Finanzen

Anlagestrategie: Warum Ihr Geld auf dem Konto langsam verschwindet

Geld auf dem Konto vermittelt Sicherheit, kostet aber langfristig Vermögen. Eine Investorin zeigt, warum genau dieses Denken der größte Fehler ist und wie konsequentes Investieren zur entscheidenden Strategie wird.
01.07.2026 12:13
Lesezeit: 3 min
Anlagestrategie: Warum Ihr Geld auf dem Konto langsam verschwindet
Private Altersvorsorge erfordert konsequentes Investieren, damit Kapital langfristig real an Wert gewinnt. (Foto: dpa | Sina Schuldt) Foto: Sina Schuldt

Anlagestrategie als Grundprinzip langfristigen Vermögensaufbaus

Viele private Investoren stehen vor der Frage, wie sie ihr Kapital sinnvoll einsetzen. Eine erfahrene Investorin formuliert eine klare Regel. „Ich behalte nur so viel Geld, wie ich zum Leben brauche. Alles andere muss arbeiten“, sagt sie unseren Kollegen von Verslo žinios. Diese Haltung beschreibt die Anlagestrategie von Oksana Kostogriz, Partnerin der Kanzlei CEE Attorneys, die sich über Jahre ein breit diversifiziertes Portfolio aufgebaut hat. Ihre ersten Erfahrungen mit dem Investieren machte sie über die zweite Säule der Altersvorsorge. Während ihres Studiums begann sie zu arbeiten und unterschrieb ihren ersten Arbeitsvertrag bei einem Energieunternehmen. Damals stellte die SEB Bank den Mitarbeitern Rentenfonds vor. Besonders eine Präsentationsfolie prägte sich ein. Sie zeigte, wie sich regelmäßige monatliche Einzahlungen über 20, 30 oder 40 Jahre entwickeln können.

Seitdem spart sie dort kontinuierlich weiter. Trotz aktueller Debatten über die Möglichkeit, Verträge der zweiten Säule aufzulösen, hält sie an dieser Form fest. Aus ihrer Sicht handelt es sich um ein einfaches und vergleichsweise sicheres Instrument. Wer das Geld entnimmt, müsse es ohnehin wieder investieren, um langfristig Vermögen aufzubauen. Heute macht die zweite Säule nur noch einen kleinen Teil ihres Portfolios aus. Wie hoch die tatsächliche Rendite ist, will sie erst im Ruhestand bewerten.

Diversifikation und Erfahrungen aus Krisenzeiten

Nach den ersten Schritten über Rentenfonds begann sie in den Jahren 2008 und 2009 während der Finanzkrise mit direkten Investitionen in Aktien und Anleihen. Die Erfahrung war prägend. Die starken Marktschwankungen führten zunächst dazu, dass sie Investitionen skeptischer betrachtete und sich stärker auf ihre berufliche Tätigkeit konzentrierte. Mit der Zeit änderte sich diese Einschätzung. Sie erkannte, dass Kapital auf dem Konto real an Wert verliert, insbesondere durch Inflation. Geld müsse produktiv eingesetzt werden, um langfristig Vermögen zu sichern. Der Wiedereinstieg in die Kapitalmärkte erforderte allerdings Mut. Ihr Portfolio entwickelte sich schrittweise. Ein fester Bestandteil sind bis heute Technologieaktien. Darüber hinaus lässt sie sich auch von ihrem Netzwerk inspirieren. So investierte sie beispielsweise in Unternehmen aus Nischenbereichen, etwa Firmen aus Asien, die sich auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert haben. Solche Ideen entstehen häufig im Austausch mit anderen Investoren.

Einzeltitel machen etwa ein Drittel ihres Aktienportfolios aus. Insgesamt entfallen rund 50 Prozent ihres Vermögens auf börsengehandelte Anlagen wie Aktien, ETFs und Anleihen. Ergänzt wird das Portfolio durch private Kredite, Projektbeteiligungen und Immobilien. Gerade Immobilien bewertet sie jedoch kritisch. Entgegen der häufigen Einschätzung als passive Anlage sieht sie darin eine sehr aktive Form des Investments. Vermietung erfordert laufende Betreuung, Kommunikation mit Mietern und organisatorischen Aufwand. Für sie steht das im Gegensatz zu börsengehandelten Wertpapieren, die ohne operativen Aufwand gehalten werden können.

Chancen durch langfristige Perspektive und selektive Investments

Die höchsten Renditen erzielte sie bislang mit börsennotierten Aktien, insbesondere durch günstige Einstiegszeitpunkte und steigende Märkte. Für die Zukunft erwartet sie jedoch höhere Erträge aus projektbezogenen Beteiligungen. Dabei handelt es sich häufig um neue Geschäftsinitiativen erfahrener Unternehmer oder um Investitionen in Produktionskapazitäten. Diese Investments sind in der Regel nicht öffentlich zugänglich. Sie entstehen über persönliche Kontakte und werden gezielt ausgewählten Investoren vorgestellt. Im Vergleich zu Fondsinvestments lassen sich so Gebühren vermeiden. Zusätzlich hält sie ein kleines Portfolio an Start-up-Beteiligungen, betrachtet diese jedoch eher als Nebenaktivität. Zeitlich kann sie sich nicht intensiv mit allen Investments beschäftigen, weshalb sie eine klare Strategie verfolgt. Sie setzt auf langfristiges Halten statt kurzfristiger Spekulation und plant Anlagehorizonte von mehreren Jahren bis hin zu Jahrzehnten.

Ein zentraler Bestandteil ihrer Anlagestrategie ist Liquidität. Etwa die Hälfte des Portfolios soll jederzeit verfügbar sein, um flexibel auf neue Chancen reagieren zu können. Gleichzeitig meidet sie bestimmte Anlageformen wie privat platzierte Anleihen, da diese oft schwer zu bewerten sind. Emotionale Schwankungen versucht sie bewusst zu kontrollieren. Selbst bei starken Kursverlusten verkauft sie nicht vorschnell. Voraussetzung ist allerdings, dass sie die zugrunde liegenden Investments versteht. Spekulative Positionen machen nur einen kleinen Teil ihres Portfolios aus. Zu ihren bevorzugten Aktien zählen etablierte Technologiekonzerne wie Amazon und Google. Zudem investiert sie in die Rüstungsindustrie, die sie angesichts globaler Spannungen als langfristigen Wachstumstreiber sieht. Auch der Pharmasektor und Unternehmen aus dem Bereich Gewichtsreduktionsmedikamente beobachtet sie genau, ebenso wie die Halbleiterindustrie über bekannte Namen hinaus.

Investitionen sind für sie nicht die Hauptquelle des Einkommens. Ihre Einnahmen stammen aus ihrer beruflichen Tätigkeit. Gewinne aus Kapitalanlagen reinvestiert sie vollständig. Ihr Grundprinzip bleibt konstant. Nur das notwendige Kapital bleibt liquide für den Alltag, der Rest wird investiert.

Deutschland-Bezug: Wachsende Bedeutung privater Anlagestrategien

Die geschilderte Anlagestrategie zeigt exemplarisch, wie auch in Deutschland private Investoren zunehmend eigenständig Vermögen aufbauen und sich nicht allein auf staatliche Vorsorgesysteme verlassen. Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der Debatten über die Zukunft der gesetzlichen Rente gewinnt die individuelle Kapitalanlage auch hierzulande an Bedeutung. Die Kombination aus langfristigem Investieren, breiter Diversifikation und konsequenter Reinvestition gilt zunehmend als zentraler Ansatz für den Vermögensaufbau.

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Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

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