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KI-Diagnose in Minuten: Irisches Startup will ADHS schneller erkennen

Ein irisches KI-Startup will ADHS und andere Erkrankungen mit Hirnscans deutlich schneller erkennen. Die Technologie könnte Diagnosen beschleunigen, wirft aber auch Fragen zu Genauigkeit, Datenschutz und medizinischer Verantwortung auf.
31.05.2026 07:25
Lesezeit: 3 min
KI-Diagnose in Minuten: Irisches Startup will ADHS schneller erkennen
Evolve Neuro sammelt 1,6 Millionen Euro für KI-gestützte Hirnscans ein. (Foto: dpa) Foto: Bijanki et al, J. Clin. Invest.

KI-Diagnose soll ADHS in Minuten erkennen

Ein irisches Start-up, das KI und fortschrittliche Hirnkartierung nutzt, um Erkrankungen wie ADHS schnell vorherzusagen und zu diagnostizieren, hat 1,6 Millionen Euro einer geplanten Seed-Runde über rund 2,5 Millionen Euro eingesammelt.

Evolve Neuro wurde von Peter O’Mara-Kane, einem Serienunternehmer, und Michael Keane, einem praktizierenden Arzt, Neurowissenschaftler und Psychologen, gegründet. Das Unternehmen hat eine schnelle Hirnscan-Plattform namens Nura Scan entwickelt.

Evolve wurde 2022 gegründet und konzentrierte sich ursprünglich darauf, die Gehirnfunktion von Sportlern und Führungskräften zu messen, um Leistung zu verbessern und mögliche Einbrüche bei Form oder psychischer Gesundheit frühzeitig vorherzusagen.

Die Plattform des Unternehmens hat sich inzwischen zu einem schnellen Scansystem entwickelt, das Erkrankungen wie ADHS und PTSD innerhalb von Minuten sichtbar machen kann.

„Wir haben mit einer Technologie begonnen, die lediglich die Messung der Gehirnfunktion ermöglichte. Inzwischen hat sie sich so weit entwickelt, dass wir in fünf Minuten mit einer Genauigkeit von rund 90 Prozent beurteilen können, ob jemand ADHS hat. Das übertrifft den klinischen Richtwert von etwa 85 Prozent“, sagte O’Mara-Kane der Business Post.

„In anderen Bereichen der Medizin ist vieles sehr gut messbar, beim Gehirn war das bisher nicht der Fall. Das wollen wir ändern“, fügte O’Mara-Kane hinzu.

Finanzierung aus der Golfregion

Evolve erhielt in der vergangenen Woche 50.000 Dollar, rund 42.000 Euro, nachdem das Unternehmen unter 50.000 Firmen für das Finale eines Wettbewerbs von Deel und JP Morgan ausgewählt worden war. Dort ging es um eine Investition von einer Million Dollar, also rund 840.000 Euro.

Die neue Finanzierung bewertet das Unternehmen mit rund 13,5 Millionen Euro. Angeführt wurde die Runde von Revival Lab, einer Investmentgesellschaft aus Saudi-Arabien unter dem Vorsitz von Sultan bin Abdullah Al Saud. Zu den weiteren Geldgebern gehören ebenfalls Investoren aus der Golfregion, darunter Revival Lab und Vital Ventures.

Weltweit sind Schätzungen zufolge fünf bis sieben Prozent der Kinder von der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ADHS betroffen. Eine Diagnose kann jedoch mehrere Jahre dauern. Menschen mit ADHS leiden häufiger unter psychischen Problemen wie Angstzuständen und Depressionen und haben zudem ein erhöhtes Suizidrisiko.

O’Mara-Kane sagte, der erste Plan bestehe darin, Kliniken zu eröffnen, in denen sich Menschen schnell auf ADHS untersuchen lassen können. Langfristig soll das Unternehmen seine Dienste auch auf die Diagnose weiterer Erkrankungen ausweiten.

Nura Scan als Gesundheitscheck für das Gehirn

O’Mara-Kane verweist auf den Erfolg von Neko Health, einem präventiven Health-Tech-Unternehmen, das 2018 von Spotify-Chef Daniel Ek mitgegründet wurde. Neko bietet Ganzkörper-Scans innerhalb weniger Minuten an, um frühzeitig auf mögliche körperliche Gesundheitsprobleme hinzuweisen. Nura Scan wolle etwas Ähnliches für jene Bereiche leisten, die Neko nicht abdecke.

„Wir sehen uns als eine Art Neko Health vom Hals aufwärts, mit Schwerpunkt auf präventiver Gehirngesundheit“, sagte er.

„Der Plan ist, Menschen ihr Gehirn in Echtzeit während der Messung zu zeigen und ihnen nicht nur Einblicke in die Funktionsweise ihres Gehirns zu geben, sondern auch personalisierte Empfehlungen, die ihnen helfen, ihre Fähigkeiten bestmöglich zu nutzen“, sagte er.

„Wir haben bereits eine Liste potenzieller Kunden mit fast 10.000 Personen“, fügte O’Mara-Kane hinzu. Geplant sind Kliniken in mehreren Städten, wobei London und Dubai zu den möglichen Standorten gehören.

Irischer Hub erst später geplant

Das Unternehmen möchte nach eigenen Angaben irgendwann auch einen irischen Standort aufbauen. Dieser dürfte jedoch nicht zu den ersten Klinikstandorten gehören.

„Wir denken über einige wirklich besondere Flagship-Standorte nach, haben aber langfristig auch einen Partnerschaftsplan, da wir versuchen wollen, diese Lösung möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.“

Es gibt weitere Unternehmen, die KI zur Diagnose psychischer Erkrankungen wie ADHS einsetzen. O’Mara-Kane betont jedoch, dass die meisten dieser Anbieter das Gehirn selbst nicht berücksichtigen, da ihnen in der Regel die notwendigen Daten fehlen.

Evolve habe seine Technologie dagegen auf Basis von Daten aufgebaut, die Keane, der technische Direktor des Unternehmens, über Jahre in klinischen Umgebungen gesammelt habe.

Das Unternehmen rechnet damit, in 18 Monaten bis zwei Jahren weitere Mittel in Höhe von rund 12,6 bis 16,8 Millionen Euro einzuwerben.

Das Thema ist selbstverständlich sensibel, insbesondere hier in Deutschland. Lange Wartezeiten bei ADHS-Diagnosen und steigende Nachfrage nach psychischer Versorgung treffen hier direkt auf Fragen der Regulierung und ärztlichen Verantwortung. Vor allem aber der Einsatz von KI-Datenmodellen. Sollte sich die Technologie klinisch bewähren, könnte sie Diagnostik beschleunigen, zugleich aber neue Debatten über Datenschutz und medizinische Kontrolle auslösen.

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