Brot, Spiele und heute eben SUV
Volksmassen beruhigt man am besten, indem man ihnen gibt, was sie wollen. Zur Zeit der Römer waren das Essen, Trinken und Unterhaltung. Kein Wunder also, dass aus jener Zeit der Ausdruck „Brot und Spiele“ stammt. Heute sind wir Menschen anspruchsvoller: Essen, Trinken und Unterhaltung reichen uns längst nicht mehr. Wir wünschen uns neben vielem anderen auch Autos. Und was die Massen wollen, bauen die Autobauer. In großen Stückzahlen. SUVs zum Beispiel. Hinter dem Lenkrad eines Vierradfahrzeugs aus der SUV-Klasse fühlen wir uns nämlich beruhigt. Deshalb überrascht es nicht, dass sie auch auf europäischen Straßen massenhaft vertreten sind. Mehr noch. Im vergangenen Jahr waren unter den 15 meistverkauften Autos gleich zehn SUVs von sieben Marken aus Europa, Südkorea und Japan.
Unter ihnen war erwartungsgemäß kein Vertreter jener spanischen Marke, deren Autos uns jedes Mal das Herz erwärmen, sobald wir hinter dem Lenkrad Platz nehmen: Cupra. Die Marke ist zwar Teil des Volkswagen-Konzerns, sticht aber mit sportlicher Erscheinung und Premium-Innenraum heraus. Obwohl sie offiziell als eigenständige Marke erst am 22. Februar 2019 auf die Straße fuhr, wird sie von Jahr zu Jahr erfolgreicher. Im vergangenen Jahr lieferte Cupra 328.800 Autos an Kunden aus. Zum Vergleich: Im ersten vollen Verkaufsjahr waren es 27.400.
Kein Rennwagen, auch wenn man schneller und sportlicher fahren kann
Der SUV, der diesmal getestet wurde, trägt einen bedeutungsvollen Namen: Terramar. Übersetzt also Erde und Meer. Tatsächlich stammt der Name aber von woanders, von der gleichnamigen Rennstrecke, die zu den ältesten in Spanien gehört und schon im Jahr 1923 eröffnet wurde. Damit unterstreicht Cupra seine Rennsportwurzeln. Natürlich ist der Terramar kein Rennwagen, auch wenn man mit ihm schneller und sportlicher fahren kann. Das ist aber nicht sein Wesen. Schon auf dem Papier verspricht er einiges. 205 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit und 9,3 Sekunden Beschleunigung auf 100. Für die mit Blech vollgestopften Straßen dieser Tage ist das mehr als genug. Ein Überholmanöver wird zur Kleinigkeit.
Erfreulich ist, dass die Kraft der munteren 150 PS, die es kaum erwarten können, in den Galopp geschickt zu werden, auf die Vorderräder übertragen wird. Allradantrieb ist auch gegen Aufpreis nicht verfügbar. Die Kraft läuft über ein Siebengang-Automatikgetriebe, das wie die Kirsche auf der Torte wirkt. Es entlastet den Fahrer und macht die Fahrt komfortabler und sicherer. Besonders dann, wenn man den aktiven Tempomaten nutzt, der auch dafür sorgt, dass man nie zu schnell ist und Strafzettel, weil man vom Radar erwischt wurde, nur noch eine ferne Erinnerung bleiben.
Je kräftiger man das Gaspedal drückt, desto teurer wird die Fahrt. Der Durchschnittsverbrauch von 6,6 Litern erschien uns aber noch im akzeptablen Rahmen, so das slowenische Wirtschaftsportal Casnik Finance. Umso mehr, da die offiziell angegebene Zahl mit 6,2 Litern nur wenig darunter liegt. Erfreulich ist auch, dass der Tank 55 Liter schluckt. Übersetzt heißt das, mit einer Tankfüllung fährt man 830 Kilometer. Für einen Benziner ist das lobenswert.
Mit dem Maßband in der Hand stellten wir fest, dass der Terramar zu den mittelgroßen SUVs gehört, denn seine Länge beträgt 4,52 Meter. Deshalb hat er beim Raumangebot viele positive Eigenschaften, negative konnten wir diesmal nicht feststellen. Mehr noch. Auf die Rückbank, die sich auch längs verschieben lässt, baten wir einen ehemaligen Basketballspieler mit zwei Metern Körpergröße. Er hatte weder für Kopf noch Knie Platzprobleme.
Auch der Kofferraum verdient mit seinen 540 Litern seinen Namen. Schade ist nur, dass beim Umklappen der Rückbank eine Stufe entsteht. Den sehr guten Raumeindruck verdirbt das aber kaum. Eine ausgezeichnete Lösung ist auch die elektrische Betätigung der ziemlich großen Heckklappe. Das wird vor allem unsere besseren Hälften freuen, die sich so ihre gepflegten Händchen nicht schmutzig machen.
Im Innenraum liegt ein kräftiger Duft von Prestige
Am stärksten überrascht dieser Cupra aber, wenn man hinter dem Lenkrad Platz nimmt. Im Innenraum liegt nämlich ein kräftiger Duft. Es sind weder Veilchen noch Lavendel. Man riecht Prestige und Sportlichkeit. Die kupferfarbenen Akzente, die für Cupra typisch sind, passen gut zum zweifarbigen Innenraum in Grau- und Schwarztönen. Zudem wurden viele nachhaltige Materialien verwendet. Der Sitz ist eine Mischung aus Komfort und Sportlichkeit. Er ist schalenförmig genug, um den Körper dann zu sichern, wenn es bei dynamischerer Fahrt nötig ist.
Vermisst haben wir allerdings eine elektrische Sitzverstellung. Dafür kann der Fahrersitz auf Wunsch beheizt werden, ebenso wie das Lenkrad. Für den Fahrer griffbereit sind auch zwei geschlossene Fächer und noch einige Ablagen. Auf einer davon lässt sich das Mobiltelefon laden.
Auf die zahlreichen Menüs greift man auf zwei Arten zu: Entweder über den großen farbigen Touchscreen mit einer Diagonale von 12,9 Zoll beziehungsweise 32,8 Zentimetern oder über die Schalter am Lenkrad. Größere Probleme haben wir nicht festgestellt. Besonders der Bildschirm funktioniert so, wie es sich für ein Auto der Premiumklasse gehört: schnell und fehlerfrei.
Wahrscheinlich interessiert Sie nun der Preis. Offiziell werden 43.390 Euro genannt. Derzeit ist der Terramar aber günstiger zu bekommen, da ein Aktionspreis von 38.499 Euro angegeben ist. Wenig ist das nicht. Doch das Verhältnis zwischen dem, was man bezahlt, und dem, was man bekommt, ist sehr gut.
Der Markt liebt SUVs, doch viele Käufer suchen inzwischen mehr als nur hohe Sitzposition und viel Platz. Sie wollen Design, Technik, Komfort und ein wenig Exklusivität. Genau dort setzt Cupra an. Der Terramar ist kein Vernunftauto im klassischen Sinn, sondern ein emotionaler SUV für Fahrer, die sich von der Masse abheben wollen. Das Fazit fällt deshalb einfach aus. Der Cupra Terramar ist sportlich genug für Freude am Steuer, praktisch genug für den Alltag und auffällig genug, um nicht im SUV-Einerlei unterzugehen.
