Radikalkur für die Modellpalette statt konkreter Antworten
Hinter verschlossenen Türen rang die Konzernführung gestern um die künftige Strategie. Am späten Abend sickerte schließlich durch: Der Vorstand hat dem Aufsichtsrat ein umfassendes Reformpaket präsentiert. Dieses sieht unter dem Label „Zielbild 2030“ insgesamt 12 Kerninitiativen vor. Die gravierendste Folge für Kunden und Produktion: Das bisherige Modellangebot soll schrittweise um bis zu die Hälfte zusammengestrichen werden. Zudem ist geplant, die Fülle an wählbaren Ausstattungsoptionen radikal um bis zu 75 Prozent zu reduzieren, um die Produktion drastisch zu vereinfachen.
Zu den drängendsten Fragen gab sich das Management jedoch schmallippig: Konkrete Angaben zu einem drohenden Stellenabbau oder gar Werksschließungen – über die im Vorfeld spekuliert worden war – blieben aus. Die Hängepartie geht damit vorerst weiter. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der für das Land im Kontrollgremium sitzt, dämpfte die Erwartungen an eine schnelle Lösung: Wann genau die finalen Entscheidungen fallen werden, sei derzeit noch völlig offen.
Konzern nennt Verkaufszahlen fürs Quartal
Heute veröffentlicht der Konzern nun die Auslieferungszahlen für das vergangene Quartal. Auch BMW berichtet heute über seine Auslieferungen. Die VW-Tochter Porsche meldete bereits gestern einen Rückgang um 16 Prozent bei den Auslieferungen im ersten Halbjahr - auf 122.306 Sport- und Geländewagen. Angaben zu Umsatz und Gewinn bis Juni gibt es bei VW dann in 14 Tagen bei der Halbjahresbilanz.
Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Laut „Manager Magazin“könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Schwache Geschäfte in China und USA belasten
In den ersten drei Monaten war die Zahl der Auslieferungen im Konzern auf nur noch 2,05 Millionen Fahrzeuge aller Konzernmarken gesunken, 4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Schwache Verkaufszahlen vor allem in China und den USA drückten auf den Absatz.
Seinen weltweiten Marktanteil habe der Konzern dennoch weitgehend stabil gehalten, hieß es. Allerdings bei einem deutlich geschrumpften Gesamtmarkt. In Deutschland und auch in ganz Europa legte Europas größter Autobauer dagegen zu.
Bereits in den vergangenen beiden Jahren waren die Verkaufszahlen des VW-Konzerns gesunken. 2025 rutschte der Absatz mit 8,98 Millionen Auslieferungen unter die Marke von neun Millionen Fahrzeugen.
