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Klimawandel verändert Deutschlands Wälder und die Forstwirtschaft grundlegend

Der Wald, wie wir ihn kennen, verschwindet langsam. Steigende Temperaturen, Wassermangel und Schädlingsbefall setzen ihm zu. Fachleute arbeiten an Lösungen, doch der Umbau ist komplex und teuer. Kann der Wald sich rechtzeitig anpassen – oder drohen irreversible Schäden?
05.04.2026 16:00
Lesezeit: 4 min
Klimawandel verändert Deutschlands Wälder und die Forstwirtschaft grundlegend
Deutschlands Wälder stehen vor großen Umbrüchen. Künftig dominieren andere Baumarten. (Foto: ChatGPT)

Mehr Vielfalt, neue Arten: Der Wald der Zukunft im Wandel

Der Klimawandel belastet die Wälder massiv. Für Fachleute steht fest: Dieses empfindliche Ökosystem befindet sich im Umbruch. Weshalb der Wald von morgen anders aussehen und sogar anders riechen könnte.

Der Wald ist weit mehr als nur eine Sammlung von Bäumen: Er speichert Kohlenstoff, reguliert den Wasserhaushalt, schützt Böden und dient vielen Tierarten als Lebensraum. Doch er steht vor enormen Problemen: Der Klimawandel mit längeren Trockenperioden und Schädlinge verändern die natürlichen Strukturen. Zum Internationalen Tag des Waldes (21. März) ein Blick auf kommende Entwicklungen.

Experten entwerfen Szenarien, wie sich der Wald künftig verändern könnte. Die positive Nachricht vorweg: In 50 Jahren dürfte es weiterhin Wälder geben, die vielfältiger, offener und in ihrer Pflege deutlich anspruchsvoller sind.

Strategien für Anpassung und Waldumbau

Damit sich der Wald anpasst und langfristig auf den Klimawandel reagieren kann, ist eine enge Kooperation von Forstwirtschaft, Politik und Gesellschaft erforderlich. Nach Einschätzung der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) gelingt dies nur durch gezielte Eingriffe, um den Wald fit für die Zukunft zu machen. Genau darin liegt das zentrale Ziel der Forstverwaltungen und staatlichen Forstbetriebe.

Silvio Schüler, Leiter des Institutes für Waldwachstum, Waldbau und Genetik am österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), erkennt bereits Fortschritte beim Umbau der Wälder. Ein Hinweis darauf sei die stark gestiegene Nachfrage nach Eichen: Diese würden in Baumschulen regelrecht "aus den Händen gerissen", so Schüler. Die Eiche zählt zu den wichtigsten heimischen Baumarten und kommt mit Trockenheit und Hitze deutlich besser zurecht als beispielsweise die Fichte.

Die Forstwirtschaft setzt beim langfristigen Umbau auf artenreiche Mischwälder mit mehreren robusten Baumarten. Neben Eichen gehören dazu auch seltenere heimische Arten wie Elsbeere, Speierling, Feldahorn und Vogelkirsche. Nach Ansicht der LWF-Experten aus Bayern sollten idealerweise mindestens vier unterschiedliche Baumarten pro Bestand kombiniert werden.

In wärmeren Regionen Deutschlands wie dem Oberrheingraben im Südwesten werden laut LWF zunehmend auch submediterrane Baumarten wie Zerreiche, Edelkastanie oder Orientbuche in Betracht gezogen. Auch die Douglasie gilt als vielversprechend, da sie im Vergleich zur Fichte "besser mit Trockenheit umgehen kann", erklärt Schüler. Weitere Optionen sieht der Institutsleiter in südlicheren Arten wie der ungarischen Eiche oder Tannen aus Kalabrien.

Der Umbau des Waldes benötigt jedoch Zeit. Die LWF weist darauf hin, dass es sich um eine generationenübergreifende Aufgabe handelt, die sich über viele Jahrzehnte bis hin zu einem Jahrhundert erstrecken kann. Erste Veränderungen könnten bereits nach 20 bis 30 Jahren sichtbar werden. Gleichzeitig stellt der Waldumbau eine finanzielle Belastung dar, da laut Schüler mit steigenden Kosten zu rechnen ist.

Darüber hinaus sieht der Institutsleiter einen weiteren entscheidenden Punkt, den er als eines der "dicksten Bretter" bezeichnet: Er fordert eine engere Zusammenarbeit zwischen Forstwirtschaft und Jagd. Der Hintergrund: Wildtiere wie Rehe und Hirsche fressen bevorzugt junge Bäume wie Eichen, die für die Anpassung an den Klimawandel besonders wichtig sind. Die LWF betont, dass angepasste Wildbestände eine zentrale Voraussetzung für einen erfolgreichen Waldumbau darstellen.

Wenn natürliche Systeme an ihre Grenzen stoßen

Doch was geschieht, wenn der Waldumbau nicht gelingt? Studien zeigen, dass etwa ein Drittel aller europäischen Baumarten durch den Klimawandel gefährdet ist. Die LWF hält es für durchaus möglich, dass die natürliche Anpassungsfähigkeit der Bäume nicht mehr ausreicht. Eine zunehmende Zahl heißer und trockener Extremjahre würde den Druck weiter erhöhen.

Anhaltend hohe Temperaturen und Wassermangel setzen den Wäldern stark zu und bringen heimische Baumarten an ihre Belastungsgrenzen: Besonders wirtschaftlich bedeutende Arten wie Fichte, Waldkiefer oder Buche weisen laut LWF bereits deutliche Schäden auf. Schüler prognostiziert, dass selbst die Buche, die bislang als Hoffnungsträger galt, an ihre Grenzen stoßen könnte: An extremen Standorten könnte sie künftig nur noch 20 Meter hoch werden statt wie bisher bis zu doppelt so hoch und "regelmäßig Teile ihrer Krone verlieren".

Zusätzlich steigt das Risiko durch Schädlinge: Besonders problematisch ist der Buchdrucker. Dieser Borkenkäfer, der vor allem Fichten befällt, vermehrt sich bei höheren Temperaturen schneller, erläutert die LWF. Dadurch wächst die Gefahr großflächiger Schäden erheblich.

Grundsätzlich sehen Experten einen Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Anpassung der Wälder. Denn ein lichterer und widerstandsfähigerer Wald kann weniger CO2 speichern. Ein Bestand mit nur noch 150 statt 400 Bäumen pro Hektar bedeutet zwangsläufig weniger Holzvolumen und somit auch geringere Kohlenstoffspeicherung. Bereits heute zeigt sich eine deutliche Entwicklung: Die jüngste Bundeswaldinventur ergab, dass der Wald in Deutschland aufgrund massiver Schäden inzwischen mehr Kohlenstoff abgibt, als er aufnehmen kann – er trägt also nicht mehr zur Erreichung der Klimaziele bei, sondern erschwert diese sogar.

Der Wald der Zukunft verändert sein Erscheinungsbild

Der Wald von morgen wird sich daher grundlegend verändern. Dieser Prozess hat laut LWF-Experten bereits begonnen. Ein Beispiel dafür ist das großflächige Absterben von Baumarten wie Ulme oder Esche. Auch optisch wird sich der Wald deutlich unterscheiden. Die LWF erklärt, dass vor allem trockenheitsresistente Eichenmischwälder häufig offener und artenreicher sein werden als heutige Bestände. Langfristig dürfte der Fokus stärker auf Stabilität und dem Erhalt der ökologischen Funktionen liegen als auf der reinen Maximierung des Holzertrags, prognostiziert die Landesanstalt.

Die Menschen in Deutschland werden sich wohl vom vertrauten Bild dichter Nadelwälder verabschieden müssen. Das werde für viele als "Gewohnheitstiere" nicht leicht sein, vermutet Schüler. Unabhängig vom Ausgang des Wandels betont der Institutsleiter jedoch: "Der Wald wird auch in Zukunft existieren, aber er wird anders aussehen, anders riechen und seine heutigen Funktionen möglicherweise nicht mehr im selben Ausmaß wahrnehmen können."

Der Wald im Umbruch

Der Wald in Deutschland steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Klimawandel, Trockenheit und Schädlinge erzwingen ein Umdenken in Forstwirtschaft und Politik. Der Umbau hin zu artenreichen, widerstandsfähigen Mischwäldern gilt als zentrale Strategie, ist jedoch langwierig, kostenintensiv und mit Unsicherheiten verbunden. Gleichzeitig zeigen aktuelle Entwicklungen, dass die Belastungsgrenzen vieler Baumarten bereits erreicht sind. Der Wald der Zukunft wird daher nicht nur anders aussehen, sondern auch andere Funktionen erfüllen. Entscheidend wird sein, wie konsequent Anpassungsmaßnahmen umgesetzt werden. Denn davon hängt ab, ob der Wald weiterhin ein stabiler Bestandteil von Klima, Wirtschaft und Ökosystem bleibt.

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