Arbeitswelt: Müde und ausgebrannt? Beschäftigte haben genug von KI
Viele Unternehmen machen sich derzeit Gedanken darüber, wie sie mehr Mitarbeiter für den Einsatz von KI gewinnen können. Schließlich ist das Versprechen, dass KI die Belastung durch bestimmte Routinearbeiten verringert und den Mitarbeitern mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben ermöglicht. Das klingt verlockend, doch die Realität sieht seit dem KI-Hype anders aus: KI reduziert die Arbeit nicht sondern intensiviert sie - und das mit negativen Folgen.
AI Brain Fry: KI am Arbeitsplatz kann in mehr Arbeit und Burnout enden
Die Jobs von Wissensarbeitern galten lange als sicher und gut bezahlt. Dazu zählen akademische Berufe wie Ärzte, Ingenieure, Anwälte und Redakteure. Gerade diese Berufsgruppen sind vom KI-bedingten Wandel der Arbeitswelt allerdings besonders stark betroffen. So warnt beispielsweise Anthropic-Chef Dario Amodei seit Längerem, dass KI Millionen gut bezahlter Arbeitsplätze vernichten und eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent verursachen könnte. Aber auch diejenigen, die noch fest im Sattel sitzen und heute schon regelmäßig mit KI arbeiten, sind damit oft nicht zufriedener. Viele sehnen sich stattdessen nach einer Arbeitswelt ohne KI zurück.
Einfluss von KI wird als negativ empfunden
Tools wie ChatGPT haben schon jetzt die Jobs vieler Menschen verändert. Eine aktuelle Studie von OpenAI hat mehr als 800.000 Nachrichten von Nutzern untersucht, um herauszufinden, wie sich die Aufgabenbereiche bestimmter Berufsgruppen konkret verändern. Demnach erledigen vor allem Mitarbeiter in kleineren Unternehmen zunehmend Tätigkeiten, die eigentlich nicht zu ihrem Berufsfeld gehören.
Besonders häufig zeige sich das im Kundenservice und bei Designer, aber auch in den Bereichen HR, Marketing und Recht seien diese Tendenzen zu beobachten. Laut den Forscher ist diese Verschiebung in den Daten schon sichtbar, noch bevor sie sich in Stellenanzeigen niederschlägt.
KI-Frust: 41 Prozent wollen ohne ChatGPT arbeiten
Diese Entwicklung hat Folgen: Immer mehr Wissensarbeiter blicken sehnsüchtig auf die Zeit vor generativer KI zurück. In Deutschland gilt das für fast drei Viertel der Wissensarbeiter. 41 Prozent würden generative KI am liebsten sogar komplett abschaffen. Als Grund nennen 45 Prozent, dass die Auseinandersetzung mit minderwertigen KI-Ergebnissen ihre Arbeit weniger sinnvoll und eher repetitiv erscheinen lässt.
37 Prozent sagen, dadurch insgesamt weniger motiviert zu sein. Weitere 25 Prozent fühlen sich durch KI-Tools auch in ihrer Kreativität eingeschränkt. Das geht aus einer Umfrage des Technologieberatungsunternehmens Adaptavist hervor. Insgesamt wurden 2.500 Wissensarbeiter in mehreren Ländern befragt, davon 500 in Deutschland.
AI Brain Fry: Mitarbeiter leiden unter „KI-Müdigkeit“
Ursprünglich sollten KI-Tools die Produktivität steigern und Fachkräfte entlasten. In der Praxis bleibt dieses Versprechen allerdings für viele unerfüllt. Oft verursacht die Technologie sogar Mehrarbeit. Laut der Umfrage investieren 39 Prozent der Wissensarbeiter in Deutschland mehr Zeit in die Überprüfung und Korrektur von KI-Ergebnissen, als sie durch den Einsatz einsparen.
42 Prozent geben an, dass minderwertige KI-Ergebnisse ihre Projekte aktiv verlangsamen, und 49 Prozent sehen dadurch die Gesamteffizienz des Teams beeinträchtigt. Gleichzeitig stehen Mitarbeiter unter wachsendem Druck, in einem maschinengestützten Umfeld schnellere und bessere Ergebnisse zu liefern.
Viele geben an, eine gewisse „KI-Müdigkeit” zu empfinden. Trotzdem lehnen Wissensarbeiter KI nicht pauschal ab. In der Umfrage äußerten 67 Prozent sogar den Wunsch, dass ihr Unternehmen den KI-Einsatz ausweitet. „Diese Ergebnisse weisen auf eine grundlegende Diskrepanz hin, die wir bei den meisten KI-Implementierungen beobachten. Für Unternehmen ist es viel einfacher, sich auf Nutzungskennzahlen zu konzentrieren – beispielsweise, wer KI nutzt und wie oft sie genutzt wird –, als ihre Auswirkungen auf die Arbeit selbst zu messen“, kommentiert Neal Riley, AI Innovation Lead bei The Adaptavist Group.
Berufskrankheit AI Brain Fry: Wie KI unseren Kopf überlastet
Auch wenn KI Zeit spart, fühlen sich immer mehr Menschen erschöpfter als ohne den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Hinter dem Phänoman steckt die Berufskrankheit „AI Brain Fry“. Mit AI Brain Fry ist kein medizinischer Fachbegriff gemeint, sondern ein alltagssprachliches Phänomen: Das Gehirn fühlt sich „durchgebraten“ an, weil Menschen ständig mit digitalen Reizen, KI-Tools, Informationen, Vorschlägen, Aufgaben und Entscheidungen konfrontiert sind. Es geht um eine diffuse mentale Überlastung und keine klassische Erschöpfung nach harter körperlicher Arbeit. Typische Anzeichen können sein: ständige Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, innere Leere und das Gefühl, nie wirklich fertig zu sein.
Studien warnen inzwischen vor der KI-Berufskrankheit, da statt der oftmals versprochenen Produktivitätsgewinne viele Menschen mentale Erschöpfung, sinkende Motivation und kreative Blockaden erleben.
Studie bestätigt "AI Brain Fry" durch intensive KI-Nutzung
So belegt eine BCG-Studie, dass die gleichzeitige Überwachung zu vieler KI-Tools kognitive Erschöpfung auslöst. Die Folgen sind messbar, von höheren Fehlerquoten bis zu steigender Kündigungsabsicht. KI sollte die Arbeit eigentlich erleichtern, doch eine Studie der Boston Consulting Group zeichnet inzwischen ein differenzierteres Bild: Die Forschenden befragten 1.488 Vollzeitbeschäftigte in den USA zu ihren KI-Nutzungsmustern und deren kognitiven Auswirkungen. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Intensive Überwachung von KI-Tools führt zu dem Phänomen "AI Brain Fry", also eine akute mentale Erschöpfung durch kognitive Überlastung.
Bestimmte Formen der KI-Nutzung können die geistige Belastung erhöhen – vor allem dann, wenn Menschen mehrere KI-Systeme gleichzeitig überwachen oder ständig deren Ergebnisse kontrollieren müssen.
AI Brain Fry: Durch KI entsteht mehr geistige Arbeit
Oft verschiebt KI die Arbeit nur anstatt sie zu veringern: Früher musste man einen Text selbst schreiben. Heute bekommt man fünf Versionen und muss entscheiden, welche stimmt. Früher musste man eine Idee entwickeln. Heute bekommt man zehn Vorschläge und muss prüfen, welcher davon wirklich sinnvoll ist. Das klingt zunächst nach Entlastung. Tatsächlich entsteht aber oft eine neue Aufgabe: Doch unser Gehirn hat Grenzen. Auch dann, wenn die Technik um uns herum immer schneller wird. Ein oder zwei gut beherrschte KI-Werkzeuge sind meist besser als fünf parallele Systeme. Wichtig ist gegenzusteuern: Mit klaren Aufgaben, weniger Tools, echten Pausen und einem bewussteren Umgang mit digitaler Arbeit. Letztendlich soll KI dem Menschen die Arbeit erleichtern - und nicht zu einer Mehrbelastung führen.

