Politik

Druschba-Pipeline vorm Aus? Kasachstan will Öl über russische Häfen verschiffen

Kommt kasachisches Öl nun per Schiff in Deutschland an? Nach der Sperre der Druschba-Pipeline durch Russland leitet Kasachstan einen Teil des Rohstoffs auf dem Seeweg weiter - ob diese Lieferungen in Schwedt ankommen ist ungewiß. Brandenburg beruft Sondersitzung ein.
29.04.2026 09:11
Lesezeit: 2 min

Druschba-Pipeline vorm Aus? Kasachstan will Öl über russische Häfen verschiffen

Kasachstan will nach offiziellen Angaben 260.000 Tonnen Öl, die für die Raffinerie Schwedt bestimmt waren, wegen der Probleme an der Druschba-Pipeline über russische Ölhäfen umleiten. «100.000 Tonnen gehen über Ust-Luga und 160.000 Tonnen über das System des Kaspischen Pipeline-Konsortiums», sagte eine Vertreterin des kasachischen Energieministeriums der Nachrichtenagentur Kazakhstan Today zufolge.

Ust-Luga ist ein russischer Ölumschlaghafen in der Ostsee. Das Kaspische Pipeline-Konsortium betreibt eine Ölleitung, die von der Lagerstätte Tengiz im Nordwesten Kasachstans bis zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk führt. In beiden Fällen würde das Öl dann auf Schiffe verladen und auf dem Seeweg weiter transportiert. Laut dem kasachischen Energieministerium dient der Schritt dazu, die Stabilität des Exports und die lückenlose Lieferung des Rohstoffs auf die Weltmärkte sicherzustellen. Ob das Ziel dieser Lieferungen dann Schwedt bleibt, geht aus den offiziellen Verlautbarungen allerdings nicht eindeutig hervor.

Kasachstan hat bislang über die auch durch Russland verlaufende Pipeline Druschba Öl nach Deutschland geliefert. Waren es 2025 2,1 Millionen Tonnen, so sollten in diesem Jahr sogar etwa drei Millionen Tonnen über diese Route fließen. Das Rohöl ging vor allem an die Raffinerie Schwedt nahe Berlin. Allerdings leitet Russland ab dem 1. Mai kein kasachisches Öl mehr über diesen Weg weiter. Moskau beruft sich dabei auf technische Schwierigkeiten, nannte aber keinen Zeitraum für die Behebung der Probleme.

Deutschland prüft alternative Lieferwege auch über Danzig

«Wir sind in Gesprächen mit Polen, um zu prüfen, ob kurzfristig und temporär Ersatzlieferungen über Danzig möglich sind», teilte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mit. Die Bundesregierung sei bereit, die Raffinerie Schwedt dabei zu unterstützen, die «entfallenden Rohöllieferungen über alternative Bezugswege zu substituieren». Durch ein Ausbleiben der kasachischen Öllieferungen an die Raffiniere sei die Versorgungssicherheit mit Mineralölprodukten in Deutschland letztlich nicht gefährdet, auch wenn die PCK Schwedt mit einer geringeren Kapazitätsauslastung fahren müsste, so das Ministerium.

Brandenburg beruft Sondersitzung ein

Der Brandenburger Landtag schaltet in den Krisenmodus. Auf Initiative der BSW-Fraktion wird der Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Klimaschutz am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammentreten.

Da die Geschäftsordnung des Landtages ein Quorum für die Einberufung einer Sondersitzung vorsieht, ist die BSW-Fraktion auf die AfD zugegangen – ein Vorgehen, das im Vorjahr bereits die damalige Oppositionspartei CDU im Haushaltsausschuss zum Sondervermögen Infrastruktur gewählt hatte.

Die Brisanz des Termins ist beträchtlich. Denn es geht um nicht weniger als das Überleben einer der größten Raffinerien Deutschlands – und um die Versorgungssicherheit der gesamten Hauptstadtregion. PCK-Betriebsratsvorsitzender Danny Ruthenburg warnte bereits gegenüber der Deutschen Presse-Agentur unmissverständlich: „Das wäre echt schlimm für die PCK, dann fallen wir auf 65 Prozent Auslastung. Dann kriegen wir ein großes Problem.“ Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gibt sich derweil betont gelassen und verweist auf alternative Lieferwege über die Häfen Danzig und Rostock.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft vor der Wende: Warum ausgerechnet Saab neue Hoffnung macht
13.08.2026

Deutschlands Autobauer bauen Stellen ab, doch gleichzeitig wächst die Wirtschaft stärker als erwartet. Neue Startups, mehr Kapitalmarkt...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk und die KI: Wer regiert bald die Welt?
13.08.2026

Elon Musk warnt vor KI, Bürgerkrieg und dem Aufstieg neuer Supermächte – doch zugleich verkörpert er selbst die beispiellose Macht der...

DWN
Politik
Politik NATO-Reform: Saluschnyj erklärt das mächtigste Militärbündnis der Welt für überholt
13.08.2026

Die Ukraine wollte jahrelang von der NATO lernen. Nun erklärt ihr früherer Oberbefehlshaber das Bündnis für militärisch überholt und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trockenheit kostet Landwirte 600 Millionen Euro
13.08.2026

Die Dürre hinterlässt auf deutschen Feldern deutliche Spuren: Millionen Tonnen Getreide und Raps sind bereits verloren. Für Verbraucher...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien unter Druck: Milliardenverlust zeigt die verborgene Gefahr
13.08.2026

Ein gefeierter Tech-Investor setzte mit gewaltigem Hebel auf KI-Aktien und verlor innerhalb weniger Wochen rund 35 Milliarden US-Dollar....

DWN
Politik
Politik Rentensplitting statt Witwenrente: Steht die Hinterbliebenenrente vor dem Aus?
13.08.2026

Im Rahmen der Rentenreform steht plötzlich auch die Witwenrente zur Diskussion. Ein Expertenvorschlag: Ein verpflichtendes Rentensplitting...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
13.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Experten warnen: Pleitewelle hält bis mindestens 2027 an
13.08.2026

Seit Monaten steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, obwohl jüngste...