig. Der Puffer, den Deutschland für die Klimaziele angelegt habe, sei fast gänzlich zusammengeschmolzen - von 81 Millionen Tonnen auf nur noch knapp 3,8 Millionen Tonnen. Außerdem müsse sich Deutschland auf höhere, milliardenteure Ausgleichszahlungen für verfehlte EU-Klimaziele einstellen, denn die Lücke bei europäischen Klimazielen wachse laut dem neuen Projektionsbericht.

Banaszak sagte, die Bundesregierung lege eine energiepolitische Rückwärtsrolle hin. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, sagte, die Bundesregierung müsse effektive Klimaschutzmaßnahmen wie ein Tempolimit beschließen, um die Emissionen im Verkehrssektor sofort zu reduzieren.

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