Panorama

AfD-Verbotsverfahren: Über 1.000 Juristen fordern in offenem Brief AfD-Verbot

Mehr als 1.000 Juristinnen und Juristen erhöhen den Druck auf die Politik und verlangen ein AfD-Verbotsverfahren. Ein offener Brief sorgt für neue Dynamik in der Debatte. Doch ob daraus tatsächlich ein Antrag beim Bundesverfassungsgericht wird, bleibt weiter offen.
03.08.2026 17:26
Lesezeit: 2 min
AfD-Verbotsverfahren: Über 1.000 Juristen fordern in offenem Brief AfD-Verbot
Kommt das AfD-Verbot? Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. (Bild DPA) Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Mehr als 1.000 Juristen fordern AfD-Verbotsverfahren

Mehr als 1.000 Juristinnen und Juristen erhöhen den Druck auf die Politik und sprechen sich für ein AfD-Verbot aus. Nach Angaben des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins (RAV) unterstützen inzwischen 1.051 Unterzeichner einen offenen Brief an Bundesregierung und Bundestag. Als der Appell Mitte Juli veröffentlicht wurde, hatten ihn zunächst gut 500 Juristinnen und Juristen unterschrieben. Die deutliche Zunahme der Unterstützer rückt die Debatte über ein AfD-Verbot erneut in den Fokus.

Zu den Unterzeichnern gehören Anwälte, Richter, Staatsanwälte, Juristen aus Verwaltung und Wirtschaft sowie Rechtsreferendare. Sie fordern die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht. Grundlage ihrer Forderung ist ein rechtswissenschaftliches Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF). Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Politik der AfD gegen das Menschenwürdeprinzip des Grundgesetzes und das Demokratieprinzip verstoße und damit verfassungswidrig sei.

RAV fordert rasches Handeln von Bundesregierung und Bundestag

Der RAV erklärt, die Unterstützer sähen es als "Pflicht, uns für die Menschenwürde aller Menschen einzusetzen". Weiter heißt es: "Dazu gehört, dass wir eine Partei wie die AfD, die zentralen Grundwerten unserer Verfassung widerspricht, entschieden bekämpfen." Nach Auffassung des Vereins sind Bundestag und Bundesregierung deshalb erneut aufgefordert, "unverzüglich die notwendigen Schritte für die Stellung eines Antrags an das Bundesverfassungsgericht in die Wege zu leiten mit dem Ziel, die Verfassungswidrigkeit der AfD feststellen zu lassen und damit ein Verbot der Partei zu bewirken". Für die Initiatoren ist ein AfD-Verbot damit eine notwendige Konsequenz.

Die Juristinnen und Juristen warnen zugleich vor den Folgen eines weiteren Zuwartens. Sie befürchten "einen ernsthaften Schaden für die Demokratie und die Bedrohung vieler Menschen, sollte es der AfD gelingen, ihre verfassungsfeindliche Politik in die Realität umzusetzen". RAV-Vorsitzende und Mitinitiatorin Angela Furmaniak erklärte, das Grundgesetz gebe "ein Instrument an die Hand, das nun endlich eingesetzt werden muss". Die Politik dürfe sich "nicht mehr hinter Scheinargumenten verstecken", sondern müsse "handeln, bevor es zu spät ist". Aus Sicht der Unterzeichner spricht dies für ein AfD-Verbot und die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens.

Bundesverfassungsgericht entscheidet über Parteiverbot

Rechtlich kann ein Parteiverbot ausschließlich durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen werden. Nach Artikel 21 Absatz 2 des Grundgesetzes sind Parteien als verfassungswidrig einzustufen, "die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden". Einen entsprechenden Antrag dürfen ausschließlich Bundesregierung, Bundestag oder Bundesrat stellen. Ob ein AfD-Verbot beantragt werden soll, ist politisch weiterhin umstritten.

Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch die Einschätzung des Bundesamts für Verfassungsschutz. Dieses beobachtet die Partei als rechtsextremen Verdachtsfall, während einige Landesverbände als gesichert rechtsextrem eingestuft werden. Mit inzwischen 1.051 Unterstützern wächst der öffentliche Druck auf die politisch Verantwortlichen weiter. Ob aus den Forderungen tatsächlich ein Antrag auf AfD-Verbot wird, entscheidet letztlich die Politik. Bis dahin dürfte die Diskussion über ein AfD-Verbot weiter an Bedeutung gewinnen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

DWN
Politik
Politik Kostenrisiko Rentenreform: Rente verbraucht immer mehr Steuereinnahmen
12.10.2026

Rentenniveaugarantie, Mütterrente und Reformpakete: Warum die Pläne der Regierung für Milliardenrisiken sorgen und der Rechnungshof...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Reichen die außergewöhnlichen Gewinne einiger weniger Giganten aus?
12.10.2026

US-Aktieninvestoren halten es offenbar nicht lange aus, ohne neue Kursrekorde zu erreichen. Die Energiepreise schießen nach oben, während...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Industrieaktien sind heiß, diese Aktie ist der Favorit unter den Goldminen
11.10.2026

Der US-Bullenmarkt feiert nächste Woche sein vierjähriges Bestehen und hat seit dem Tiefpunkt beachtliche 117 Prozent zugelegt. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Boom außer Kontrolle: Diese sechs Gefahren bedrohen die Finanzmärkte
11.10.2026

Der KI-Boom treibt Börsenkurse, Investitionen und Bewertungen seit Jahren nach oben. Doch hinter der Euphorie wächst ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Das neue Projekt der DWN
11.10.2026

Ich möchte Ihnen die faszinierende Geschichte von Investor Toomas vorstellen, die mich dazu inspiriert hat, selbst in die Welt der Börse...

DWN
Finanzen
Finanzen Investment-FOMO: Warum Anleger nicht jedem Trend folgen sollten
11.10.2026

Ich las kürzlich auf Insta: „Stocks that will make you rich before 2027!! (I am only going to say that once!!).“ Drei Aktien von 12...

DWN
Immobilien
Immobilien Sachwert, Ertragswert, Vergleichswert: Wie Profis eine Immobilie bewerten
11.10.2026

Wer eine Immobilie kaufen möchte, sollte sich mit dem Vokabular rund um den Wert der Immobilie auskennen. Was Sachwert, Ertragswert und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E-Auto kaufen oder leasen? Der Fünf-Minuten-Check
11.10.2026

Ein E-Auto kaufen klingt einfacher, als es ist. Reichweite, Laden, Leasing, Garantien und eine Fülle neuer Technik können Einsteiger...