Politik

Nervenkrieg im Norden? Vizeadmiral warnt vor aggressiverem Russland in der Ostsee

Die Ostsee wird zunehmend zum Pulverfass: Flottenbefehlshaber Vizeadmiral Axel Deertz warnt vor einem immer potenteren und aggressiveren Auftreten russischer Kriegsschiffe. Beim jüngsten Nato-Manöver „Baltops“ mit rund 6.000 Soldaten demonstrierte das Bündnis unter US-Führung deshalb Entschlossenheit. Die Sicherheit der Region gilt als entscheidend für ganz Europa und die USA.
19.06.2026 08:44
Lesezeit: 1 min
Nervenkrieg im Norden? Vizeadmiral warnt vor aggressiverem Russland in der Ostsee
Vizeadmiral Axel Deertz, Stellvertreter des Inspekteurs der Marine, spricht bei der Übergabe des ersten neuen Hubschraubers vom Typ NH90 Sea Tiger an die Deutsche Marine am Bundesministerium der Verteidigung in Berlin (Foto: dpa). Foto: Christoph Soeder

Schattenflotte im Visier: Militär setzt auf enge Vernetzung gegen Provokationen

Die Präsenz russischer Kriegsschiffe und die Sicherheit im Ostseeraum stehen weiter im besonderen Fokus der Deutschen Marine. "Eine Gegend, wo sich die sicherheitspolitische Lage spürbar verdichtet hat, wo ein potenzieller Gegner ziemlich potent unterwegs ist und zunehmend aggressiver auftritt", sagte der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Axel Deertz, am Rande einer Konferenz in Kiel. Dort beraten führende Offiziere aus Deutschland, den USA und anderen Nato-Staaten darüber, wie Europas Nordflanke geschützt werden kann.

In den vergangenen Tagen hatten rund 6.000 Soldaten aus 15 Nationen auf 20 Schiffen beim Nato-Manöver Baltops in der Ostsee trainiert. Das 55. Baltops-Manöver wurde erneut von der US Navy angeführt. Die Sicherheit der Ostsee sei entscheidend für die Sicherheit Europas und damit auch der Vereinigten Staaten, sagte Vizeadmiral Jeffrey T. Anderson, der Befehlshaber der 6. US-Flotte.

Deertz verwies auf die Zusammenarbeit nicht nur zwischen den Militärs, sondern auch mit der Küstenwache, der Fischerei oder dem Zoll. Das ergebe ein abgestimmtes Lagebild, auf das schneller reagiert werden könne. Mit Blick auf die Schattenflotte, mit der Russland Sanktionen von westlichen Unterstützern der Ukraine umgehen will, sprach der Befehlshaber von einem "gegenseitigen Hochstacheln". "Es ist durchaus in unserem Interesse, dass sie mit ihren Marineeinheiten mehr auf ihre Handelsschiffe gucken müssen."

Aggressivität

Graduell nehme die Aggressivität zu, sagte Deertz. "Wir haben aus dem Kalten Krieg Regeln, die wir von beiden Seiten nach wie vor beherzigen. Wir wissen, dass es ja nichts bringt, aufeinander zuzufahren, also halten wir Abstände voneinander." Ziel sei es, Missverständnisse zu vermeiden. Es sei unredlich zu sagen, dass das Risiko eines militärischen Zwischenfalls bei null liege. "Es muss sich jetzt keiner Sorgen machen, dass er morgen angegriffen wird. Aber wir müssen die Augen eben aufhalten."

Schwerpunkt des Großmanövers war die Sicherung des freien Seeverkehrs in der Ostsee. Außerdem ging es nach Marineangaben um robuste Abschreckung. Die Ostsee gilt auch angesichts des andauernden russischen Angriffskrieges auf die Ukraine als strategisch wichtiges Meer. Russland ist als einziger der neun Ostseeanrainerstaaten kein Nato-Mitglied.

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