Unternehmensporträt

Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung

Vom Online-Banking bis zu Wertpapiergeschäften – die Finanz Informatik digitalisiert 338 Sparkassen und betreut rund 114 Millionen Konten. Als einer der größten IT-Dienstleister in Deutschland treibt sie ihre digitale Souveränität voran. Doch FinTechs wie N26 und Trade Republic bestimmen das Tempo.
09.10.2026 16:45
Lesezeit: 3 min
Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung
Die Finanz Informatik verantwortet die Digitalisierung aller Sparkassen. Als großer IT-Dienstleister setzt sie auf digitale Souveränität beim Einsatz von KI und Cyber Security (Foto: iStock/ Dragon Claws). Foto: Dragon Claws

114 Millionen Konten, 200 Milliarden Transaktionen

„Jeder zweite Mensch in Deutschland kommt täglich mit uns in Kontakt“ – so sagt es die Finanz Informatik von sich selbst. Das Unternehmen ist ein stiller Riese, dessen Name weitestgehend unbekannt ist, aber dessen Dienstleistungen 50 Millionen Bundesbürger nutzen. Sei es eine Überweisung in der App oder die Eröffnung eines Tagesgeld-Kontos im Online-Banking.

Die Finanz Informatik ist der zentrale IT-Dienstleister und Digitalisierungspartner der Sparkassen Finanzgruppe. Das Unternehmen stellt bei 338 Sparkassen und deren Verbundunternehmen wie beispielsweise den Landesbanken die technische Infrastruktur bereit. „Wir betreuen rund 114 Millionen Konten, wickeln über 200 Milliarden technische Transaktionen im Jahr ab und unterstützen rund 395.500 Endgeräte unserer Kundinnen und Kunden“, sagt Pietro Montemurri, Geschäftsbereichsleiter Zentrale Services. Das Unternehmen liefert digitales Banking wie die Sparkassen-App für rund 38 Millionen Online-Banking- und über 20 Millionen App-Nutzende.

Die Technologie der Finanz Informatik steckt nicht nur in nahezu jedem Vorgang, den Kundinnen und Kunden bei ihren täglichen Bankgeschäften erledigen. Die Sparkassen wickeln ihre internen Prozesse ebenfalls mit Hilfe der Finanz Informatik ab, dazu zählen Mitarbeiter-Systeme wie der digitale Assistent S-KIPilot, Wertpapiergeschäfte, Kreditprozesse, Daten- und Analyse-Plattformen.

Mit eigenen Rechenzentren zur digitalen Souveränität

Die Finanz Informatik ist im Jahr 2008 aus einer Reihe von Zusammenschlüssen ehemals eigenständiger Rechenzentren der Sparkassenorganisation entstanden. Heute beschäftigt das Unternehmen an den drei Standorten Münster, Hannover und Frankfurt 7761 Mitarbeitende und setzt 2,6 Milliarden Euro um.

Schon früh hat die Finanz Informatik ihre digitale Souveränität vorangetrieben und betreibt eigene Rechenzentren. „Wir investieren jedes Jahr über 400 Millionen Euro in die Weiterentwicklung unserer IT-Systeme, darunter auch in unser Cyber Defense Center“, so Pietro Montemurri. Die Rechenzentren seien gegen Ausfälle geschützt: Fällt eine Komponente aus, können andere Systeme deren Aufgabe übernehmen.

Auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz legt die Finanz Informatik Wert auf Souveränität. Dazu nutzt sie Open-Source-Modelle unterschiedlicher Anbieter, die ebenfalls ausschließlich in den eigenen Rechenzentren betrieben werden. „So stellen wir sicher, dass keine Informationen in Richtung einer fremden Cloud oder Drittanbieter gelangen“, sagt Pietro Montemurri. Als Teil der kritischen Infrastruktur (KRITIS) in Deutschland erfüllt die Finanz Informatik hohe Anforderungen an operationelle Resilienz: Erweiterte Meldepflichten, strengere Anforderungen in den Bereichen Business-Continuity, Penetrationstests und Cyberresilienz.

Expertise in Cyber Security ist wichtiger denn je

Mit dem wachsenden Einsatz künstlicher Intelligenz will das Unternehmen die Sparkassen dabei unterstützen, den Mangel an Fachkräften auszugleichen. Ohnehin hat das Filialgeschäft sich in den vergangenen Jahren zunehmend ins Online-Banking verlagert. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom erledigten 86 Prozent der Deutschen ihre Bankgeschäfte im vergangenen Jahr online. Mit dem „Multi-Kanal-Ansatz“ setzen die Sparkassen einerseits auf die Sparkassen-App als „Filiale in der Hosentasche“, andererseits weiterhin auf den persönlichen Berater.

Der Bedarf an den Dienstleistungen der Finanz Informatik wird in Zukunft eher wachsen. So verwundert es kaum, dass das Unternehmen derzeit mehr als 200 offene Stellen ausschreibt. „Eine Kombination aus technischer und Banking-Expertise, Sicherheits- und Regulatorikwissen sowie Projekt- und Leadership-Fähigkeiten wird in Zukunft von Bedeutung sein“, erklärt Pietro Montemurri. Für wesentliche Qualifikationen hält das Unternehmen Kenntnisse in Cloud-Architekturen und Management, modernen Programmiersprachen sowie Softwareentwicklung. Wichtiger denn je sei Expertise in Cyber Security.

N26 und Trade Republic setzen die Messlatte höher

Als Wettbewerber treiben FinTechs Innovationen voran, etwa N26 mit einem konsequent auf das Smartphone ausgerichteten Banking, Trade Republic mit niedrig schwelligem Wertpapierhandel oder Revolut mit einer Vielzahl an digitalen Finanzdienstleistungen. Sie setzen damit die Messlatte für Nutzerfreundlichkeit, Geschwindigkeit und Personalisierung höher. „Die Finanz Informatik bietet den Sparkassen die technische Basis, um das Tempo mitzugehen und den Wettbewerb qualitativ sogar zu übertreffen“, sagt Pietro Montemurri. Gleichzeitig hält die Finanz Informatik sowohl FinTechs als auch BigTechs für wichtige Kooperationspartner. „Wir pflegen langjährige Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen wie IBM, Microsoft oder Nvidia“, so Pietro Montemurri. Die Finanz Informatik setzt mit ihrer Strategie auf mehrere Hersteller. „So wollen wir Abhängigkeiten reduzieren und bewusst steuern“, erklärt Pietro Montemurri. Das Unternehmen integriert spezialisierte Lösungen von FinTechs wie zum Beispiel für den digitalen Zahlungsverkehr. „Grundsätzlich ist es aber unser Anspruch, auch mit eigenen Entwicklungen innovative und souveräne Lösungen zu schaffen.“

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Cristina Prinz ist freiberufliche Journalistin und Geschäftsführerin einer Agentur für Corporate Publishing. Sie schreibt Unternehmerportraits für die DWN. 

 

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