Wirtschaft

Volkswagen Rüstungsindustrie: Warum der Autobauer auf Waffen setzt

Volkswagen steht vor einem historischen Kurswechsel und prüft den Einstieg in die Rüstungsproduktion. Was als Rettung für Arbeitsplätze beginnt, könnte die deutsche Industrie grundlegend verändern und politisch brisant werden.
31.03.2026 16:02
Lesezeit: 2 min
Volkswagen Rüstungsindustrie: Warum der Autobauer auf Waffen setzt
Der Autobauer Volkswagen will in die Rüstungsindustrie einsteigen. Die Pläne rund um Iron Dome könnten Jobs sichern und den Strukturwandel beschleunigen. (Foto: dpa | Julian Stratenschulte) Foto: Julian Stratenschulte

Volkswagen Rüstungsindustrie: Strategiewechsel in Osnabrück

Der Volkswagen-Konzern prüft eine Rückkehr in die Rüstungsindustrie und verhandelt mit dem israelischen Unternehmen Rafael Advanced Defense Systems über eine Umnutzung eines Werks in Deutschland. Ziel ist es, den Standort Osnabrück zu erhalten und künftig Komponenten für Luftverteidigungssysteme zu produzieren. Das berichten unsere Kollegen von Verslo žinios unter Berufung auf die Financial Times. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen der FT berichteten, könnte das Werk Teile für das israelische Kurzstreckensystem "Iron Dome" liefern. Neben Lastwagen für den Raketen­transport sollen dort auch Abschussvorrichtungen und Generatoren gefertigt werden. Ursprünglich plante Volkswagen, die Fabrik im Rahmen eines Sparprogramms im Jahr 2027 zu schließen. Durch die mögliche Neuausrichtung könnten jedoch alle 2.300 Arbeitsplätze gesichert werden.

Kooperation mit Israel: Produktion für Europas Luftabwehr

Volkswagen müsste für den Einstieg vergleichsweise geringe zusätzliche Mittel aufbringen. "Es werden gewisse Investitionen nötig sein, aber insgesamt ist das relativ unkompliziert", erklärte eine mit den Gesprächen vertraute Person. Die Produktion könnte bereits innerhalb von ein bis eineinhalb Jahren anlaufen. Die hergestellten Systeme sollen nicht nur Israel, sondern auch europäischen Staaten angeboten werden. Diese treiben derzeit ihre Luftverteidigung angesichts wachsender geopolitischer Spannungen massiv voran. Deutschland hatte im vergangenen Jahr drei Luftabwehrsysteme vom Typ "Arrow 3" aus Israel beschafft, hergestellt von Israel Aerospace Industries. Rafael ist bereits in Europa aktiv. Über ein Gemeinschaftsunternehmen mit Rheinmetall und Diehl Defence produziert das Unternehmen unter anderem "Spike"-Raketen in Deutschland. Zudem stellt Rafael das Schutzsystem "Trophy" her, das Panzer und gepanzerte Fahrzeuge gegen Angriffe absichert.

Strukturwandel der Autoindustrie: Deutschland im Fokus

Ein Insider zufolge fiel die Wahl auf Deutschland nicht zufällig. Das Land gilt als einer der wichtigsten Unterstützer Israels in Europa. Gleichzeitig bemühen sich deutsche Behörden aktiv darum, Investoren zu gewinnen, um industrielle Standorte und Arbeitsplätze zu sichern. Der mögliche Deal gilt als eines der deutlichsten Beispiele für den tiefgreifenden Strukturwandel in der deutschen Automobilindustrie. Angesichts struktureller Probleme und zunehmender Konkurrenz aus China suchen Hersteller nach neuen Geschäftsfeldern. Die Rüstungsindustrie entwickelt sich dabei zu einem zentralen Wachstumsmarkt. Volkswagen plant Berichten zufolge, bis zum Jahr 2030 rund 50.000 Stellen in Deutschland abzubauen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Umnutzung bestehender Werke an strategischer Bedeutung. Der Schritt würde zugleich eine historische Dimension haben. Über seine Tochter MAN produziert Volkswagen bereits militärische Fahrzeuge gemeinsam mit Rheinmetall. Eine direkte Rückkehr in die Rüstungsproduktion in größerem Umfang wäre jedoch die bedeutendste seit dem Zweiten Weltkrieg, als der Konzern militärische Ausrüstung einschließlich der V1-Marschflugkörper fertigte.

Für Deutschland zeigt sich damit ein klarer Trend. Konkrete offizielle Zahlen zur künftigen Rolle der Automobilindustrie im Verteidigungssektor liegen derzeit nicht vollständig vor. Dennoch deutet die Entwicklung darauf hin, dass die Verknüpfung von Industriepolitik und Verteidigungsstrategie künftig eine deutlich größere Rolle spielen dürfte.

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