Dama N.V. ist dafür ein interessantes Beispiel. Die Gesellschaft aus Curaçao wurde über Jahre als Betreiber zahlreicher internationaler Casino-Webseiten genannt. Wie umfangreich dieses Netzwerk tatsächlich ist, lässt sich heute allerdings nicht mehr mit einer einzigen Zahl beantworten. Marken verschwinden, neue kommen hinzu und andere wechseln ihre Betreibergesellschaft.
Eine Casino-Marke ist nicht der Betreiber
Bei Online Casinos müssen mindestens drei Ebenen auseinandergehalten werden: die sichtbare Marke, die juristische Betreibergesellschaft und die technische Infrastruktur.
Eine Casino-Webseite kann beispielsweise von Dama N.V. betrieben worden sein, während Software und technische Dienstleistungen von anderen Unternehmen stammen. Auch Zahlungsabwicklung und Spiele kommen häufig von externen Dienstleistern.
Dass Dama tatsächlich hinter zahlreichen unterschiedlichen Marken stand, lässt sich anhand von Behördenunterlagen nachvollziehen. Die australische Medien- und Kommunikationsbehörde ACMA nennt beispielsweise SpinsUP, Rebellion Casino, MoonWin, Golden Star Casino, Lucky Friends und N1 Bet gemeinsam in einer formellen Verwarnung gegen Dama N.V. Die Behörde stellte in ihrer Untersuchung ausdrücklich fest, dass Dama N.V. Anbieter dieser Dienste war.
Bereits zuvor tauchten weitere Namen auf. 2024 verwarnte die ACMA Dama unter anderem wegen Dundee Slots, Spin Fever, Jogi Casino, Clubhouse Casino und Lucky Wins.
Recherchen führen zu einem größeren Unternehmensgeflecht
Besonders interessant wird das Thema durch eine Recherche des Bayerischen Rundfunks und der Tagesschau aus dem November 2024. Die Journalisten untersuchten mehrere hundert Casino-Webseiten und deren Impressumsangaben.
Dabei identifizierten sie Dutzende Angebote, die laut Impressum von Dama N.V. aus Curaçao oder N1 Interactive Ltd. aus Malta betrieben wurden. Unternehmensunterlagen, Gerichtsdokumente und Domainregister lieferten nach Angaben der Recherche zudem Hinweise auf Verbindungen zum Glücksspieltechnologieunternehmen SoftSwiss und dessen Gründer.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Eine geschäftliche oder technische Verbindung bedeutet nicht automatisch, dass alle beteiligten Gesellschaften rechtlich dasselbe Unternehmen sind.
Die Recherche zeigt jedoch, wie viel komplexer die Unternehmenslandschaft hinter einer Casino-Webseite sein kann, als es für einen Spieler zunächst erscheint.
Millionenbeträge zwischen den Unternehmen
Besonders aufschlussreich sind die vom BR ausgewerteten Finanzunterlagen.
Laut einem Dokument aus dem maltesischen Unternehmensregister überwies N1 Interactive Ltd. im März 2022 zwei Millionen Euro an Dama N.V. in Curaçao. Der Kontostand von N1 Interactive wurde in demselben Dokument mit mehr als sieben Millionen Euro angegeben.
Noch größer waren die Summen, die in Unterlagen der insolventen Wirecard-Bank auftauchten. Laut BR wurde SoftSwiss dort als Kunde im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Vorgängerfirma von Dama genannt. Dieses Unternehmen soll 2018 Zahlungen von rund 61 Millionen Euro über Wirecard abgewickelt haben.
Das zeigt die wirtschaftliche Dimension hinter den einzelnen Casino-Marken. Selbst wenn Spieler lediglich eine Einzahlung von 20 oder 50 Euro sehen, können sich über ein größeres Netzwerk erhebliche Zahlungsströme entwickeln.
Auch Werbedaten lieferten Hinweise
Die BR-Recherche fand noch eine ungewöhnliche Verbindung.
Nach Angaben der Journalisten wurden Stellenanzeigen für SoftSwiss über Google geschaltet. Im Werbetransparenzregister von Google erschien dabei Dama N.V. als Auftraggeber dieser Anzeigen.
Außerdem soll eine Internetadresse eines von Dama betriebenen Casinos ursprünglich mit einer SoftSwiss-E-Mail-Adresse registriert worden sein. SoftSwiss und dessen Gründer beantworteten die entsprechenden Fragen des BR laut Bericht nicht. Die Recherche spricht deshalb von Hinweisen und möglichen Verbindungen, nicht von einer abschließend festgestellten einheitlichen Unternehmensstruktur.
Behörden machen Betreiberzuordnungen nachvollziehbar
Eine der verlässlichsten Quellen für historische Betreiberzuordnungen sind Behördenentscheidungen.
Die ACMA hat Dama N.V. über mehrere Jahre wiederholt im Zusammenhang mit verschiedenen Casino-Webseiten genannt. Neben SpinsUP, MoonWin und Rebellion Casino finden sich in ihren Veröffentlichungen beispielsweise Woo Casino, Spirit Casino und Level Up Casino.
In einer früheren Entscheidung aus dem Jahr 2023 wurden zudem Just Casino, Betandplay und Play Fina genannt.
Diese Dokumente sind für eine historische Liste der Dama Casinos wesentlich aussagekräftiger als viele Affiliate-Verzeichnisse wie Onlinecasinogroups.com. Sie belegen zumindest für den jeweiligen Untersuchungszeitraum, welche Dienste die Behörde Dama N.V. zurechnete.
Das Problem mit aktuellen Dama-Listen
Wer heute nach Dama sucht, stößt schnell auf sehr unterschiedliche Angaben. Einige Casino-Verzeichnisse führen weiterhin zahlreiche bekannte Marken unter Dama N.V. Andere Seiten weisen inzwischen darauf hin, dass ein Teil des Portfolios zu Novatrix SRL gewechselt ist.
Eine aktuelle Informationsseite über die Betreiberentwicklung beschreibt ausdrücklich einen Übergang zahlreicher zuvor von Dama N.V. betriebener Casinos zu Novatrix SRL. Sie empfiehlt selbst, aktuelle Betreiber- und Lizenzinformationen direkt beim jeweiligen Anbieter zu kontrollieren.
Genau deshalb ist eine historische Betreiberzuordnung nicht automatisch eine aktuelle.
Ein gutes Beispiel sind Marken, die in älteren Listen weiterhin Dama zugerechnet werden, während neuere Geschäftsbedingungen inzwischen eine andere Gesellschaft nennen. Eine Liste kann dadurch formal korrekt gewesen sein, aber wenige Monate später bereits überholt sein.
Betreiberwechsel verändern die gesamte Einordnung
Ein Betreiberwechsel ist mehr als eine kosmetische Änderung.
Ändert sich die juristische Gesellschaft hinter einer Webseite, können sich auch Lizenz, zuständige Aufsicht und Geschäftsbedingungen ändern. Deshalb reicht es nicht, einen Casino-Namen einmal einer Betreibergruppe zuzuordnen und diese Information anschließend jahrelang weiterzuverwenden.
Bei Dama ist dieses Problem besonders ausgeprägt, weil das historische Portfolio groß war und zahlreiche Marken inzwischen anders eingeordnet werden.
Das erklärt auch, warum verschiedene Webseiten auf völlig unterschiedliche Zahlen kommen, wenn sie die Größe des Dama-Netzwerks angeben.
So lässt sich der tatsächliche Betreiber prüfen
Wer heute feststellen möchte, welche Gesellschaft hinter einem Online Casino steht, sollte deshalb zuerst die aktuellen Geschäftsbedingungen und rechtlichen Angaben der konkreten Webseite prüfen. Dort sollten Firmenname, Registrierungsdaten und gegebenenfalls Lizenzinformationen genannt werden.
Anschließend können diese Angaben mit dem Register der genannten Glücksspielbehörde abgeglichen werden. Bei älteren Betreiberzuordnungen sind zusätzlich Behördenentscheidungen hilfreich. Die ACMA-Dokumente zeigen beispielsweise eindeutig, welche Casino-Dienste Dama N.V. zum Zeitpunkt der jeweiligen Untersuchung zugerechnet wurden.
Bei deutschen Spielern kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Eine ausländische Betreiber- oder Lizenzangabe beantwortet nicht automatisch die Frage, ob das konkrete Glücksspielangebot in Deutschland erlaubt ist.
Das Dama-Beispiel zeigt deshalb vor allem eines: Eine verlässliche Casino-Betreiberliste ist immer eine Momentaufnahme. Entscheidend sind aktuelle rechtliche Angaben und überprüfbare Registerdaten. Gerade bei großen Netzwerken und Betreiberwechseln können ältere Listen zwar für die historische Einordnung nützlich sein, sollten aber nicht ungeprüft als aktueller Unternehmensbestand übernommen werden.
