Druschba-Pipeline vorm Aus? Kasachstan will Öl über russische Häfen verschiffen
Kasachstan will nach offiziellen Angaben 260.000 Tonnen Öl, die für die Raffinerie Schwedt bestimmt waren, wegen der Probleme an der Druschba-Pipeline über russische Ölhäfen umleiten. «100.000 Tonnen gehen über Ust-Luga und 160.000 Tonnen über das System des Kaspischen Pipeline-Konsortiums», sagte eine Vertreterin des kasachischen Energieministeriums der Nachrichtenagentur Kazakhstan Today zufolge.
Ust-Luga ist ein russischer Ölumschlaghafen in der Ostsee. Das Kaspische Pipeline-Konsortium betreibt eine Ölleitung, die von der Lagerstätte Tengiz im Nordwesten Kasachstans bis zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk führt. In beiden Fällen würde das Öl dann auf Schiffe verladen und auf dem Seeweg weiter transportiert. Laut dem kasachischen Energieministerium dient der Schritt dazu, die Stabilität des Exports und die lückenlose Lieferung des Rohstoffs auf die Weltmärkte sicherzustellen. Ob das Ziel dieser Lieferungen dann Schwedt bleibt, geht aus den offiziellen Verlautbarungen allerdings nicht eindeutig hervor.
Kasachstan hat bislang über die auch durch Russland verlaufende Pipeline Druschba Öl nach Deutschland geliefert. Waren es 2025 2,1 Millionen Tonnen, so sollten in diesem Jahr sogar etwa drei Millionen Tonnen über diese Route fließen. Das Rohöl ging vor allem an die Raffinerie Schwedt nahe Berlin. Allerdings leitet Russland ab dem 1. Mai kein kasachisches Öl mehr über diesen Weg weiter. Moskau beruft sich dabei auf technische Schwierigkeiten, nannte aber keinen Zeitraum für die Behebung der Probleme.
Deutschland prüft alternative Lieferwege auch über Danzig
«Wir sind in Gesprächen mit Polen, um zu prüfen, ob kurzfristig und temporär Ersatzlieferungen über Danzig möglich sind», teilte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mit. Die Bundesregierung sei bereit, die Raffinerie Schwedt dabei zu unterstützen, die «entfallenden Rohöllieferungen über alternative Bezugswege zu substituieren». Durch ein Ausbleiben der kasachischen Öllieferungen an die Raffiniere sei die Versorgungssicherheit mit Mineralölprodukten in Deutschland letztlich nicht gefährdet, auch wenn die PCK Schwedt mit einer geringeren Kapazitätsauslastung fahren müsste, so das Ministerium.
Brandenburg beruft Sondersitzung ein
Der Brandenburger Landtag schaltet in den Krisenmodus. Auf Initiative der BSW-Fraktion wird der Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Klimaschutz am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammentreten.
Da die Geschäftsordnung des Landtages ein Quorum für die Einberufung einer Sondersitzung vorsieht, ist die BSW-Fraktion auf die AfD zugegangen – ein Vorgehen, das im Vorjahr bereits die damalige Oppositionspartei CDU im Haushaltsausschuss zum Sondervermögen Infrastruktur gewählt hatte.
Die Brisanz des Termins ist beträchtlich. Denn es geht um nicht weniger als das Überleben einer der größten Raffinerien Deutschlands – und um die Versorgungssicherheit der gesamten Hauptstadtregion. PCK-Betriebsratsvorsitzender Danny Ruthenburg warnte bereits gegenüber der Deutschen Presse-Agentur unmissverständlich: „Das wäre echt schlimm für die PCK, dann fallen wir auf 65 Prozent Auslastung. Dann kriegen wir ein großes Problem.“ Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gibt sich derweil betont gelassen und verweist auf alternative Lieferwege über die Häfen Danzig und Rostock.

