Renault Twingo im Test: Der Stadtflitzer aus Slowenien
Überall auf der Welt halten sich noch immer einige Klischees rund ums Autofahren. Es heißt zum Beispiel, Frauen könnten nicht parken, Männer dagegen führen aggressiv und verstießen massenhaft gegen Verkehrsregeln. Natürlich gibt es Frauen, die tatsächlich nicht parken können, und Männer, für die Disziplin am Steuer ein Fremdwort ist. Aber verallgemeinern darf man das nicht. Trotzdem stellt sich die Frage fast von selbst: Wer fährt besser, Männer oder Frauen?
Nach statistischen Daten sind Fahrerinnen in deutlich weniger Unfälle verwickelt, was die These bestätigt, dass sie weniger Risiken eingehen. Andererseits sind Autos, auf die Frauen stehen, auch deutlich seltener mit sprühenden Pferdestärken ausgestattet. Würden auch Männer im Verkehr weniger riskieren, wenn sie ein sogenanntes Frauenauto fahren würden?
Diese Frage stellte ich mir sofort, als ich die Gelegenheit bekam, ihn zu fahren. Den Twingo. Den Renault Twingo. Diesmal in Slowenien. Er war etwas Besonderes. Nicht wegen einer besonders gewagten Außenfarbe, obwohl ich zugeben muss, dass ihm Dunkelrot sehr gut steht, sondern wegen der Mission, die er mitbringt. Seine Besonderheit ist nämlich die Stille, denn er rühmt sich eines Elektromotors.
Gebaut in Slowenien
Etwas Besonderes ist er natürlich auch, weil er in Slowenien gebaut wird und vom Erfolg seines Verkaufs das Schicksal von rund 1.600 Beschäftigten abhängt. Nach dem engen Test-Zusammensein scheint es jedoch, als müsse man sich um sein Schicksal keine Sorgen machen. Mehr noch: Ich wage die Prognose, dass er ein Verkaufserfolg wird.
Beginnen wir am Ende, beim Preis. Der beträgt für den bestausgestatteten Twingo 21.990 Euro. Ob sich Käufer auch ohne Förderung massenhaft für ihn entscheiden werden, ist allerdings eine große Frage. Bei schwächerer Ausstattung lassen sich zwar 2.000 Euro sparen, doch dazu würde ich nicht raten.
Dann fehlen nämlich zwei Bonbons, die lobenswert sind: der aktive Tempomat, der die Fahrt durch automatisches Beschleunigen, Bremsen und Halten des Sicherheitsabstands sicherer und komfortabler macht, sowie der intelligente Schlüssel, der die Türen automatisch ent- und verriegelt. Auch sonst ist die technische Ausstattung reichhaltig. Erwähnenswert sind die Parkkamera, die automatische Klimaanlage und die Verkehrszeichenerkennung, damit Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens nicht in Ihrem Briefkasten landen.
Sein natürliches Revier sind Stadtstraßen
Der Twingo ist natürlich kein Auto, mit dem man Geschwindigkeitsrekorde aufstellt. Deshalb ist die Höchstgeschwindigkeit auf 130 Kilometer pro Stunde begrenzt. Sein natürliches Revier sind Stadtstraßen, wo er richtig abliefert. Dort zeigt sich seine Wendigkeit, die aus nur 3,79 Metern Länge resultiert. Die Suche nach einer Parklücke wird damit zum Kinderspiel, und selbst ein unsicherer Fahrer erledigt die Mission Parken mit Auszeichnung.
Obwohl er auf den ersten Blick klein wirkt, trifft das nicht vollständig auf ihn zu. Ich kletterte auf die Rückbank, die sich längs verschieben lässt, und stellte fest: Für die Knie gibt es genug Platz. Mit dem Kopf ist man allerdings schnell an der Decke, wenn man größer als 1,80 Meter ist. Der Fahrersitz dagegen ist ein Synonym für Komfort, leider aber nicht elektrisch verstellbar.
3,79
Meter misst der Twingo in der Länge. Sein Kofferraum fasst 260 Liter.
130
Kilometer pro Stunde beträgt die elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit.
21.990
Euro kostet der getestete Twingo. Eine Förderung ist derzeit nicht verfügbar.
Der Kofferraum ist klein, aber tief. Die 260 Liter Grundvolumen reichen zum Beispiel für zwei Bordkoffer. Die Rückbank lässt sich umklappen, allerdings entsteht dabei eine Stufe, die die Nutzbarkeit etwas verringert.
Die Menüs werden über den großen farbigen Touchscreen mit 25,6 Zentimetern beziehungsweise 10,1 Zoll Diagonale oder über Schalter am Lenkrad bedient. Nicht gefallen hat mir, dass es nur ein geschlossenes Fach gibt, und selbst das verdient seinen Namen kaum. Zum Glück gibt es aber ziemlich viele Ablagemöglichkeiten.
Mit einer Ladung durch die Arbeitswoche
Wegen seines städtischen Charakters hat auch die Batterie eine geringe Kapazität. 27,5 Kilowattstunden klingt wenig und ist auch wenig. Besonders dann, wenn man etwas schneller fahren will, was beim Twingo mehr als 100 Kilometer pro Stunde bedeutet. Die Autobahn haben wir lieber gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Die Folge?
Ein Durchschnittsverbrauch von 12,1 Kilowattstunden reichte für eine Reichweite von rund 200 Kilometern. Für viele genügt das, um mit einer Ladung unter der Woche zur Arbeit und zurück zu fahren. Für längere Strecken muss man sich allerdings etwas mehr Zeit nehmen. Die maximale Ladeleistung beträgt nämlich 50 Kilowatt. Wie ich feststellte, ist das aber eher Theorie als Praxis. Immerhin reichte ein halbstündiger Stopp, um die Batterie von zehn auf 80 Prozent zu laden.
Mir gefiel das Auto, auch weil es schon auf den ersten Blick an das Original erinnert, das vor 33 Jahren in den Verkauf ging. Obwohl es als Frauenauto gilt, fühlte ich mich als Mann darin ausgezeichnet. Dass es keine schnelle Fahrt ermöglicht, störte überhaupt nicht. Und noch eines: Mit dem Bonus bei Finanzierung spart man zusätzlich 1.200 Euro.
