Wirtschaft

"Deutschland fährt auf Verschleiß": Geringste Investitionsquote seit 1990

Deutschland lebt von seiner Substanz: Neue Daten zeigen, dass so wenig investiert wird wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Selbst staatliche Programme können den Rückgang nicht stoppen – und die Wirtschaft verliert weiter an Zuversicht.
24.03.2026 14:28
Lesezeit: 2 min
"Deutschland fährt auf Verschleiß": Geringste Investitionsquote seit 1990
"Hier spricht der Preis" verkündet immer noch ein Schild an einem seit Jahren geschlossenen Baumarkt. Mit dem noch markanteren Spruch «20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung» ging die Baumarktkette Praktiker 2013 pleite. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Deutschland investiert so wenig wie seit 1990 nicht

Unternehmen schaffen nur das Nötigste an, der Staat kann das nicht ausgleichen: Neue Daten zur Nettoinvestitionsquote zeigen einen jahrzehntelangen Abwärtstrend.

Unternehmen, Staat und Privatleute haben nach offiziellen Daten 2025 unter dem Strich so wenig in Bau, Maschinen, Geräte und Infrastruktur investiert wie nie seit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Die sogenannte Nettoanlageninvestitionsquote lag gemessen an der Wirtschaftsleistung bei minus 0,23 Prozent, wie aus Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums und des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Abgefragt und ausgewertet hat die Daten der Linken-Abgeordnete Cem Ince.

Gemeint sind Anlageninvestitionen, sei es von privater oder staatlicher Seite, abzüglich der Abschreibungen. Die abgefragten Daten belegen einen jahrzehntelangen Abwärtstrend der Investitionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt.

Die durchschnittliche Nettoanlageninvestitionsquote betrug demnach von 1991 bis 1999 noch 7,31 Prozent, im Zeitraum 2000 bis 2009 im Jahresschnitt noch 2,88 Prozent, zwischen 2010 und 2019 dann 2,29 Prozent. In den Jahren zwischen 2020 und 2025 waren es durchschnittlich 1,02 Prozent, wie aus den Daten hervorgeht.

"Deutschland fährt auf Verschleiß"

Der Sozial- und Wirtschaftspolitiker Ince moniert: "Deutschland fährt auf Verschleiß. Marode Schulen, kaputte Straßen, eine Infrastruktur im Niedergang. Was viele Menschen längst im Alltag spüren, belegen auch die Zahlen. In unserem Land wird seit Jahren zu wenig investiert." Er verband dies mit der erneuten Forderung nach einer Vermögensteuer und einer Investitionsoffensive.

Auch das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln beobachtet die anhaltende Investitionsschwäche mit Sorge. "Bei den Bruttoanlageinvestitionen sehen wir schon seit Jahren preisbereinigt einen negativen Effekt", sagt IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt. "Gerade beim Bau gab es auch im vergangenen Jahr eine reale Reduktion, die nicht durch die ersten Tropfen aus dem Sondervermögen ausgeglichen wurde."

Neue Dynamik fraglich

Mehr als 80 Prozent der Investitionen stammten aus dem Privatsektor, und dort fehlt angesichts der konjunkturellen Lage die Zuversicht, sagte Bardt. "Wenn jetzt die öffentlichen Investitionen aus dem Sondervermögen verstärkt fließen, wirkt das sicher positiv, aber es ist fraglich, ob das eine echte Dynamik in der Privatwirtschaft auslöst", meinte Bardt. "Die Unternehmen sind nicht optimistisch. Wer jetzt investiert, kümmert sich um reine Ersatzinvestitionen."

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