Wirtschaft

Stahlkrise: Großproteste in Berlin und Völklingen gegen drohende Massenentlassungen

Zehntausende Arbeitsplätze in der deutschen Stahlindustrie stehen auf dem Spiel. Mit großen Protestaktionen in Berlin und dem Saarland fordern Tausende Beschäftigte und die IG Metall jetzt stärkere Unterstützung von der Bundesregierung, um die heimische Produktion gegen die internationale Konkurrenz zu verteidigen.
12.06.2026 15:00
Lesezeit: 2 min
Stahlkrise: Großproteste in Berlin und Völklingen gegen drohende Massenentlassungen
Zehntausende Jobs sind durch die Stahlkrise 2025 in Gefahr: Was die IG Metall in Berlin und Völklingen gegen den Stellenabbau jetzt fordert (Foto: dpa).

Einbruch der Rohstahlproduktion alarmiert die Belegschaften

Die Belegschaften der Stahlbranche erhöhen mit Massenkundgebungen den politischen Druck auf die Bundespolitik. Unter dem Slogan "Stahl hat Zukunft - bei uns!" zogen zahlreiche Stahlarbeiter in der Bundeshauptstadt vom Brandenburger Tor bis vor das Bundeswirtschaftsministerium. Die Gewerkschaft IG Metall bezifferte die Teilnehmerzahl auf etwa 1.700 Angestellte aus über 40 verschiedenen Produktionsstätten. Parallel dazu versammelten sich im saarländischen Völklingen laut polizeilichen Angaben rund 8.500 Menschen im Zuge mehrerer Protestzüge.

Die Arbeitnehmervertretung verlangt finanzielle und regulatorische Unterstützung vonseiten der Politik für den angeschlagenen Wirtschaftszweig. Dieser hat schwer mit der allgemeinen Konjunkturschwäche, restriktiven Strafzöllen der USA sowie dem Import von billig produziertem Stahl, vornehmlich aus dem asiatischen Raum, zu kämpfen. Im Jahr 2025 sank das Produktionsvolumen der deutschen Stahlunternehmen, deren Hauptstandorte traditionell in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und dem Saarland liegen, auf bloße 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl. Dies stellt den niedrigsten Stand seit der globalen Wirtschaftskrise des Jahres 2009 dar.

"Politik muss Möglichkeiten schaffen"

Zudem warnt die IG Metall davor, Klimavorgaben in Europa aufzuweichen und damit den Umbau der Branche zu grünem Stahl zu gefährden. "Wir wollen grünen Stahl produzieren, unsere Stahlwerke werden, soweit es geht, klimaneutral. Doch die Politik muss konsequent die Möglichkeit dafür schaffen", sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jürgen Kerner.

Er warnte, den europäischen Emissionshandel, der im Juli auf EU-Ebene auf den Prüfstand kommen soll, infrage zu stellen. Dies treibe "Zehntausende Arbeitsplätze ins Risiko". Zugleich brauche es Unterstützung für Unternehmen, die die Investitionen in die klimafreundliche Produktion nicht allein stemmen könnten.

Grüne und Linke springen bei

Unterstützung bekamen die Stahl-Beschäftigten in Berlin von der Vorsitzenden der Linken, Ines Schwerdtner. "Stahl ist systemrelevant", sagte sie. Die Krise der Branche sei nicht von den Beschäftigten verursacht, sondern Folge einer unzureichenden Unterstützung beim Umbau zu klimafreundlicher Produktion. Auch der Parteichef der Grünen, Felix Banaszak, unterstützte die Stahlarbeiter.

Die Bundesregierung hat bereits einen Industriestrompreis für energieintensive Branchen wie die Stahlindustrie auf den Weg gebracht. Zudem beschlossen die EU-Staaten Schutzmaßnahmen, um die heimische Stahlbranche vor Konkurrenz zu schützen. Das geht der IG Metall aber nicht weit genug. Sie kritisiert, dass der Industriestrompreis zeitlich befristet ist, unter Finanzierungsvorbehalt steht und nur "homöopathisch" gegen teure Energie wirke.

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