Slowenische Goldhändler legen starke Zahlen vor
Der Goldboom hat den europäischen Edelmetallhandel kräftig belebt und zeigt, wie stark Anleger in unsicheren Zeiten auf physische Werte setzen. Ein Blick nach Slowenien liefert ein anschauliches Beispiel dafür, wie spezialisierte Händler mit Anlagegold und anderen Edelmetallen Rekordumsätze erzielen und welche Rückschlüsse sich daraus auch für den deutschen Markt ziehen lassen.
Wir alle haben zu Gold ein besonderes Verhältnis und stehen dem Edelmetall ähnlich offen gegenüber wie Kryptowährungen. Im vergangenen Jahr stieg der Goldpreis um 40 Prozent. Seit dem Ausbruch des Krieges im Nahen Osten bewegt er sich jedoch entgegen verbreiteter Erwartungen und fällt überraschend, stellten wir selbst in unseren Goldreports fest. Doch wie entwickelten sich jene Unternehmen, die Gold und andere Edelmetalle ankaufen und verkaufen?
Betrachtet wurden sechs Unternehmen, die Daten zu ihrem Geschäft im vergangenen Jahr veröffentlicht haben. Zwar kaufen und verkaufen auch Juweliere Anlagegold und Edelmetalle, sie wurden in diese Übersicht jedoch nicht einbezogen, da sie neben Anlagegold auch Schmuck, Uhren und ähnliche Produkte verkaufen.
Moro & Kunst erzielt Rekordumsatz
Das Ljubljaner Unternehmen Moro & Kunst, das mit Anlagegold und anderen Edelmetallen handelt, hat seine Umsätze im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt, berichtet das slowenische Finanzportal Finance.si. Sie lagen bei 265,6 Millionen Euro und erreichten damit den höchsten Wert bisher. Der Nettogewinn betrug 1,9 Millionen Euro, wie aus Daten der Unternehmensdatenbank Dun & Bradstreet hervorgeht.
Den Großteil der Umsätze erzielte das Unternehmen im Inland, nämlich 85,27 Prozent. Der Rest entfiel auf die EU. Eine Niederlassung betreibt Moro & Kunst auch in Kroatien, wie aus den Erläuterungen zu den veröffentlichten Abschlüssen hervorgeht.
Das Unternehmen gehört Irena Kunstelj Moro und beschäftigte im vergangenen Jahr durchschnittlich 5,22 Personen. Es ist nicht verschuldet. Auf den Konten lagen Ende 2025 gut eine Million Euro an liquiden Mitteln. Die Vorräte beliefen sich auf rund 7,5 Millionen Euro und waren damit dreimal so hoch wie ein Jahr zuvor.
Gold Store verdoppelt die Erlöse
Das Unternehmen Gold Store, mehrheitlich im Besitz von Geschäftsführerin Enisa Palamar und Benjamin Hostnik, der zehn Prozent hält, verdoppelte im vergangenen Jahr seine Umsätze gegenüber dem Vorjahr. Sie erreichten 74,1 Millionen Euro. Auch der Nettogewinn stieg um die Hälfte und lag bei fast 540.000 Euro.
Ende 2025 verfügte das Unternehmen über fast 3,5 Millionen Euro an liquiden Mitteln. Die Vorräte lagen bei 520.000 Euro und damit 70 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Langfristige Finanzverbindlichkeiten bestanden in Höhe von 184.000 Euro, kurzfristige Finanzverbindlichkeiten gab es nicht.
Nach Angaben auf der eigenen Website betreibt Gold Store in Slowenien elf Filialen. Ebenso viele Menschen waren im vergangenen Jahr durchschnittlich beschäftigt. Zur Erinnerung: Die Eigentümer wurden mit Enthüllungen im Rahmen des Projekts Panama Papers in Verbindung gebracht.
Edisontrade verdoppelt den Gewinn fast
Das Unternehmen Edisontrade aus Koper hat seine Umsätze im Jahr 2025 gegenüber 2024 mehr als verdoppelt. Sie lagen bei 68,1 Millionen Euro. Auch der Nettogewinn erhöhte sich nahezu auf das Doppelte und erreichte rund 610.000 Euro.
Das Unternehmen wird von den Eigentümern Patrik und Tedy Pavlovski geführt. Langfristige Finanzverbindlichkeiten bestehen nicht. Kurzfristige Finanzverbindlichkeiten lagen bei einer halben Million Euro und damit 30 Prozent niedriger als im Vorjahr.
Die Vorräte waren Ende des Jahres um ein Viertel höher als ein Jahr zuvor und beliefen sich auf 2,7 Millionen Euro. Auf dem Konto lagen knapp 450.000 Euro liquide Mittel, ein Drittel mehr als im Vorjahr.
Das Unternehmen ist seit 1990 im Goldgeschäft aktiv. Im vergangenen Herbst eröffnete es eine zweite Filiale in Ljubljana. Durchschnittlich beschäftigte Edisontrade im vergangenen Jahr acht Personen.
Elementum steigert Umsatz und Gewinn
Das Unternehmen Elementum aus Šenčur erzielte im vergangenen Jahr 37,9 Millionen Euro Umsatz. Das waren 76 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Nettogewinn verdoppelte sich nahezu und erreichte 278.000 Euro.
Das Unternehmen beschäftigte im vergangenen Jahr durchschnittlich sechs Personen. Ende des Jahres verfügte es über Vorräte im Wert von knapp einer Million Euro, ähnlich viel wie im Vorjahr. Langfristige Finanzverbindlichkeiten lagen bei 3.588 Euro, kurzfristige Finanzverbindlichkeiten gab es nicht.
Eigentümer des Unternehmens ist Bojan Pravica, der in Deutschland lebt und seit mehreren Jahrzehnten im Bereich Finanzberatung tätig ist. Über Elementum ist er auch Eigentümer von Elementum AG. Dieses Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr 17,3 Millionen Euro Umsatz und knapp 200.000 Euro Nettogewinn.
Ende des Jahres verfügte Elementum AG über Vorräte im Wert von 613.000 Euro, ähnlich viel wie im Vorjahr. Auf den Konten lagen 229.000 Euro liquide Mittel. Auch dieses Unternehmen beschäftigte im vergangenen Jahr durchschnittlich sechs Personen.
Saiva SLO wächst im zweiten Geschäftsjahr stark
Ein erfolgreiches Geschäftsjahr verzeichnete auch Saiva SLO im Besitz des kroatischen Unternehmers Saša Ivanović. Die Saiva Group ist regionaler Distributor von Gold- und Silberbarren sowie Münzen. In Slowenien eröffnete sie Anfang 2024 die Filiale Center Zlata.
Im vergangenen Jahr erzielte Saiva SLO 29 Millionen Euro Umsatz und 422.000 Euro Nettogewinn. Ende des vergangenen Jahres verfügte das Unternehmen über Vorräte im Wert von 2,3 Millionen Euro. Auf den Konten lagen rund 950.000 Euro liquide Mittel. Durchschnittlich beschäftigte Saiva SLO im vergangenen Jahr vier Personen.
Eko zlato wächst mit Onlineverkauf
Zu den Edelmetallhändlern gehört auch das Unternehmen Eko zlato aus Ljubljana. Eigentümerin und Geschäftsführerin ist Marjeta Koritnik. Das Unternehmen verkauft Anlagegold und Silber online.
Eko zlato wurde 2023 gegründet und erzielte im vergangenen Jahr 25,1 Millionen Euro Nettoumsatz aus Verkäufen sowie 170.000 Euro Nettogewinn. Das geht aus den bei AJPES veröffentlichten Bilanzen hervor. Das Unternehmen mit zwei Beschäftigten verfügte Ende des Jahres über Vorräte im Wert von 824.000 Euro und 46.000 Euro liquide Mittel.
Gold bleibt ein Geschäft mit starken Ausschlägen
Die veröffentlichten Bilanzen zeigen, wie stark der Goldpreisanstieg die Umsätze slowenischer Edelmetallhändler nach oben gezogen hat. Besonders auffällig ist dabei, dass mehrere Unternehmen ihre Erlöse massiv steigerten, ohne zugleich hohe Verschuldung aufzubauen. Das spricht für ein Geschäftsmodell, das stark vom Handelsvolumen, vom Anlegerinteresse und von der Preisentwicklung bei Gold und Silber abhängt.
Gleichzeitig bleibt der Markt anfällig für Richtungswechsel. Steigende Goldpreise ziehen Käufer an, erhöhen aber auch die Vorratswerte und das Risiko plötzlicher Korrekturen. Sinkt der Goldpreis oder lässt das Interesse privater Anleger nach, können Umsätze rasch zurückgehen. Für Händler ist daher nicht nur der Preis entscheidend, sondern auch Liquidität, Lagersteuerung und Vertrauen der Kunden.
Für den deutschsprachigen Raum ist der Blick nach Slowenien interessant, da Gold hier natürlich auch als Sicherheitsanlage fest verankert ist. Die Zahlen zeigen, dass Edelmetallhändler in Phasen hoher Unsicherheit stark profitieren können. Zugleich erinnert der Markt daran, dass Goldhandel kein Selbstläufer ist, sondern ein Geschäft mit engen Margen, hohem Vertrauenserfordernis und deutlicher Abhängigkeit von Preisstimmung und Krisenerwartungen.
