Politik

Nach Waffenruhe: Wie ist der Stand in der Straße von Hormus?

Der Iran will Maut verlangen. Was ist erlaubt, und wer könnte die Passage sichern? Antworten auf zentrale Fragen.
09.04.2026 14:46
Lesezeit: 3 min

Nach der Waffenruhe bleibt die Lage in der Straße von Hormus angespannt

Seit dem frühen Mittwochmorgen gilt eine fragile Waffenruhe zwischen Iran und den USA. Doch die Straße von Hormus bleibt für Teheran ein wichtiges Druckmittel. Der Iran verlangt inzwischen von einigen kommerziellen Schiffen eine Maut. Ist das zulässig? Und wird die Bundeswehr die Passage künftig militärisch absichern? Antworten auf zentrale Fragen:

Schiffsverkehr: Fahren aktuell Schiffe durch die Straße von Hormus?

Nach übereinstimmenden Berichten haben nur wenige einzelne Schiffe seit der Verkündung der Waffenruhe die Straße von Hormus passiert. Die allermeisten Reedereien warten jedoch weiterhin auf eine Verbesserung der Sicherheitslage. Verbände rieten zunächst von einer nicht abgestimmten Durchfahrt ab.

Das hat weiterhin massive Auswirkungen auf den Welthandel: Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean und damit die großen Ölförderländer der Region mit den Weltmärkten. Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wurden 2023 fast 30 Prozent des weltweit verschifften Öls hier transportiert. Alternative Routen existieren zwar, etwa Pipelines durch Saudi-Arabien, doch ihre Kapazitäten reichen nicht aus, um einen längeren Ausfall der Seeroute zu kompensieren.

Völkerrecht: Darf der Iran Maut für die Durchfahrt verlangen?

Nach übereinstimmenden Berichten, unter anderem des Fachmediums "Lloyd's List", hat der Iran in der Straße von Hormus eine Art Mautsystem eingeführt. Demnach müssen Schiffe Unterlagen vorlegen, Freigabecodes einholen und eine von den Revolutionsgarden begleitete Durchfahrt durch einen einzigen kontrollierten Korridor akzeptieren.

Nach Einschätzung von Fachleuten ist das Vorgehen des Irans nicht vom Völkerrecht gedeckt. Die Seerechtsexpertin Nele Matz-Lück von der Universität Kiel sagte, der Iran sei völkerrechtlich verpflichtet, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus für die zivile Schifffahrt gebührenfrei zu gewährleisten. Valentin Schatz von der Universität Lüneburg teilt diese Einschätzung.

Schatz zufolge ist der zentrale Teil der Straße von Hormus, durch den normalerweise die Schifffahrtsrouten verlaufen, rechtlich als internationales Gewässer zu behandeln. Aber selbst der küstennahe Abschnitt, über den der Iran Souveränität hat, darf rechtlich befahren werden.

Schatz sagte, es sei fraglich, ob sich das Recht auf freie Fahrt gerichtlich durchsetzen lässt. Der Iran ist nicht an den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg und den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gebunden.

Reedereien: Wie schätzen Unternehmen die Lage ein?

Deutsche Reedereien beobachten die Lage genau und warten darauf, ihre Schiffe in Sicherheit zu bringen. Nach Einschätzung des Verbands Deutscher Reeder (VDR) sitzen mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien im Persischen Golf fest. Insgesamt sind es dem VDR zufolge mehr als 2.000. Betroffene Unternehmen nennen keine Einzelheiten und verweisen auf die angespannte Sicherheitslage.

Sicherheit: Wie gefährlich ist eine Passage ohne Absprache?

Irans mächtige Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Landes, haben die Kontrolle über die Meerenge übernommen. An ihrer engsten Stelle ist sie nur rund 33 Kilometer breit, die eigentlichen Schifffahrtsrouten umfassen jedoch lediglich wenige Kilometer pro Richtung. Gerade wegen dieser Enge können schon begrenzte militärische Aktionen oder Drohungen den Schiffsverkehr erheblich beeinträchtigen, Versicherungsprämien steigen lassen und die Energiepreise weltweit treiben.

Vor allem zu Beginn des Kriegs wurden Öltanker und Frachtschiffe angegriffen, mit Kamikazedrohnen, Marschflugkörpern und Sprengbooten. Nach iranischer Darstellung richteten sich die Attacken vor allem gegen Reedereien aus den gegnerischen Staaten, den USA und Israel. Ohne Koordination mit Teheran riskieren Schiffe bei der Durchfahrt Angriffe.

Nun warnen die Revolutionsgarden vor Seeminen in der Straße von Hormus. Am späten Mittwochabend veröffentlichten sie eine Karte mit einer Gefahrenzone in den üblichen Schifffahrtswegen. Vor dem Hintergrund der Kriegslage im Persischen Golf wird Schiffen geraten, eine weiter nördlich verlaufende Route zu nutzen, um einen möglichen Kontakt mit Seeminen zu vermeiden.

Ob tatsächlich Minen in den wenigen Kilometer breiten Korridoren liegen, ist unklar. Die USA hatten im Krieg nach eigenen Angaben einen Großteil der iranischen Marine zerstört. Zugleich verfügen die Revolutionsgarden über eine große Zahl kleiner, schneller Boote, die für solche Einsätze geeignet sind und in gut versteckten Küstenstützpunkten stationiert sein sollen.

Ausblick: Wie geht es jetzt weiter?

Eine nachhaltige Entspannung hängt von einem dauerhaften Frieden in der Region ab. Am Freitag wollen Vertreter aus Washington und Teheran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad darüber sprechen.

Für US-Präsident Donald Trump wird die Blockade zunehmend auch innenpolitisch zur Belastung. Er kann sich sogar eine Zusammenarbeit mit dem Iran vorstellen. Die Sicherung der Straße von Hormus könnte als gemeinsames Projekt organisiert werden, sagte er dem Sender ABC News zufolge. Das sei eine Möglichkeit, die Route zu schützen, auch vor anderen Akteuren. Details nannte er nicht.

Ob sich auch EU-Länder künftig an Marinemissionen vor der iranischen Küste beteiligen, ist unklar. Trump hatte die Nato-Verbündeten unter anderem aufgefordert, die USA bei der Sicherung der Straße von Hormus zu unterstützen. Diese hielten sich zuletzt mit Zusagen zurück. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte am Mittwoch, Deutschland werde in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten. Was das konkret bedeutet, bleibt bislang offen.

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